Stephan Keller und ein Wechsel, der irritiert und Sinn macht

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FC-Aarau.Captain Elsad Zverotic ist es sich nicht gewohnt, in Pflichtspielen nur Ergänzung zu sein. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Die Frage, ob der FC Aarau am Freitag beim 1:1 gegen Stade-Lausanne-Ouchy mit seinem Captain in der Startelf gewonnen statt nur remisiert hätte, ist hypothetisch. Und darum nicht die relevante Frage. Diese lautet: Warum hat Elsad Zverotic kerngesund auf der Ersatzbank Platz nehmen müssen? Trainer Stephan Keller ist nach Spielschluss nicht überrascht von der Frage, vielmehr hat er damit gerechnet.

Gesundheitliche Gründe? Nein. Schonung, weil 72 Stunden später bereits das nächste Spiel in Schaffhausen stattfindet und Zverotic für dieses in der Startelf vorgesehen ist? Nein. Hat Zverotic in den Partien zuvor nicht gut genug gespielt? Nein. Menschliche Gründe? Nein. Keller beruft sich auf sein Recht, als Trainer aufstellen zu können, wen er für richtig befinde.

Das Gesicht des Captains spricht Bände: not amused!
Während die Spieler, die in der Startformation standen, für ein lockeres Auslaufen aus der Kabine kommen, muss Captain Zverotic nach seinem sechsminütigen Kurzeinsatz mit den anderen Reservisten zum Sprinttraining antraben. Das Gesicht des 33-Jährigen spricht Bände: not amused! Trainer Keller bestätigt, dass Zverotic alles andere als erfreut über die Entscheidung gewesen sei.

Und das sei auch normal für einen mit Zverotics Visitenkarte: Dort stehen 235 Super-League-Spiele drauf, dazu ein Cupsieg mit Sion, sechs Einsätze für Fulham in der englischen Premier League, dazu war Zverotic lange Rekordnationalspieler Montenegros. Es könne jeden treffen, sagt Keller, der sich insgeheim vielleicht auch eine symbolische Wirkung gegenüber dem Kader erhofft. À la: Wenn der Captain nicht vor der Ersatzbank gefeit ist, dann keiner.

Irritierend war die Massnahme dennoch. Keller hat in den Anfangswochen als FCA-Cheftrainer keine Gelegenheit ausgelassen, Zverotic für dessen vorbildliches Engagement zu loben. Und in der Tat: Während andere Führungsspieler an Test- oder Kehrausspielen in zivil auf der Tribüne Platz genommen haben, hat sich Zverotic auf die Bank gesessen, obwohl sein Einsatz nicht vorgesehen war. Er bestand auf einen Platz auf dem Matchblatt, weil er dies als Pflicht eines Captains sah. Auch als Ersatzmann.

Zverotic ist, anders als einige Vorgänger beim FC Aarau, kein Altstar, der in Aarau das Gnadenbrot vor dem nahenden Karriereende abholt. Die biologische Uhr tickt auch bei ihm, doch Kämpferherze wie seines findet man nur wenige im Rest des Kaders.

War Mats Hammerich lange ein Bauernopfer?
Anstelle von Zverotic hat im zentralen Mittelfeld Mats Hammerich gespielt. Jenes Eigengewächs also, das von 2018 bis 2020 in den zwei Saisons unter Patrick Rahmen stagniert hat und von dem es nach jeder Halbrunde hiess, ein leihweiser Wechsel zwecks Spielpraxis wäre angebracht, was dann doch nie passiert ist. Hammerichs Potenzial einzuschätzen, ist wegen seiner Nebenrolle in der Vergangenheit nicht ganz einfach. Trotzdem: Er hat immer wieder Chancen erhalten und diese nicht genutzt.

Nun nimmt sich Keller dem 22-jährigen Blondschopf an. In seinen Augen hat Hammerich in der Vergangenheit mitunter als Bauernopfer hinhalten müssen. Ein Spieler brauche mehrere, längere Einsätze, ehe man ihn fair bewerten könne. Fakt ist: Mehr Spielpraxis für einen wie Hammerich passt perfekt zur neuen Strategie des Vereins, konsequent auf junge und regionale Spieler zu setzen. So gesehen macht die Rotation auch Sinn.

Keller überrascht gerne, sammelt aber wenig Punkte
Das Fazit nach den 93 Minuten in der Pontaise gegen Lausanne- Ouchy lautet: Hammerich hat sich bemüht, seine Rolle jedoch hat er nie gefunden, das Spiel ist an ihm vorbeigelaufen. Keller muss nun abwägen, ob er heute auswärts gegen Schaffhausen (20 Uhr) Hammerich eine weitere Chance gibt oder ob er die Befindlichkeiten des betupften Zverotic höher gewichtet. Ein Antwort wird es erst am Abend geben. Die Leadership, das Engagement und die Erfahrung eines Zverotics in Form dürften aber keine schlechte Zutat für das Rezept sein, das es für einen Sieg in Schaffhausen braucht.

Vielleicht jedoch findet der Trainer einen Weg, Zverotic und Hammerich in die Startelf zu stellen. Denn: Für eine Überraschung ist Keller immer gut, den Ruf als erfolgreicher Punktesammler muss er sich indes noch erarbeiten.

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