Warum wurde es trotz klarer Umfragen knapp für die Kampfjets? GFS-Leiter Bieri verteidigt seine Methoden

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Urs Bieri vom GfS Bern erklärt gegenüber CH Media die Unterschiede zwischen den Umfragen und dem Resultat. © ZVG/Keystone/Montage_CH Media

Urs Bieri, gemäss einer GFS-Umfrage sprach sich eine deutliche Mehrheit für die Beschaffung von Kampfjets aus, nun wurde es aber doch noch knapp.

 

Urs Bieri: Das vorläufige Schlussresultat ist 50,1 Prozent Ja. Die letzte Umfrage 19 Tage vor der Abstimmung ergab 56 Prozent Ja. Wir haben also eine Abweichung von 6 Prozentpunkten. Das ist langfristig ein Durchschnittswert. Es sieht dramatisch aus, wenn es von einem Ja zu einem Nein zu kippen droht, aber eigentlich sind solche Unterschiede normal und der dynamischen Entwicklung während eines Abstimmungskampfes bis am Schluss geschuldet.

 

Muss man nicht die Methoden überdenken, wenn man zwei Mal ein klares Ja zu den Kampfjets festgestellt hat und es dann derart knapp wird.

Wir passen unsere Methoden ständig an, aber in diesem Fall haben unsere Messinstrumente funktioniert. Wir hielten bei der ersten Umfrage ein Ja von 58 Prozent fest, bei der zweite waren es noch 56 Prozent. Es ist uns also gelungen, die Dynamik der Meinungsbildung abzubilden. Offenbar hat sich die Entwicklung zum Schluss noch beschleunigt, weil die Kritik am Schluss Überhand gewann.

Wie kommt es zu einer solchen Dynamik?

Das liegt an der Meinungsbildung und der Mobilisierung. An diesem Abstimmungssonntag war vor allem die Mobilisierung entscheidend. Bei unseren Umfragen sagten 47 Prozent, sie werden an die Urne gehen. Nun sind es 59 Prozent. Und diese zusätzlichen Abstimmenden machten auch die Unterschiede zu den Umfragen.

Warum gingen mehr Menschen an die Urne. Liegt es etwa am populären Vaterschaftsurlaub?

Es sieht so aus, als wären vor allem in den Städten mehr Menschen an die Urne gegangen. Dies hat nicht nur mit dem Vaterschaftsurlaub zu tun, sondern mit dem ganzen Vorlagen-Mix. Die klassische Anti-SVP-Koalition mobilisierte gegen die Begrenzungsinitiative, städtische Naturschützer wollten das Jagdgesetz verhindern und offenbar hat ganz am Schluss auch noch eine Mobilisierung gegen die Kinder-Steuerabzüge Fahrt aufgenommen.

Welche Rolle spielte die Corona-Pandemie?

Der Corona-Faktor hat sicher mitgespielt. Wir sahen in unseren Umfragen, dass finanzielle Fragen wichtiger wurden. Wegen der drohenden Wirtschaftskrise dachten die Abstimmenden eher ans eigene Portemonnaie und an das Budget des Staates. Das könnte entscheidend sein für die Stärkung des Nein-Lagers bei der Kampfjetvorlage und auch für das deutliche Nein zu den Familienabzügen.

Allerdings gab es ein sehr deutliches Ja zum Vaterschaftsurlaub, der ja bei Angestellten und Unternehmen ebenfalls aufs Portmonee schlägt.

Hier war entscheidend, dass die Initianten von ihrer Maximalforderung von vier Wochen abgekommen sind. Die zwei Wochen erschienen so als vernünftiger Kompromiss. Die Umfragen zeigten dies von Beginn weg punktgenau. Es ist eben nicht die Maximalvariante. Bei den Familienabzügen war es umgekehrt. Hier überlud die bürgerliche Mehrheit im Parlament die Vorlage und machte sie teurer. Das wurde nun von der Mehrheit der Stimmbevölkerung nicht goutiert.

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