Fredrik Söderström: «Wir mussten die Möbel umstellen»

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Fredrik Söderström: «Den Sportchef so nah bei mir zu haben, ist eine Herausforderung.» (Bild: Bruno Kissling)

Heute in einer Woche beginnt nicht nur für den EHC Olten eine Saison voller Unwägbarkeiten. Oltens schwedischer Headcoach Fredrik Söderström (43) nimmt im Interview Stellung zu den brennendsten Themen des Corona-Sommers.

Was unterscheidet den Fredrik Söderström aus dem Jahr 2019 vom Fredrik Söderström in diesem Jahr?

Fredrik Söderström: Heute bin ich relaxter und weiss, was ich erwarten kann. Ich würde sagen, ich bin besser vorbereitet und kenne die Schweizer Hockey-Mentalität. Was mich letztes Jahr noch viel Zeit gekostet hat, erledige ich nun zügiger. Ich fühle mich auch wohler abseits des Eishockeys, wo alles neu war für mich. Das hat viel Energie gebraucht.

Trotzdem ist nun alles anders als vergangene Saison. Stichwort Corona.

Ja, Corona hat auch mich stark beeinflusst. Ich hinterfragte diesbezüglich viele Dinge: Schweden erlebte einen harten Sommer: Wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Meine Eltern sind über 70 und gehören damit zur Risikogruppe: Kann ich einfach in die Schweiz gehen und sie alleine lassen? Macht dies Sinn? Auch die ganzen finanziellen Auswirkungen auf die Klubs haben mich sehr belastet. Ich bin eine Person, die oft das Gute und das Schlechte abwägt. Ich habe mir die Frage gestellt: Die Welt spielt verrückt, es gibt Leute, die ernsthaft zu kämpfen haben, – und wir sollen Eishockey spielen?

Sie haben ernsthaft darüber nachgedacht, in Schweden zu bleiben?

Ich war mehr besorgt, ob mir der Klub die Kündigung aussprechen würde. Im Sinne von: Wir können es in schwierigen Zeiten moralisch nicht vertreten, einen Trainer aus Schweden anzustellen statt eines Schweizer Coaches. Für mich war immer klar, dass ich den laufenden Vertrag erfüllen möchte. Im Sommer schrieb mir Präsident Thommen, ob ich um zwei Uhr telefonieren könne. Und als er sagte, er wolle zum Gespräch CEO Reber dazuholen, dachte ich tatsächlich für eine Sekunde, es wäre vorbei. Dabei wollten sie mich über die Situation in der Schweiz und beim EHC Olten informieren (lacht). Das Gespräch gab mir ein gutes Gefühl, im Sinne von: Packen wir es an! In Schweden läuft es derzeit nicht so gut.

Erzählen Sie.

Ich hörte in diesen Tagen, dass in Schweden nur 50 Zuschauer erlaubt sind an Eishockeyspielen, vielleicht sollen per 1. Oktober 500 erlaubt sein, aber viele sind skeptisch. Was geschieht dann mit dem Sport? Wir hatten in Olten ein Spiel ohne Fans. Das wichtigste Spiel, seit ich beim EHC Olten bin, und wir hatten keine Fans – eine fürchterliche Erfahrung, die ich nicht mehr machen möchte. Ich bin etwas irritiert, wohin das noch führt. Ich habe den Spielern schon gesagt: Lasst uns in unserer Blase leben, befolgt die Regeln, aber lasst die Probleme der Welt hinter euch. Und so erleben es ja auch die Fans: Sie wollen die Emotionen im Stadion, mehr als jemals zuvor.

Kommen wir zum Sportlichen: Es gab im Frühling ein Saisonende ohne Happy End. Wie lange brauchten Sie, um damit klarzukommen?

Ein Jahr zuvor hatte ich in Norwegen im Playoff-Final verloren. Wir hätten mit Storhamar erneut Meister werden müssen. Dennoch hat mich diese Niederlage schnell losgelassen. Aber was hier in Olten gegen Langenthal passiert ist, mit diesem komischen, abrupten Ende, hat bei mir für lange Zeit ein komisches Gefühl hinterlassen. Ich hatte Mühe.

Blicken wir auf die neue Saison: Seien wir ehrlich – den Sportchef Marc Grieder als Assistenten zu haben, kann für Sie keine Traumlösung sein.

Das ist klar. Marc weiss es, ich weiss es. Aber das Gute an Marc ist, dass er keinerlei Geltungsdrang hat. Er ist mit Leidenschaft und Herzblut dabei. Er gibt alles für den EHCO. Er weiss aus eigener Erfahrung, was man von den Spielern verlangen kann. Aber fest steht auch: Ihn so nah bei mir zu haben, ist eine Herausforderung. Deshalb habe ich ihm auch klargemacht, wie ich unsere Rollenaufteilung sehe. Während der Spiele und der Trainings fälle ich die Entscheidungen. Danach und davor kann er mich feuern (lacht). 

