«Kolt» erfindet sich neu: «Die Leserschaft ist die Chefredaktion»

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Statt einem Magazin erscheint das "Kolt" neu unter anderem als Zeitung. © Patrick Lüthy

Das Stadt- und Kulturmagazin «Kolt» gibt es seit zehn Jahren. Mit Hintergrundberichten, Recherchen und Kolumnen zur Stadt und Region Olten hat sich die Publikation in der Vergangenheit einen Namen geschaffen.

Vor zwei Jahren erfolgte ein letzter Relaunch: Das Heft wurde unfangreicher, es gab neue Gefässe, erschien nur noch zwei- statt einmonatlich und die Ausrichtung änderte sich: Man wollte auch Leserinnen und Leser ausserhalb der Region Olten ansprechen. Das hat nicht funktioniert. «Wir haben mit dem Relaunch mehr Abos verloren als dazugewonnen», sagt Verleger und Gründer Yves Stuber. Zudem war er zuletzt selbst nicht mehr überzeugt vom eigenen Produkt. «Mit dem Spagat zwischen lokal und lesbar ausserhalb Oltens sind wir zuwenig pointiert gewesen und nicht relevant.» Auch wirtschaftlich schaffte man damit die Gewinnschwelle nicht. Seit Bestehen war «Kolt» eigentlich nie wirklich rentabel. 

Nun will Verleger Stuber etwas völlig Neues wagen. Er spricht vom «neuen Lokaljournalismus für das 21. Jahrhundert» und nennt es «ein ambitioniertes Experiment». Sein Konzept basiert auf drei Säulen: einer Onlineplattform auf der bisherigen Website www.kolt.ch, einer 14-täglich herausgegebenen Zeitung sowie Talks und Podiumsdiskussionen. Das Projekt war ursprünglich sogar grösser, er habe es «heruntergeschraubt».

«Kolt»-Team (von links): Adrian Portmann, Timo Orubolo, Yann Schlegel, Verleger und Gründer Yves Stuber, Finja Basan, Andrea Hänggli und David Degen.

«Kolt»-Team (von links): Adrian Portmann, Timo Orubolo, Yann Schlegel, Verleger und Gründer Yves Stuber, Finja Basan, Andrea Hänggli und David Degen. © Patrick Lüthy

Neu setzt «Kolt» grösstenteils konsequent auf Inputs von Leserinnen und Lesern. «Die Leserschaft ist die Chefredaktion», formuliert es Stuber zugespitzt. Sie kann uns quasi einen Auftrag geben, dem wir von der Redaktion aus nachgehen.

Das Modell soll so funktionieren, dass Inputs aus der Leserschaft von anderen Nutzerinnen und Nutzern auf der Onlineplattform bewertet werden. Die Redaktion sehe so, welche Themen am meisten bewegen und gingen der Sache nach. Artikel und Ergebnisse einer Recherche sollen fortlaufend online erscheinen. Alle zwei Wochen wird eine Zusammenfassung davon in einer Art Zwitter zwischen Zeitung und Magazin publiziert. Darin sollen auch zusätzliche Elemente wie längere Einordnungen, bislang geführte Gefässe aus dem alten Magazin und der Veranstaltungskalender Platz finden – das bisher gratis verteilte Heft «Ausgehen in Olten» wurde mit der Coronakrise eingestellt.

Stuber will der Marke «Kolt» mit dem neuen Konzept wieder mehr Gehör verschaffen. «Wir wollen eine Zeitung machen, die sich mit dem Raum Olten beschäftigt, die Zukunft mitgestaltet sowie gesellschaftliche Probleme thematisiert und Lösungen dazu präsentiert.» Als Konkurrenz zur regionalen Tageszeitung oder den Anzeigenblättern sieht er sich nicht. «Wir machen einen anderen Job als das Oltner Tagblatt oder der Stadtanzeiger.» Man nehme sich die Freiheit, Pressemitteilungen lediglich zur Kenntnis zu nehmen und eigene Themen zu setzen. Zum Konzept gehört auch, dass die Abonnentinnen und Abonnenten alle paar Wochen regelmässig zu Treffen eingeladen werden, um die in der Zeitung publizierten Themen mit Experten und weiteren Gästen zu diskutieren.

Eine Knacknuss könnte die Finanzierung werden. Stuber braucht 1'500 zahlende Abos, dann ist «Kolt» selbsttragend. Das langfristige Ziel ist, bis 2024 5'000 Mitglieder vom Produkt zu überzeugen. Daneben hat er treue Inserenten, Stiftungs- und Mäzenatengelder sowie einen Kredit, für den Stuber persönlich haftet. «Die Finanzierung ist so bis Ende 2021 gesichert.»

Die Beiträge auf der Onlineplattform werden nur für zahlende Abonnenten zugänglich sein. Der Abopreis steigt von bisher 99 Franken fürs Magazin auf neu 220 Franken pro Jahr. «Es ist extrem schwierig vorauszusehen, ob die bestehende Leserschaft bereit ist, diesen Preis zu zahlen.» Er ist aber guter Dinge: «Die Coronakrise hat gezeigt, dass gut gemachter Journalismus extrem bedeutsam ist.» Demnächst werden 30000 Flyer in die Briefkästen der Region verteilt. Die ersten drei Monate sind zur Probe gratis, auch für die bisherigen Abonnentinnen und Abonnenten.

In diesen Tagen hat die Redaktion die Arbeit aufgenommen. Neben den zwei festangestellten Journalisten Yann Schlegel und Adrian Portmann sind im siebenköpfigen Team viele im kleinen Pensum oder als freie Mitarbeiter angestellt. Ende Oktober soll erstmals eine Zeitung erscheinen. Dann wird sich zeigen, ob das neue «Kolt» eine Antwort gefunden hat, wie Lokaljournalismus im 21. Jahrhundert funktioniert. Stuber: «Wenn unser Konzept nicht umsetzbar ist, dann bleibt grundsätzlich die Frage, mit welchem Modell Lokaljournalismus wirtschaftlich betrieben werden kann.»

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