50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern: «Wir müssen wie eine eigene Partei auftreten»

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Die Diskussionsteilnehmerinnen (von links): Lucia Lanfranconi, Brigitte Mürner-Gilli, Monika Fischer und Michelle Meyer. Bild: Nadia Schärli

Als dritter Deutschschweizer Kanton nahm Luzern am 25. Oktober 1970 das Frauentimmrecht an. 63 Prozent der Stimmberechtigten waren dafür. Das Jubliäum wird ab Samstag mit einer Ausstellung im Historischen Museum Luzern begangen (siehe Ausgabe vom 8. März). Am Mittwoch wurde das Ereignis in einem Festakt im Luzerner Hotel Schweizerhof gefeiert. 

Der Anlass hatte einen offiziösen Anstrich: Kantonsratspräsidentin Ylfete Fanaj (SP), die dem veranstaltenden Verein vorsteht, hatte die Standesweibelin Anita Imfeld auf der Bühne postiert und auch Regierungsratspräsident Reto Wyss (CVP) liess es sich nicht nehmen, eine Rede zu halten. Von allgemeinem Interesse war eine Podumsdiskussion darüber, was die Einführung des Frauenstimmrechts bewirkte – und was zu tun bleibt. Dazu hätten viele grosse Politikerinnen, die Luzern hervorbrachte, einiges zu sagen gehabt. 

Beim Lohn hapert es nach wie vor noch 

Die erste Schweizer Ständeratspräsidentin Josi Meier (CVP), eine Vorkämpferin der Frauenrechte mit Dagmerseller Wurzeln, ist schon 2006 gestorben. Judith Stamm (86) jedoch, die als CVP-Nationalrätin die Durchsetzung der Gleichstellung vorantrieb, lebt noch – und hatte ihr Kommen angesagt. Wegen der Corona-Pandemie verzichtete sie aber auf einen Besuch und liess sich von Brigitte Mürner-Gilli (76) vertreten. Die Christdemokratin war die erste Frau in der Luzerner Regierung und von 1988 bis 1998 Bildungsdirektorin. «In struktureller und rechtlicher Hinsicht hat sich viel verändert», sagte Mürner, die vor ihrer Politkarriere in Reiden Lehrerin war. «Aber die Gesellschaft hinkt in der Gleichberechtigung immer noch hinterher.» 

Das sah auch die Soziologin Lucia Lanfranconi (37) so, die an der Hochschule Luzern doziert und zu Gleichstellungsthemen forscht. Es gebe «eine Gleichzeitigkeit von Wandel und Fortbestehen der Zustände». Gesetze und Normen seien mustergültig angepasst. Es habe auch viele Verhaltensänderungen gegeben. Etwa bei jungen Vätern, die selbstverständlich an der Kinderbetreuung mitwirken. 

Auf der andern Seite gebe es nach wie vor für Frauen oft nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Und statistisch gesehen sei die Zahl der Hausmänner klein. Auch gebe es eine gegenläufige Entwicklung: Nämlich, dass frischgebackene Väter wegen erhöhtem Geldbedarf wieder mehr arbeiteten, anstatt sich die Kinderbetreuung mit ihrer Partnerin zu teilen. 

Was also ist zu tun? Es brauche Frauen, die bereit seien, sich in Wirtschaft und Politik zu exponieren, sagt Brigitte Mürner. «Das bedeutet aber auch, Auseinandersetzungen und Konflikte aushalten zu können.» Dies koste Kraft, lasse sich aber erlernen. Monika Fischer (76), Mitglied des Netzwerks «Grossmütter Revolution» und lange Jahre in Reiden wohnhaft, gab zu bedenken, «dass Frauen manchmal die allerheftigsten Kritikerinnen von Frauen sind». Michelle Meyer (22), Co-Präsi- dentin der Jungen Grünen des Kantons Luzern, wünschte sich daher für die Zukunft eine bessere Solidarität der Frauen untereinander. «Früher war alles besser», scherzte sie und wies darauf hin, dass Frauen von 1988 bis 2015 in der Luzerner Regierung vertreten waren. 

«Ich wünsche mir von den Frauen, aber besonders auch von den Männern, mehr Verständnis dafür, dass sich Frauen bei einer Wahl über die Parteigrenzen hinweg unterstützen», sagte Brigitte Mürner-Gilli. «Wir Frauen müssen wie eine eigene Partei auftreten.» Wenn der Luzerner Regierungsrat aus fünf Frauen bestehe – «oder auch nur aus der Hälfte», so Mürner, «dann kann man ja wieder über die Notwendigkeit zur Parteidisziplin diskutieren». Doch davon ist der Kanton Luzern derzeit bekanntlich weit entfernt. 

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