Gloor Recycling Center: Warenumschlag von jährlich 15 000 Tonnen

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Dieter Gloor mit einem Glas voll Regranulat, aus dem zum Beispiel Kunststoffrohre produziert werden. Bild: Thomas Fürst

Zofingen, Industriestrasse 2. Auf dem Areal entlang der SBB-Strecke Olten – Luzern, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Zofingen, herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Personenwagen folgt auf Personenwagen, dazwischen reihen sich immer wieder Liefer- und Lastwagen ein. Die Kofferräume der parkierten Fahrzeuge sind offen – entsorgt werden hier Papier, Glas, Karton und vieles mehr.  

«Ja», bestätigt Dieter Gloor, Betreiber des regionalen Entsorgungscenters, «es gibt hier kaum Ruhepausen». Am Samstag würden sich die Fahrzeuge sogar regelmässig stauen. Der 53-jährige Gloor führt die Gloor Transport AG in dritter Generation. Das Unternehmen wurde 1919 als Fuhrhalterei und Camionnagebetrieb gegründet und hat sich immer wieder den Erfordernissen der Zeit angepasst. 

So wurde vor 10 Jahren das Gloor Recycling Center eröffnet, heute betreibt Gloor nicht nur die offizielle Sammelstelle der Stadt Zofingen, sondern ist zusammen mit der Rewag AG auch offizielle Sammelstelle der Gemeinde Oftringen. «Aber grundsätzlich kann bei uns jedermann entsorgen», betont Gloor. 

Das Engagement im Recyclingbereich habe sich für sein Unternehmen eigentlich fast schon aufgedrängt, sagt der Zofinger Unternehmer. Als bekannter Anbieter von Mulden- und Containertransporten sei die Firma schon immer als Entsorger unterwegs gewesen, neu sei dann der Handel mit Altstoffen selber zum Geschäftsfeld geworden. «In diesem Sinn sind wir eigentlich auch unser grösster Kunde», sagt Dieter Gloor und lacht. 

Gewaltige Warenmengen, die entsorgt werden 

In seinem Entsorgungscenter setzt Gloor alljährlich gewaltige Warenmengen um. «Unsere Stoffbilanz weist für das vergangene Jahr einen Warenumschlag von 15 000 Tonnen aus», führt Gloor aus. Ihm ist dabei die Bezeichnung «Warenumschlag» wichtig, denn was hereinkomme, müsse auch wieder weg. Unumwunden gibt Gloor auch zu verstehen, dass grosse Mengen von Bedeutung seien. «Recycling ist ganz klar ein Mengengeschäft», betont Gloor. Eine Sammelstelle für die Öffentlichkeit anzubieten, bedinge, dass man alle Stoffe annehmen müsse. Es sei wie beim Einkauf – der Kunde fahre dorthin, wo er alles auf einmal einkaufen könne. «Wir nehmen hier wirklich alles an», sagt Gloor. 

Dabei können Papier, Karton, Styropor, Altglas, PET-Flaschen, Aludosen, sämtliche Metalle, Elektronikschrott, Haushaltgeräte, Kühlschränke, Leuchtstoffröhren, Haushaltbatterien, Autobatterien, Kleider und Schuhe, Nespresso-Kapseln und Korkzapfen gratis entsorgt werden. 

Gegen Gebühr werden auch Sperrgut, Bauschutt, Altöl, Lösungsmittel, Farben, Klebstoffe und Kunstharze fachgerecht entsorgt. Kunststoffe können im gebührenpflichtigen Kunststoff-Sack entsorgt werden. 

Im vergangenen Jahr konnte das Zofinger Unternehmen etwas mehr als 11 000 Tonnen der angelieferten Warenmenge einem Recyclingprozess zuführen, während nicht ganz 4000 Tonnen entweder der Verbrennung oder einer Inertstoffdeponie zugeführt werden mussten. «Damit erreichten wir 2019 einen Recyclinggrad von fast 75 Prozent», sagt Gloor. Im laufenden Jahr sei dieser sogar bei über 80 Prozent, was er als «sehr gut» einschätze, sagt Gloor nicht ohne Stolz. Damit habe man viele Rohstoffe im Kreislauf erhalten können, was die natürlichen Ressourcen schone und enorme Mengen an CO2-Ausstoss vermeiden helfe. 

