Gewappnete Spitäler, genügend Tests und eine gute App – es ist nicht alles schlechter als bei der ersten Welle

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Masken sind unangenehm. Trotzdem haben sich viele daran gewöhnt. © Peter Schneider / KEYSTONE

Wir warten nach wie vor auf eine Impfung, das Virus ist weder gefährlicher noch schwächer geworden und die Finanzlage noch prekärer. Aber in immerhin fünf der folgenden sechs Punkte haben wir bezüglich Pandemie-Bewältigung dazugelernt:

1. Wir sind Gewohnheitstiere

 

Im Frühling konnten wir uns noch stundenlang darüber unterhalten, dass der Handschlag zur Begrüssung nun erledigt sei und ob man den Grosseltern noch selbst gemachten Kuchen schenken darf. Inzwischen können wir Corona. Inkubationszeit, exponentielles Wachstum oder Remdesivir gehören zum Standartwortschatz. Die Klebestreifen am Boden haben uns das Abstandhalten antrainiert und wir öffnen Türen irgendwie, nur nicht mit der Hand. Wir sind cooler geworden. Nicht, dass wir einen Lockdown jetzt gut finden würden, ganz im Gegenteil (siehe Punkt 3), aber wir schleppen nicht mehr panisch Berge von WC-Papier nach Hause.

2. Die App wäre bereit

 

Im Gegensatz zum Frühling steht jetzt eine voll funktionsfähige Covid-App zur Verfügung, mit der das Contact-Tracing unterstützt wird, damit Ansteckungsherde schnell entdeckt werden. Allerdings haben bis heute nur 1,3 Millionen Schweizerinnen und Schweizer die App auf ihre Smartphones geladen. 130 Corona-Infizierte wurden damit entdeckt, was nach Mitentwickler Marcel Salathé ein Erfolg sei, weil es die Effizienz der App zeige. Fehlt nur noch die Ladebereitschaft. Gut gerüstet sind wir inzwischen im Homeoffice. Die Skepsis vom März ist gewichen. Viele haben die Vorteile erkannt, sich ihr digitales Büro in der guten Stube eingerichtet – und die Familie hat sich an die digitalen Eindringlinge gewöhnt, die unrasiert aus dem Bildschirm gucken. Digitale Coronagewinner sind die digitalen Portemonnaies.

3. Kein einig Volk mehr

War im Frühling die Schweiz ein beinahe einig Volk von solidarischen Virenbekämpfern, hat sich die Gesellschaft inzwischen geteilt. Die Coronamüdigkeit greift um sich, die Sehnsucht nach normalem Leben steigt. Während die einen noch sachlich über die Härte der Massnahmen diskutieren, entwickelt eine kleine Minderheit Feindbilder, beschimpft Wissenschafter, Politiker und Medien. Schon im ersten Lockdown hart gebeutelt, sieht es für Gastro-, Kultur- und Sportbranche nach einer kurzen Erholung nun wieder düster aus. Da nützt die Lockdown-Erfahrung wenig.

4. Genug Tests

Gestern wurden die Resultate von 28328 Tests gemeldet. Somit wird heute sechs Mal mehr getestet als zu Beginn der Pandemie. Standard sind die verlässlichen PCR-Tests. Am Anfang standen deutlich zu wenig Tests zur Verfügung, auch noch im August fehlte es weltweit an Tests. Inzwischen haben die Pharmafirmen die Kapazitäten heraufgefahren, der Bedarf steigt allerdings auch. Touristiker hoffen auf die neuen Schnelltests. Mit diesen wird das Testresultat in 15 Minuten bekannt. Mit den schnellen Resultaten erhofft man sich zum Beispiel eine Verkürzung der Quarantäne. Das BAG hat sie allerdings noch nicht freigegeben.

5. Wir tragen Masken

Zugegeben, die asiatischen Touristen mit ihren Masken haben wir früher belächelt. Jetzt tragen wir selber Masken – passend zum Abendkleid und der Risiko-Situation vor Ort. Beim Aussteigen aus dem Zug vergessen wir sie manchmal auszuziehen, das macht die Gewöhnung (siehe Punkt 1). Vor allem aber gibt es genügend Masken für alle. Das medizinische Personal muss sie nicht zum Trocknen in den Backofen legen, weil der Nachschub in einem Nachbarland stecken geblieben ist. Die Schweiz produziert unterdessen selbst Masken aller Art und Qualität und auch aus dem Ausland sind genug erhältlich.

6. Die Spitäler sind gewappnet

Der letzte ist von allen der wichtigste Punkt. Sozusagen das letzte Fangnetz: Das Personal in den Spitälern hat nun Erfahrung mit Covid-19. Die Abläufe sind eingespielt und die Arbeit kann darauf konzentriert werden, was wirklich hilft: ein entzündungshemmendes Medikament, Blutverdünner gegen die Thrombosen und Lungenembolien, Remdesivir bei Sauerstoffmangel. Die Patienten kommen früher in Spitalbehandlung und haben deshalb bessere Prognosen. Mit einer Beatmung kann länger zugewartet werden. Das reduziert nebenbei auch den Arbeitsaufwand auf den Intensivstationen etwas und es hat länger genug Beatmungsgeräte und das nötige Personal zur Überwachung, für jene, die sie doch brauchen. Geraten die Spitäler nicht an ihre Kapazitätsgrenzen, dann wirkt sich das günstig auf die Überlebenschancen aus. Das letzte Fangnetz hält zuverlässig, wenn Massnahmen zur Pandemie-Eindämmung zuvor wirken.

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