Auf dem Zahnfleisch durchs Seuchenjahr

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Die hohe Belastung im Herbst mit vielen Rennen und wenig Erholung ging an Mathias Frank nicht spurlos vorbei. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Mit dem 230,8 Kilometer langen Teilstück von Mos nach Puebla de Sanabria nimmt der Tross der Vuelta heute Donnerstag die längste Etappe der diesjährigen spanischen Landesrundfahrt in Angriff. Wenn die Fahrer am Sonntag in Madrid das Ziel erreichen, weilt Mathias Frank schon längst zuhause: Bereits auf der ersten Etappe vor über zwei Wochen musste der bald 34-jährige Nottwiler, der in Roggliswil aufgewachsen ist, nach wenigen Kilometern gesundheitlich angeschlagen vom Rad steigen. «Ich habe keine Energie mehr auf das Velo gebracht», erinnert sich Frank. Zurück in der Schweiz stellte sein Arzt eine chronische Überbelastung in Kombination mit einem viralen Infekt fest.

Für Mathias Frank kommt die Diagnose nicht sonderlich überraschend. Die Coronapandemie wirbelte den Rennkalender mächtig durcheinander, viele Rennen wurden vom Frühling in den Herbst verschoben. «Wir bestritten eine ganze Saison in knapp drei Monaten. Das hat man an der Vuelta gespürt, viele Fahrer laufen auf dem Zahnfleisch», sagt Frank. Schon im Spätsommer realisierte der Athlet des französischen Radteams AG2R La Mondiale, dass er nicht wie gewünscht auf Touren kommt. Frank passte darauf sein Renn- und Trainingsprogramm an, verzichtete auf den geplanten Start beim Giro d’Italia und bereitete sich auf die Vuelta vor – im Wissen, dass ein Verzicht aus gesundheitlicher Sicht wohl klüger wäre. «Ich reiste nur nach Spanien, weil wir sonst zu wenig Fahrer gewesen wären», sagt Frank.

Die Rechnung ging bekanntlich nicht auf. «Mein Körper wollte einfach nicht mehr. Wenn du keine richtige Pause machen kannst, schleppst du diese Probleme immer weiter mit dir herum», erklärt Frank. Und wer im Radsport nicht topfit am Start stehe, der habe keine Chance. «Wenn fünf bis zehn Prozent fehlen, ist man extrem weit weg», sagt er.

Für einmal ohne Druck auf dem Velo
Für Mathias Frank ist das vorzeitige Saisonende der i-Punkt auf ein ohnehin schwieriges Jahr. «Aus sportlicher Sicht war es eine Saison zum Vergessen», bilanziert er. Weil mit der Tour de Suisse, den Olympischen Sommerspielen in Tokio und den Heim-Weltmeisterschaften sämtliche Höhepunkte abgesagt oder verschoben worden sind, musste Frank seinen Fokus neu richten und sich andere Ziele setzen. Den Frühling hat der Luzerner trotzdem in guter Erinnerung behalten. «Ich war immer motiviert, obwohl keine Rennen stattfanden. Es machte mir Spass, für einmal ohne Druck Velo zu fahren», erzählt Frank.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Plötzlich hatte der verheiratete Vater von drei Kindern viel Zeit für seine Familie. «Normalerweise bin ich bis zu 180 Tage im Jahr unterwegs, nun war es etwa die Hälfte. Das fühlte sich wie eine Auszeit an», sagt Frank.

Nach der Erholung Schritt für Schritt ins neue Jahr
Ein paar ruhige Tage gönnt sich Mathias Frank auch jetzt wieder, um die Energielevel hochzufahren. Läuft alles nach Plan, will er bis spätestens Ende November mit den Vorbereitungen für die kommende Saison beginnen, die in Sachen Ziele mit der Tour de Suisse und Olympia identisch bestückt ist wie die zu Ende gegangene. Sofern es die Coronapandemie zulässt, steht Anfang Dezember das erste Trainingslager in Spanien an.

Bis März folgen Rennen in Europa, weil AG2R La Mondiale wegen Corona auf Reisen nach Australien oder Asien verzichtet. «Ich nehme Schritt für Schritt. Ich bin einfach froh und dankbar, dass ich nochmals eine Saison fahren darf», sagt Mathias Frank. Er betont, dass ein Karriereende momentan kein Thema sei – vor allem nicht nach diesem «Seuchenjahr», wie er es nennt. «So aufzuhören wäre schade», meint Frank, «das würde einen fahlen Beigeschmack hinterlassen.»

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