Im «Frohsinn» ist der Stammtisch auch ein Sparbuch

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Die Vorstandsmitglieder Deniz Scholtz, Vereinspräsidentin Esther Dubler und Attilio Schianchi machen die 14-tägige Leerung des Spar-Kastens des Einlegervereins im Restaurant Frohsinn in Zofingen. Bilder: Lilly-Anne Brugger (13. Oktober 2020)
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Die Vorstandsmitglieder Attilio Schianchi und Deniz Scholtz hängen den Kasten mit den 60 Schlitzen wieder an die Wand.

Er ist eine aussterbende Gattung: der Einlegerverein. Vor 40 Jahren gab es in Zofingen in fast jedem Restaurant einen solchen Verein, der gemeinsam Guthaben anspart. Heute ist der Einlegerverein im Restaurant Frohsinn, neben demjenigen im «Jägerstübli», einer der letzten seiner Art. «Für uns ist die Geselligkeit mindestens genauso wichtig wie das Sparen», sagt Vereinspräsidentin Esther Dubler. Gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Attilio Schianchi und Deniz Scholtz hat sie soeben den Kasten mit den 60 Schlitzen von der Wand gehängt und jedes einzelne Kästchen geleert. Gewissenhaft haben die drei Vorstandsmitglieder die Sparguthaben ausgezählt und notiert. Knapp 2000 Franken haben die 33 Mitglieder in den vergangenen zwei Wochen durch den Schlitz in ihre Kästchen geworfen. 

14-tägiger Sparbeitrag ergibt einen schönen Batzen 

Mitmachen im Einlegerverein dürfen alle. Die Bedingungen sind einfach: Alle zwei Wochen muss jedes Mitglied mindestens 20 Franken in sein Kästchen einwerfen. Der Betrag ist nach oben offen. Das eingeworfene Geld wird dann auf ein gemeinsames Konto gelegt und Ende Vereinsjahr wieder ausbezahlt. «Jedes Mitglied bekommt sein Sparguthaben wieder zurück. Keinen Franken mehr und keinen Franken weniger», betont Esther Dubler. Vorstandskollege Attilio Schianchi ergänzt, dass bei der Auszahlung anlässlich der Generalversammlung viele positiv überrascht seien, welchen Betrag sie während des Jahrs angespart hätten. Damit bezahlen dann viele die Steuern, leisten sich etwas Spezielles – oder haben einen Zustupf in ihrem Portemonnaie, von dem ihre Frau nichts weiss. 

Jedes Jahr spart der Einlegerverein mehrere Zehntausend Franken an. Das gab früher einen schönen Zinsbetrag, der in die Vereinskasse floss. Davon wurde die jährliche Reise des Vereins bezahlt. Seit die Banken keinen Zins mehr zahlen, herrscht in der Vereinskasse jedoch Ebbe. «Wir mussten uns etwas einfallen lassen», sagt Esther Dubler. Die Lösung hat der Verein in Sponsoring-Beiträgen gefunden: Beträge, die kleiner sind als 5 Franken, fliessen direkt in die Vereinskasse. So kommt genügend Kleingeld zusammen, um die Vereinsreise zu finanzieren. Dieses Jahr ging es nach Seewen ins Musikautomaten-Museum. Dies sei auch eine gute Gelegenheit, alle Vereinsmitglieder wieder einmal zu sehen. Denn unter dem Jahr kommen selten alle gleichzeitig am Stammtisch zusammen. 

Vereinsmitglieder aus fast allen Generationen 

Die Mitglieder des Einlegervereins im Restaurant Frohsinn gehören mehrheitlich der Generation 60+ an. Es gibt aber auch junge Mitglieder. Der Jüngste ist 23 Jahre alt. Auch Vorstandsmitglied Deniz Scholtz gehört mit 30 Jahren zu den jüngeren Mitgliedern. Er ist gleichzeitig auch der neue Wirt im «Frohsinn». Seit Mai wirtet er an der Forstackerstrasse 3 und hat damit den Verein von seinem Vorgänger quasi geerbt. Vor fünf Jahren ist der Verein im «Frohsinn» gegründet worden. Den Kasten mit den 60 Schlitzen hat er vom Einlegerverein in der «Linde» Küngoldingen übernehmen können. Dieser hatte sich aufgelöst. Obwohl die Vorstandsmitglieder Erfahrung mitbrachten aus früheren Einlegervereinen, ganz einfach sei die Gründung nicht gewesen, erinnern sich Esther Dubler und Attilio Schianchi. «Ich habe alle Zofinger Banken angefragt, ob ich ein Konto eröffnen kann», erzählt Esther Dubler. Zugesagt hat schliesslich nur eine: die UBS.

Alle profitieren voneinander 

 

In der Zwischenzeit hängt der nun geleerte Kasten wieder an der Wand. Wirt und Vorstandsmitglied Deniz Scholtz hat das neue Leerungsdatum notiert: 27. Oktober. Ein Vereinsmitglied wirft seinen Sparbeitrag in den Schlitz und setzt sich dann wieder an den Stammtisch. «Wir sind sehr glücklich mit unserem Wirt», sagt Esther Dubler und bestellt noch einen Kaffee. Und der Wirt ist glücklich mit seinem Einlegerverein.

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