Stoffmasken für alle: Rund 12'500 FHNW-Studenten erhalten in den nächsten Tagen Post

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Für die rund 3000 Studienanfänger ist die aktuelle Coronasituation kein idealer Start ins Studium. (Archivbild) © Nicole Nars-Zimmer (niz)

«Mit dieser Aktion wollen wir ein Zeichen setzen», sagt Direktionspräsident Crispino Bergamaschi. «Wir wollen signalisieren, dass wir das Schutzkonzept ernst nehmen. Dazu gehört seit dem 1. September die Maskenpflicht in den Räumen der FHNW.» Für das Herbstsemester, das am 14. September startet, hat die FHNW ein neues Schutzkonzept erarbeitet.

Es gelten die bekannten Hygienemassnahmen, die Abstandsregel – und neu gilt eben auch die Schutzmaskenpflicht in den Gebäuden der FHNW. Das hat Konsequenzen für den Unterricht. Jeder zweite Platz muss frei bleiben. Die Campus-Bauten können also nur zur Hälfte genutzt werden. Über 50 Prozent des Unterrichts erfolgt deshalb als Distance-Learning.

Situation für Studienanfänger ist schwierig

Für die rund 3000 Studienanfänger ist das kein idealer Start ins Studium. «Wir organisieren den Unterricht so, dass die Anfänger dennoch möglichst oft im Campus präsent sind», sagt Bergamas­chi. Sie sollen die Hochschule und die Dozenten vor Ort kennen lernen, sollen soziale Kontakte zu ihren Mitstudierenden knüpfen können. «Wir wollen, dass sie gut an der FHNW ankommen.» Man profitiere jetzt von den Erfahrungen aus dem Lockdown und sei auf die neue Situation vorbereitet.

Leidet die Qualität des Unterrichts unter den Einschränkungen der Schutzmassnahmen? Darüber lasse sich keine verlässliche Aussage machen, sagt Bergamaschi. Was er aber festgestellt habe: In der Coronazeit seien Studierende und Dozenten zusammengerückt. «Die Dozierenden stehen im direkten Austausch mit den Studierenden.» Und diese ständige Interaktion zeichne guten Unterricht aus.

Die Zahl der Studierenden ist im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf rund 12500 gestiegen. Ob dieser Anstieg trotz oder wegen Corona passiert ist, lässt sich nicht feststellen. Aber man habe beobachtet, dass Lehrabgänger, deren berufliche Situation unklar ist, in dieser Zeit der Ungewissheit sich eher für ein Studium an der FHNW entscheiden. So verzeichne die Hochschule für Wirtschaft einen besonders hohen Zuwachs.

Einbruch bei der Weiterbildung: Es fehlen mindestens 4 Millionen

Bisher verdiente die FHNW mit ihren Weiterbildungsangeboten rund 50 Millionen Franken pro Jahr. Doch seit dem Lockdown werden die Kurse weniger gebucht und es gibt viele Abmeldungen. «Dadurch fehlen uns im ersten Halbjahr 2020 mindestens 4 Millionen Franken an Einnahmen», sagt Ber­gamaschi. Gleichzeitig habe man aber die Kosten reduzieren können.

Wie steht es mit den Drittaufträgen für Forschung und Entwicklung? Sie spülten bisher der FHNW jährlich rund 50 Millionen Franken in die Kasse. «Ich bin vorsichtig optimistisch, dass die FHNW in diesem Bereich keinen Einbruch erleiden wird», sagt Bergamas­chi. Man sei noch mindestens für ein halbes Jahr mit Arbeit eingedeckt, die Aussicht auf neue Aufträge sei gut. «Ich bin zuversichtlich, dass die Schweizer Wirtschaft trotz Corona weiterhin in Innovationsprojekte investiert.»

Bei allen Einschränkungen, welche die Coronakrise mit sich bringt, sieht Bergamaschi auch positive Effekte. So habe sich die Institution FHNW als sehr flexibel erwiesen. Als Beispiel nennt er die Musikhochschule Basel. Da galt es, coronabedingt rund geplante 700 Konzerte innert kürzester Zeit umzugestalten. «Das war eine Riesenübung, die nur gelang, weil alle mitmachten», rühmt der Direktionspräsident.

Präsident lobt Angestellte für Sondereffort

Der Lockdown habe alle gezwungen, rasch viel zu lernen. Besonders bei der Digitalisierung des Unterrichts. «Im Kopf waren wir längst darauf vorbereitet. Aber denken, wie es gehen könnte, ist etwas anderes, als von einem Tag auf den andern Fernunterricht zu erteilen», erklärt Bergamaschi und verweist auf die Arbeit der Angestellten: «Die Mitarbeitenden der FHNW haben Grossartiges geleistet. Nur dank ihrem Sondereffort haben wir alles geschafft. Das hat mich beeindruckt und begeistert.»

Während des Lockdowns habe er auch die Qualität der Videokonferenz schätzen gelernt, sagt Bergamaschi. Künftig werde er weniger durch die Nordwestschweiz reisen, um an Sitzungen physisch anwesend zu sein. Ber­gamaschi glaubt nicht, dass die Einschränkungen durch die Pandemie schon bald vorbei sein werden. Er geht davon aus, dass Corona noch ein bis zwei Jahre ein zentrales Thema bleibt. «Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt investieren und gute Lösungen für die FHNW entwickeln.»

Eine Milliarde für 4 Jahre

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) gehört den vier Trägerkantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn. Sie führen die FHNW mit einem vierjährigen Leistungsauftrag. In diesen Tagen haben die Regierungen der vier Kantone den neuen Leistungsauftrag für die Jahre 2021–24 verabschiedet. Der Leistungsauftrag macht konkrete Aussagen zu den vier Kernaufträgen der FHNW: Ausbildung, anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung, Weiterbildung und Dienstleistungen zugunsten Dritter. Und er legt fest, wie viel Geld die FHNW von den Trägerkantonen erhält.

Für die nächsten vier Jahre sind das rund eine Milliarde Franken. Der Aargau bezahlt jährlich 84,2 Millionen Franken, Basel-Landschaf6 66,7 Millionen, Basel-Stadt 44,3 Millionen und Solothurn 38,1 Millionen Franken. Der Leistungsauftrag 2021–24 muss noch von den Kantonsparlamenten genehmigt werden. Im Aargau ist er an der Sitzung des Grossen Rates von morgen Dienstag traktandiert.

Die FHNW besuchen rund 12500 Studierende an insgesamt acht Standorten in den vier Trägerkantonen. Die Fachhochschule bietet 29 Bachelor- und 18 Masterstudiengänge an. (jm)

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