Forensiker Sachs: «Es gibt Vorzeichen, aber die sind für Aussenstehende schwer erkennbar»

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Der forensische Psychiater Josef Sachs. (Bild: Chris Iseli)

Ein Vater bringt seine drei Kinder im Alter von 3, 11 und 13 Jahren um – wie lässt sich eine solche Tat erklären?

Josef Sachs: Es gibt zwei mögliche Varianten bei solchen Taten: den sogenannten Familienmord und den erweiterten Suizid. Die beiden Varianten unterscheiden sich im grundsätzlichen Motiv des Täters, das tragische Resultat ist aber bei beiden dasselbe. Ob es sich im Fall von Buchs um einen Familienmord oder einen erweiterten Suizid handelt, kann ich aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse nicht sagen.

Was ist das Motiv bei einem Familienmord und wie kommt es dazu?

Ein mögliches Motiv kann zum Beispiel Rache sein, eine andere Situation ist der sogenannte Ehrenmord. Der erste Gedanke des Täters ist, seine Familie umzubringen. Erst danach stellt er fest, dass er nach seiner Tat selber keine Perspektive mehr hat, ausser den Rest seines Lebens im Gefängnis zu verbringen. Das kann dann dazu führen, dass sich der Täter das Leben nimmt – auch noch einige Zeit nach der Tat selber.

Was ist der Unterschied zum erweiterten Suizid?

Bei einem erweiterten Suizid ist es häufig so, dass der Ehemann und Vater der Ansicht ist, seine Familie könne ohne ihn nicht existieren. Oft sind die Täter Männer mit einer gewissen Allmachtsfantasie oder einer idealisierten Vorstellung der Familie. In diesen Fällen kommen die Täter häufig aus dem Mittelstand, sind beruflich erfolgreich und leben in guten finanziellen Verhältnissen. Die Tat kann durch ein Ereignis ausgelöst werden, das bei ihnen existenzielle Ängste auslöst, zum Beispiel der Verlust des Arbeitsplatzes, ein grosser finanzieller Verlust oder persönliche Probleme.

Im aktuellen Fall in Buchs postete der Vater noch vor wenigen Wochen Familienfotos in den sozialen Medien – gibt es keine Vorzeichen für eine solche Tat?

Doch, es gibt schon Vorzeichen, aber die sind für Aussenstehende schwer erkennbar. Die späteren Täter versuchen, nach aussen das Bild einer perfekten Familie zu vermitteln, in der Öffentlichkeit sprechen sie deshalb nicht über Schwierigkeiten. Auch ihren Arbeitskollegen oder Freunden erzählen sie kaum von konkreten Problemen. Viel eher beklagen sie sich ganz allgemein über schlechte Zeiten und äussern Verständnis für andere Täter, ohne persönliche Details zu nennen.

Der Vater in Buchs hat seine drei Kinder umgebracht, seine Frau aber verschont – was lässt sich daraus schliessen?

Das ist eher ungewöhnlich, bei den meisten Familiendramen mit männlichen Tätern sind nicht nur die Kinder, sondern auch die Partnerin die Opfer. Dass ein Mann seine Kinder umbringt, aber seiner Frau nichts antut, ist eher selten. Frauen werden viel seltener zur Täterin und bringen meistens ausschliesslich die Kinder um. Wenn Frauen auch ihre Männer umbringen, waren sie vorher häufig Opfer häuslicher Gewalt.

Den Artikel zum Tötungsdelikt in Buchs finden Sie hier.

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