Trotzdem: Die Doppelrolle ist heikel. 

Ich wollte, dass Marc seine beiden Rollen gegenüber dem Team klar definiert. Wenn man von ihm in seinem Amt als Assistenztrainer für einen Fehler zusammengestaucht wird, dann heisst das nicht, dass man am nächsten Tag nach Burgdorf verkauft wird. Ich kann nur sagen: Ich fühle mich in meiner Rolle als Headcoach wohl und bin selbstbewusst genug, dass meine Entscheidungen nicht durch Marcs Präsenz beeinflusst werden. Ich denke, wir werden uns gut ergänzen, weil wir auch ganz unterschiedlich funktionieren. 

Welches ist für Sie die grösste Herausforderung im Hinblick auf die neue Saison?

Bildlich ausgedrückt: Wir mussten die Möbel in unserer Wohnung umstellen. Jetzt müssen alle versuchen, sich so schnell wie möglich in ihr zurechtzufinden. Wenn uns das gelingt, dann sind wir sicher nicht das schlechtere Team als letzte Saison.

Apropos neue Möbel. Die neuen Spieler bringen mit ihrer Physis eine neue Dimension in die Mannschaft. Erleben wir da einen Kulturwandel? Weniger spektakulär, mehr harte Arbeit?

Das ist so. Ein Beispiel: Mit Stan Horansky verlieren wir einen der talentiertesten Spieler, den ich je coachen durfte. Er wird ersetzt durch Cédric Hüsler, der ein ganz anderer Spielertyp ist. Ist er unter dem Strich schlechter für das Team? Ich glaube nicht. Geschwindigkeit, Grösse, Wucht, Systemtreue – das sind sehr wichtige Qualitäten, die für jede Mannschaft extrem wertvoll sind. Letzte Saison hatte ich oft das Gefühl, dass die Gegner gerne gegen uns spielen, weil es «schöne» Spiele waren. Es war nicht unangenehm, gegen uns anzutreten. Deshalb hoffe ich, dass wir – auf intelligente Art und Weise – einen Weg finden, den gegnerischen Teams mehr unter die Haut zu gehen.

Was, also, können wir vom EHC Olten Saison 20/21 erwarten?

Schauen wir auf unsere Gegner, dann ist klar, dass Kloten punkto Klasse und Kaderbreite in einer anderen Liga spielt. Ajoie gehört mit seinen beiden Ausländern ebenso zu den Favoriten. Das heisst aber nicht, dass wir uns vor diesen Mannschaften verstecken müssen. Wir haben viele gute Eigenschaften in unserem Rucksack. Jetzt müssen wir sie nur noch zum richtigen Zeitpunkt einsetzen.

Haben Sie sich ein konkretes Ziel gesetzt?

Nein, mannschaftsintern nicht. Ich finde das immer schwierig, weil man die Ziele eben auch zu tief ansetzen kann und damit falsche Signale aussendet. Klar ist, dass es in diesem Jahr um sehr viel geht. Der Swiss-League-Meister steigt direkt auf. Das alleine muss für jeden Spieler Anreiz genug sein.

Aber es ist sicher nicht ungünstig, dass der EHCO nicht zu den klaren Favoriten gehört.

Das passt uns besser. Aber wir müssen auch etwas aus dieser Ausgangslage machen. 

Macht Ihnen die personelle Situation keine Sorgen? In der Verteidigung bewegen Sie sich bereits jetzt am Limit.

Diesbezüglich sind wir tatsächlich sehr verwundbar. Das erleben wir jetzt schon. Eine weitere Verletzung, und wir haben ein Problem. Marc ist sich – in seiner Rolle als Sportchef – dieses Umstands bewusst. Die Rückkehr von Janis Elsener und Nico Gurtner ist absehbar. Aber sollten wir noch einmal in so eine Situation kommen, müssen wir handeln. Zumal ja auch ständig die Gefahr einer Corona-Infektion lauert mit allen Konsequenzen.

Die Spieler mussten während der Coronakrise punkto Lohn Abstriche machen. Da ist es schwierig, einfach Verstärkungen zu holen.

Das stimmt. Aber nehmen wir den jungen Jan Schöni (SCB-Junior aus Hägendorf, Anm. der Red.) als Beispiel. Würde ich ihn schon in einem Meisterschaftsspiel einsetzen? Vermutlich noch nicht. Aber er ist schon gut genug, dass die Qualität des Trainings besser wird. Uns fehlen halt in solchen Situationen die eigenen Junioren, die man flexibel einsetzen könnte. Ich hoffe, Marc gelingt es, noch einen jüngeren Spieler auszuleihen. Wir können kein Geld in die Waagschale werfen. Aber wir können Talenten in Olten eine Chance bieten, sich zu verbessern. 

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