Ab heute wieder vollere Stadien in Eishockey und Fussball – das müssen Sie dazu wissen

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Im Stadion, hier beim Testspiel des EHC Olten gegen Ambri-Piotta, gilt Maskentragepflicht. © Marc Schumacher / Freshfocus (22. September 2020

Wie viele Personen dürfen in die Stadien?

Zwei Drittel der Sitzplätze dürfen belegt werden. Stehplätze und Gästesektoren sind vorübergehend aufgehoben. Basel darf 17’057 Zuschauer zulassen, die Young Boys 20’000. In St.Gallen hat der Kanton vorerst das Heimspiel gegen Servette für 10’000 Zuschauer bewilligt. In Luzern erhalten 7300 Personen Einlass, beim EV Zug sind es 3800. Die ZSC Lions dürfen vor 7662 Zuschauern spielen, der SC Bern vor 6750. In allen Stadien herrscht strikte Maskenpflicht, die Tickets sind personalisiert, um das Contact Tracing sicherzustellen. Personalausweise müssen mitgeführt werden. Nach zwei Wochen löschen die Klubs die Daten.

Die Maskentragepflicht in den Stadien gilt zwar weiter, dafür dürfen wieder mehr als nur 1000 Zuschauer zum Fussball oder Eishockey.

Die Maskentragepflicht in den Stadien gilt zwar weiter, dafür dürfen wieder mehr als nur 1000 Zuschauer zum Fussball oder Eishockey. © Freshfocus / Daniela Frutiger

Welche regionalen Unterschiede kann es geben?

Wenn die Fallzahlen steigen, kann ein Kanton eine Bewilligung für die Partie widerrufen. Oder gewisse Auflagen verschärfen. Die Kantone haben die Möglichkeit, die ursprünglich zugelassene Zuschauerzahl zu senken. Kann das Contact Tracing aufgrund mangelnder Kapazität der Behörde nicht gewährleistet werden, kann die Besucherzahl reduziert wird.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In der deutschen Fussball-Bundesliga dürfen maximal 20 Prozent der Stadionkapazität genützt werden, bei hohen Infektionszahlen in einer Region wird, wie gestern Abend beim Supercup in München, niemand reingelassen. In Spanien: keine Zuschauer. In England: keine Zuschauer. In Italien: 1000 Zuschauer. In Frankreich: 5000 Zuschauer waren zugelassen, die stark steigenden Fallzahlen haben nun Konsequenzen: Lyon gegen Marseille darf am Sonntag zum Beispiel nur von 1000 Logenbesuchern verfolgt werden. In Holland dürfen ab sofort bis zum 20. Oktober gar keine Fans mehr ins Stadion. In Österreichs Fussball wurde anfänglich 10 000 Zuschauern Eintritt gewährt.

Durch den Anstieg der Infektionen erfolgte rasch eine Reduktion auf 3000. Altach im Risikogebiet Vorarlberg durfte zuletzt gar nur 500 Fans reinlassen. Im Eishockey verfolgten total 4200 Fans die vier Spiele der ersten Runde der Ice Hockey League (Österreich, Italien, Slowakei, Ungarn). So viele gehen allein in die Halle von Dornbirn rein. In Finnland dürfen die Stadien zu 40 bis 60 Prozent ausgelastet werden. In Schweden dagegen sind im Fussball wie im Eishockey lediglich 150 Zuschauer erlaubt. Für Virologen ist indes klar: Alles, was draussen stattfindet, hat prinzipiell ein geringeres Risiko, da das Virus auch über Aerosole übertragen werden kann.

In der Bundesliga, wie hier in Dortmund, sind je nach Bundesland unterschiedlich viele Zuschauer in den Stadien zugelassen.

In der Bundesliga, wie hier in Dortmund, sind je nach Bundesland unterschiedlich viele Zuschauer in den Stadien zugelassen. © Tim Groothuis/Freshfocus / Witters

Welche finanziellen Auswirkungen haben die Regeln für die Klubs?

Nicht nur die kleineren Vereine aus den strukturschwachen Regionen trifft die Coronakrise, auch die beiden aktuellen Meisterklubs aus der Bundeshauptstadt verlieren Millioneneinnahmen. Für das YB-Heimspiel am Sonntag gegen Vaduz erhalten nur die 16'500 Saisonkartenbesitzer Einlass ins Wankdorf. Gestern Mittwoch erhielten die Berner die Bewilligung, «dass wir danach ab Oktober 20'300 Sitzplätze besetzen dürfen», teilt YB-Medienchef Albert Staudenmann mit.

Das wird im Vergleich zur Zeit vor Corona immer noch im Schnitt über 6000 Besucher weniger für die folgenden 16 Heimspiele der laufenden Saison bedeuten – oder rund vier Millionen Franken Mindereinnahmen. Der SC Bern, 2019 der bislang letzte Eishockey-Meister, lebt bekanntlich von seinen Gastrobetrieben und den vielen Stehplätzen. Deshalb ist er quasi mehrfach bestraft, der SCB muss wegen der Einnahmeausfälle mit einem Defizit von bis zu fünf Millionen Franken rechnen.

Wie stehen die Klubs zur Lockerung des Publikumsverbots?

Die Anspannung bei den Verantwortlichen ist spürbar. Philipp Studhalter, der Präsident des FC Luzern, hat sich entschieden, statt der bewilligten 7300 Besucher vorerst nur die Saisonkarteninhaber ins Stadion zu lassen. Das sind weniger als 5000 Personen. In einem zweiten Schritt, wenn alles gut läuft, würde der FCL zusätzlich Onlinetickets verkaufen. «Wir machen einen Schritt nach dem anderen, wollen verhindern, dass wir im Herbst oder Winter wieder auf 1000 Zuschauer runter müssen», begründet Studhalter.

