Feuerteufel von Reiden muss hinter Gitter und erhält Landesverweis

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Im Oktober 2012 zündete der Mann den Migrolino beim Bahnhof Reiden an. Rund 120 Feuerwehrleute waren im Einsatz.Bild: Luzerner Polizei

Sechs Brände, Sachbeschädigungen, ein brutaler Angriff und eine Raserfahrt im Vollrausch: Der Mann, der den Spitznamen «Feuerteufel von Reiden» erhalten hat, musste sich gestern vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten. Obwohl seine Taten immer wieder für Aufsehen sorgten, blieb er lange unerkannt. Im März 2019 schnappte die Luzerner Polizei den mutmasslichen Täter. 

Bei der Vernehmung durch die Polizei gestand der deutsche Staatsbürger mit Jahrgang 1982 sechs Brandstiftungen und sechs Sachbeschädigungen. Er sitzt schon länger im vorzeitigen Strafvollzug im Gefängnis Grosshof in Kriens. 

Sein Sündenregister ist lang. Der Mann hat zwischen 2012 und 2018 mehrere Brände in Reiden und Umgebung gelegt. Er setzte Baufahrzeuge und einen Personenwagen auf dem Areal des Zofinger Bauunternehmens Meier & Jäggi an der Werkstrasse in Reiden in Brand. Dafür schlug er jeweils Scheiben ein, schüttete Grillbeschleuniger in die Fahrzeuge und zündete diese an. Zudem zerstach er mehrfach bei parkierten Fahrzeugen Reifen. 

Er schaute den anderen beim Löschen zu 

Der alkoholabhängige Mann war auch für den Brand des Migrolino-Ladens beim Bahnhof Reiden in der Nacht vom 20./21. Oktober 2012 verantwortlich. Im Gebäudeinnern entstand damals massiver Rauch- und Russschaden. Vorübergehend musste die SBB-Bahnlinie zwischen Dagmersellen und Zofingen gesperrt werden. Im Einsatz standen drei regionale Feuerwehren und der Lösch- und Rettungszug Olten mit 120 Personen. Im November 2018 zeuselte der Deutsche erneut und zündete einen Plastiksack auf einem Velo beim Bahnhof an. Zugpassagiere löschten den Brand. «Der Beschuldigte sass daneben auf einer Bank und hat nichts unternommen, um das Feuer auszumachen, sondern schaute den beiden ausgestiegenen Zugpassagieren beim Löschen zu», heisst es in der Anklageschrift. Nach anderen Bränden sei er «einfach heimgegangen und hat sich ins Bett gelegt». Die Schuldfähigkeit des Mannes sei teilweise leicht vermindert, hiess es gestern am Gericht. 

Vorgeworfen wird ihm auch versuchte schwere Körperverletzung. Ende Oktober 2018 schlug er am Bahnhof in Reiden mit einer zerbrochenen Schnaps­flasche gegen den Kopf und das Gesicht eines Mannes. Dieser erlitt eine Nasenfraktur und Hämatome im Gesicht. Im August 2018 soll der Mann ausserdem alkoholisiert ausserorts zwischen Dagmersellen und Reiden gerast sein. Er überschritt die Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern um 70 km/h, fuhr also 150 km/h. Er verunfallte und wurde verletzt. 

Viel Neues erfuhr man an der Verhandlung nicht, da es sich um ein abgekürztes Verfahren handelte. Dieses war möglich, weil der Mann die beantragten Sanktionen und Zivilforderungen bereits akzeptiert hatte. Zum Motiv für seine Delikte sagte er vor Gericht: «Wenn ich trinke, passiert halt so etwas.» Die ersten Tage des Entzugs seien schwer gewesen. «Aber ich kann ohne das leben», sagte er. Im Strafvollzug verhalte er sich gut, hiess es gestern. Er wolle sich nach Deutschland verlegen lassen, erklärte der Mann, und nach der Haftverbüssung auf einem Pferdehof arbeiten. 

Allein die SBB wollen 68 000 Franken 

Der Richter eröffnete das Urteil. Der Mann wurde wegen diverser Delikte zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren, abzüglich der bereits abgesessenen Haftdauer, verurteilt. Zudem wird er für zwölf Jahre des Landes verwiesen. «Die Folgen des Landesverweises sind angemessen», sagte der Richter. Wegen der Sucht und einer psychischen Störung wurde eine ambulante Massnahme angeordnet, die bereits seit einem Jahr läuft. Der Verurteilte muss ausserdem Zivilforderungen von insgesamt rund 80 000 Franken begleichen. Die SBB allein wollen 68 000 Franken von ihm, aber auch Migrolino, Selecta und Firmen und Private aus Zofingen und Oftringen verlangen Schadenersatz. Zudem muss der Verurteilte die Verfahrenskosten tragen. 

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