Das Entsorgungsgeschäft des Zofinger Recyclingcenters wird im laufenden Jahr weiterwachsen. Stark wachsen. Dieter Gloor verweist dabei auf die mengenmässig gewichtigsten Posten Glas und Karton. Beim Altglas habe man das Sammelergebnis des Vorjahrs nach acht Monaten bereits übertroffen, beim Karton fast schon erreicht. 

Preiszerfall beim Karton macht zu schaffen 

Problemstoffe an sich gebe es im Recyclinggeschäft nicht, betont Gloor. Vielmehr bereite der Branche der starke Preiszerfall beim Karton Probleme. Ein Preiszerfall, der ausgelöst wurde, als China den Markt für Altkarton abschottete und so ein Überangebot im Weltmarkt entstand. Im Geschäftskundenbereich könne man mit den starken Preisschwankungen einigermassen umgehen, sagt Gloor. «Wir geben jede Preisveränderung unverzüglich an unsere Kunden weiter», betont er, manchmal würden diese für die Abnahme von Karton entschädigt, manchmal müssten sie dafür bezahlen. «2020 gab es extreme Preisschwankungen», sagt Gloor, «und ich weiss auch nicht, wo der Abnahmepreis im Oktober liegen wird.» 

Im Privatkundenbereich wäre von der Kostensituation her eine Gebühr für die Abgabe von Karton vertretbar, findet Dieter Gloor. «Aber soll ich einen meiner Mitarbeitenden bei der Kartonabgabe hinstellen und von jedem Kunden ein ‹Fränkli› einziehen lassen?», fragt Gloor rhetorisch. Das mache einfach keinen Sinn, gibt er gleich selber die Antwort. Ein Problem bleibe aber, dass sich die Altkartonsammlung immer mehr vom Verursacherprinzip entferne und eine Kostendeckung immer schwieriger zu erzielen sei. 

Einen gewichtigen Schritt nach vorne gemacht habe man dagegen bei der Kunststoff-Sammlung mit der Einführung eines gemeinsamen Sammelsacks für Kunststoffe aller Art, der von Olten bis nach Willisau identisch sei, gibt sich Gloor überzeugt. Denn momentan werde noch allzu viel Kunststoff der Verbrennung zugeführt, bedauert Gloor. «Das ist einfach nicht mehr zeitgemäss und belastet die Umwelt unnötig», betont er. 

Gloor weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein Thurgauer Unternehmen aus dem aus der ganzen Schweiz angelieferten Kunststoff-Abfall jährlich rund 16 000 Tonnen Kunststoffgranulat, sogenannte Regranulate, produziert. Pro Kilogramm Regranulat werden bis zu drei Kilogramm CO2 und ein Liter Erdöl im Vergleich zur Kehrichtverbrennung eingespart. Dazu kommt, dass die Herstellung von Regranulat nur halb so viel Energie benötigt wie die Herstellung von Primärkunststoffen. 

Sind Herr und Frau Schweizer Recycling-Weltmeister? 

Oft und gerne wird in den Medien darüber gerätselt und gestritten, wer denn nun Recycling-Weltmeister sei.  Diese Frage sei kaum zu beantworten, findet Dieter Gloor. Denn nur schon in Europa beruhten die Statistiken auf unterschiedlichen Grundlagen. Sammelquoten seien nicht identisch wie Verwertungsquoten. Er finde, dass Herr und Frau Schweizer gut seien im Recycling und sie würden auch mitmachen. «Nicht nur, weil sie Geld sparen können, sondern auch aus Überzeugung», betont Gloor. Das zeige sich etwa beim Kunststoff-Recycling, wo der Sammelsack nur unwesentlich billiger sei als der Kehrichtsack. Und gerade beim Kunststoff-Recycling sehe er noch viel Luft nach oben. «Kunststoffe landen noch allzu oft im Kehricht», sagt Gloor. Die Mission wäre klar: Auch dort müsste der Weg von der Wegwerf- zur Kreislaufwirtschaft führen. Je eher, desto besser. 

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