Hinter dem Steuerrad statt vor der Gemeindeversammlung

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Heute kann Christine Schmid ihren Garten wieder geniessen. Nach dem Tod ihres Mannes war es für sie zu schmerzlich, in den Garten zu gehen. Bild: Heidi Bono
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Christine Schmid nach ihren letzten Gemeindeversammlungen. Bild: ZT vom 21.11.09

Den letzten Abschied hat Christine Schmid noch überaus präsent: Nach mehr als 20 Jahren bei der Raiffeisenbank Region Zofingen wurde sie pensioniert. «Bereits die Lehre habe ich im gleichen Gebäude in Oftringen absolviert», erzählt Schmid. Damals sei es noch die Bank Langenthal gewesen. Während vieler Jahre war Christine Schmid stellvertretende Bankleiterin und am Schluss Leiterin Compliance. Auch das dreimonatige «Sabbatical» sei ihr noch sehr präsent, und sie habe sich eine Wanderung durch die Schweiz auf dem Jakobsweg gegönnt. «Während drei Wochen war ich fast immer zu Fuss unterwegs mit einer kleinen Ausnahme als Mitfahrerin bei einem Bauern auf dem Traktor.» 

Vor 18 Jahren zur ersten Frau Gemeindeammann gewählt 

Etwas länger her ist es seit Christine Schmids anderem Abschied, demjenigen als erste Frau Gemeindeammann in Brittnau: Elf Jahre sind es im Dezember. Im Jahre 1994 wurde Christine Schmid in den Gemeinderat von Brittnau gewählt und von 2002 bis 2009 war sie dann erste Frau Gemeindeammann im Storchendorf. Ein gutes Team habe mitgewirkt sagt sie, und so seien auch nicht ganz einfache Zeiten wie Hochwasser und die zunehmend harsche Diskussionskultur gut zu bewältigen gewesen. 

Entspannen konnte sich Christine Schmid zusammen mit ihren Mann Jörg während Ferien im Wohnmobil und auf Wanderungen. Doch im August 2013 wurde bei Christine Schmids Mann Jörg Krebs diagnostiziert und im Oktober – nach einer letzten gemeinsamen Reise nach Südfrankreich – ist er verstorben. Dies habe ihr Leben grundlegend verändert, sagt Christine Schmid. Am Anfang sei es vor allem schwierig gewesen, den Alltag zu bewältigen. «Ein Leben ohne Jörg war einfach unvorstellbar.» Eine lange Zeit habe sie sich auch nicht im Garten aufhalten können. «Es war Jörgs Werk und die Erinnerung allzu schmerzlich.» Natürlich sei es mit der Zeit etwas besser geworden, aber Jörg fehle ihr immer noch sehr und eine leise Trauer werde sie wohl immer begleiten. In einer Buchbesprechung über ein Werk von einer Witwe über das Leben von Witwen sei sie auf einen Satz gestossen, der das «neue» Lebensgefühl treffend beschreibe: «Ich bin nicht mehr mittendrin – ich bin dabei.» Zu wissen, dass auch andere so empfinden, helfe. Halt würden ihr auch immer wieder Gespräche geben und das Zusammensein mit nahestehenden Personen. «Jeder Mensch geht mit der Trauer anders um, das habe sie nun festgestellt», sagt Christine Schmid. Sie könne Jörg nicht aus ihrem Leben ausblenden und sie spreche auch gerne über ihn. Dabei aber habe sie festgestellt, dass dies für manche Menschen unangenehm sei. 

Heute ist Christine Schmid vielseitig freiwillig engagiert 

Irgendwie habe sie sich neue Aktivitäten suchen müssen, berichtet Christine Schmid weiter. Sie habe sich gemeldet als Fahrerin beim Pflegeheim Sennhof und habe dort alle sechs Wochen Dienst. «Ich bin die einzige Frau zusammen mit fünf Männern», erzählt sie. Bei dieser Tätigkeit gebe es immer wieder schöne Begegnungen und der Fahrdienst mache ihr Freude, zudem sei es auch für die «Fahrgäste» wichtig und positiv. Seit 2018 hilft sie ausserdem in einem Team mit, das im Winterhalbjahr die Seniorennachmittage in Brittnau organisiert. «Wie es in diesem Winter möglich sein wird, wissen wir noch nicht», sagt Christine Schmid. Seit Kurzem ist sie zudem bei der Nachbarschaftshilfe KiSS Region Zofingen als Kassierin gewählt. Bei diesem Projekt helfen sich Freiwillige gegenseitig und können dabei Zeitgutschriften ansparen. Und einen besonderen lang gehegten Wunsch erfüllt sich Christine Schmid seit zwei Jahren: «Ich besuche in Luzern Lateinstunden und das bereichert mich sehr.»

Serie

Im Rahmen der Serie «Was macht eigentlich …?» haben Redaktorinnen und Redaktoren dieser Zeitung mit Menschen gesprochen, die Schlagzeilen gemacht haben. Wir fragen nach, was sie heute machen – und schwelgen mit ihnen in Erinnerungen.

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