Gleich tönt es beim FC Basel, der stellvertretende Sicherheitschef René Bonk sagt: «Gut 17'000 Sitzplätze stehen für unsere Jahreskartenbesitzer bereit. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wir wollen, dass sich unsere Fans im Stadion sicher fühlen können und ein schönes Matcherlebnis haben.»

Wie funktioniert es vor dem Spiel, in der Pause und nach dem Spiel? Was muss ich bei WC-Besuch und Verpflegung beachten?

Im SFL-Leitfaden für die Stadionschutzkonzepte steht, dass der Ein‐ und Auslass so organisiert sein sollte, dass möglichst geringe Wartezeiten entstehen und Menschenansammlungen sowie gegenläufige Besucherströme verhindert werden. Es wird empfohlen, alle verfügbaren Verpflegungsstände zu öffnen, um die Durchmischung der Zuschauer zu minimieren.

Zudem sollte das Engagement von «fliegenden Verkäufern» geprüft werden. Aktivitäten auf dem Stadionvorplatz wie Fanshop, Gastronomie und Marketing müssen auf ein Minimum reduziert werden. Toiletten, Oberflächen und Türklinken werden regelmässig gereinigt. Den Zuschauern wird Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt.

Im Kybun-Park in St. Gallen wurden die Stehplätze durch Sitzplätze ersetzt.

Im Kybun-Park in St. Gallen wurden die Stehplätze durch Sitzplätze ersetzt.

© Benjamin Manser

Was tun die Klubs im Rahmen ihrer Schutzkonzepte sonst noch?

Die Klubs verlangen eine Registrierung mittels einer App oder online. Der generierte QR-Code muss dann beim Eintritt ins Stadion mit dem Ticket und einem Ausweis präsentiert werden. Kommt ein positiv auf Corona getesteter Fan ins Stadion, erhält er für drei Jahre ein Stadionverbot.

Was tun die Klubs im Rahmen ihrer Schutzkonzepte sonst noch?

Die Klubs verlangen eine Registrierung mittels einer App oder online. Der generierte QR-Code muss dann beim Eintritt ins Stadion mit dem Ticket und einem Ausweis präsentiert werden. Kommt ein positiv auf Corona getesteter Fan ins Stadion, erhält er für drei Jahre ein Stadionverbot. Einige Klubs messen bei den Matchbesuchern mit kontaktlosen Geräten Fieber. Andere tun dies mit Wärmebildkameras. Viele Vereine verzichten allerdings aufs Fiebermessen, weil Fieber durch Medikamente gesenkt werden kann. Es ist demnach keine sichere Methode.

Was geschieht bei positiven Corona-Tests in den Mannschaften?

Im Eishockey kann eine Partie verschoben werden, falls eine Mannschaft wegen Coronafällen nicht mehr zwölf Spieler und einen Goalie der ersten Mannschaft stellen kann. Der Spielplan wurde bewusst so konzipiert, dass neue Ansetzungen möglich sind. Nach der Absage des Spengler-Cups kann auch zwischen Weihnachten und Neujahr gespielt werden. Im Fussball können Partien ebenfalls verschoben werden, wenn mehrere Spieler einer Mannschaft aufgrund positiver Coronatests in Quarantäne müssen.

Im Stadion, hier beim Testspiel des EHC Olten gegen Ambri-Piotta, gilt Maskentragepflicht.

Im Stadion, hier beim Testspiel des EHC Olten gegen Ambri-Piotta, gilt Maskentragepflicht. Marc Schumacher / Freshfocus (22. September 2020

Wer muss alles in Quarantäne, wenn ein Zuschauer nach dem Matchbesuch positiv auf das Coronavirus getestet wird?

Sollte sich herausstellen, dass sich ein Matchbesucher mit Covid-19 infiziert hat, werden alle Personen, die im Umkreis von zwei Metern von ihm sassen, dem kantonsärztlichen Dienst gemeldet und in Quarantäne versetzt. Grössere Auswirkungen hätte das wohl beim SC Bern, dessen 84-seitiges Schutzkonzept zeigt, dass dies bis zu 32 Personen betreffen könnte.

Eine solche Massenquarantäne wollen natürlich alle Klubs tunlichst vermeiden. Als Beispiel das Zitat von FCL-Präsident Studhalter: «Im Zentrum unserer Bemühungen steht, dass niemand in Quarantäne muss. Unsere Zuschauer haben Platz, sie können sich sicher fühlen.»

Was passiert, wenn sich Zuschauer nicht an die Maskenpflicht halten?

Das Sicherheitsdispositiv der Klubs sieht vor: Wer sich weigert, eine Maske zu tragen oder sie nicht korrekt trägt, wird vom Sicherheitspersonal aufgefordert, dies zu tun. Wird dieser Aufforderung nicht gefolgt, wird diese Person aus dem Stadion gewiesen. Passiert das bei einem anderen Spiel erneut, kann der fehlbare Fan mit einem Stadionverbot von bis zu drei Jahren belegt werden. Ein Maskendispens bedeutet nicht, dass der Zutritt zum Spiel gewährt wird.

In St. Gallen beispielsweise dürfen Zuschauer mit Maskendispens nicht ins Stadion. Die Maske abzunehmen, um das Team anzufeuern, ist ebenso verboten wie die Verpflegung abseits des eigenen Sitzplatzes. «Der Quarantäne-Entscheid liegt beim jeweiligen Kantonsarzt», antwortet die Swiss Football League.

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