Das Hoffen auf die Solidarität beim FC Aarau

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Sollte FCA-Stürmer Shkelzen Gashi (4 Saisontore) seine Treffsicherheit behalten, muss er künftig vor leeren Rängen jubeln. (Bild: Freshfocus)

Am Mittwoch hat Philipp Bonorand seinen 40. Geburtstag gefeiert. Dass zum Runden auch der Bundesrat ein Geschenk beisteuert, hat der Präsident des FC Aarau bis zuletzt gehofft, damit gerechnet aber hat er nicht. Vernünftig. Denn: «Nach den Signalen und dem Vorpreschen einzelner Kantone in den vergangenen Tagen habe ich mit diesem Entscheid gerechnet. Und angesichts der Entwicklung der Fallzahlen und Spitalbelastung sind die neusten Massnahmen konsequent und verständlich», so Bonorand.

Enttäuscht sei er trotzdem über die neuen Massnahmen, die für den FC Aarau bedeuten: Geisterspiele – und dieses Mal richtige Geisterspiele, nachdem nach dem Lockdown im Sommer erst 300, danach lange 1000 und zuletzt gar noch mehr Zuschauer erlaubt waren. Der Zutritt zu den Fussballstadien der Profiligen ist ab sofort nebst den Spielern und Betreuerstäben nur Stadionpersonal und Medienvertretern erlaubt.

Erst am vergangenen Samstag wurden im Stadion Brügglifeld 2093 Zuschauer Zeugen des furiosen 3:1 gegen Neuchâtel Xamax. Vorausgegangen waren dem kleinen Fussballfest unter strengen Schutzmassnahmen monatelange Planungs- und Bauarbeiten, um das Brügglifeld in das geforderte Sitzplatzstadion zu verwandeln. Und nun ist dies alles Makulatur. Wann die Massnahmen wieder gelockert werden und Zuschauer ins Stadion dürfen, hängt von Stärke und weiterem Verlauf der zweiten Coronawelle ab – also wohl frühestens zu Beginn der Rückrunde Ende Januar 2021.

Wie reagieren die Fans? Wie reagieren die Sponsoren?
Leeres Stadion, aber gleichbleibende Ausgaben für Personal, Material und Infrastruktur – der FC Aarau steuert in dichten Nebel. Ob und wie sehr dieser sich in den nächsten Monaten lichtet, hängt von zwei Fragen ab: Wie reagieren die Inhaber von Saisonabonnements? Wie die Sponsoren? Beiden Gruppen darf der FC Aarau ab sofort keine Gegenleistung für ihr finanzielles Engagement bieten. Die Fans dürfen nicht mehr ins Stadion, wo die Sponsoren Werbeflächen gekauft haben.

Verständlich, hofft man beim FCA darauf, dass die Solidarität von Fans und Sponsoren auch dieses Mal so gross sein wird wie im vergangenen Sommer. «Sonst», so Bonorand deutlich, «wird es auch bei uns finanziell schnell eng.» Denn: Das Geld für die gut 2000 Saison-Abos ist geflossen und teilweise auch schon wieder ausgegeben, ebenso sind die Sponsorenbeiträge fixer Bestandteil des Budgets.

In der vergangenen Saison zur Solidarität von Fans und Sponsoren beigetragen hat nebst der emotionalen Verbundenheit zum FC Aarau auch die Tatsache, dass die Spiele live im Internet übertragen wurden. So sind die Fans zum Genuss der Spiele und die Sponsoren doch noch zu etwas visueller Präsenz gekommen.

Kostenlose TV-Übertragung entscheidend
Nach dem neuerlichen Zutrittsverbot für Zuschauer pocht Bonorand auf die Wiedereinführung dieses Angebots und wird entsprechend bei der Swiss Football League vorstellig. Er sagt: «Die für die Öffentlichkeit kostenlose Übertragung der FCA-Spiele ist in unseren Augen von entscheidender Bedeutung. Wenn das nicht wieder eingeführt wird, verstehe ich irgendwann Fans und Sponsoren, die mit der Situation unzufrieden sind.» Zumal es im Sommer um den Verzicht in Wert von sechs Heimspielen ging, nun steht quasi die ganze Saison 2020/21 noch bevor.

Wie reagieren die Fans? Wie reagieren die Sponsoren? Die Antworten auf diese zwei Fragen werden mehr denn je über die Zukunft des FC Aarau entscheiden. Die Erfahrung zeigt: Die Verantwortlichen im Brügglifeld haben Grund, optimistischer zu sein als jene an anderen Orten auf der Schweizer Fussball-Landkarte.

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