Würde Spitzensport unseren Töchtern verLEIDEN? - MIT AUDIO

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Melanie Gamma vs. Pascal Kamber

Melanie Gamma: Es gibt keinen Sport, der mich gleichermassen fasziniert und ins Grübeln bringt, wie das Kunstturnen. Ich liebe es, den Frauen und Männern zuzuschauen, wenn sie Salti, Schrauben, Kraftakte am Barren und Flugstunden an den Ringen wagen. Gestählte Muskeln, Körperbeherrschung, Grazie, Kraft, ich könnte lange schwärmen. Gleichzeitig habe ich mich immer schon gefragt, wie gesund die Verrenkungen sind, ob Turnerinnen mit 45 noch gehen und ihre Hüften stabil bewegen können. Wie hart die Trainings sein müssen, um später Erfolge zu feiern, kann man sich vorstellen. Zum Streben nach Perfektion gehören Leiden und Schmerzen dazu. Wie schlimm es wirklich ist, schockierte mich, als die Trainingsbedingungen der Turnerinnen in Magglingen publik wurden. Du bist selber Turner, warst du überrascht?

Pascal Kamber: Ich bin «nur» im Breitensport aktiv, und bei uns hält sich der Erfolgsdruck in Grenzen. Mir ist bewusst, dass die Ausgangslage bei den Profis eine andere ist, schliesslich steht bei ihnen viel mehr auf dem Spiel. Trotzdem war ich genauso schockiert wie du, als ich die Berichte las. Dass solche Bedingungen von oberster Stelle toleriert werden, ist das eine. Dass die Trainer aber wirklich davon überzeugt sind, dass ein solches Arbeitsklima zum Erfolg führt, leuchtet mir nicht ein. Es muss ja nicht gleich eine Wohlfühloase sein, aber der Spass sollte irgendwie dennoch nicht zu kurz kommen. Bei den Kindern gilt dieses Argument immer und überall, wieso soll das bei den Erwachsenen anders sein?

Gam: Gutes Stichwort, die Kinder. Meine beiden kleinen Mädels sind Bewegungsmenschen, lieben es, drinnen und draussen Herumzuturnen, Unihockey zu spielen, üben ausdauernd Velo- und Rollschuhfahren oder mit Bällen zu Jonglieren.  Frage ich sie, was sie später arbeiten wollen, lautet die Antwort Bäuerin, Gärtnerin, Tänzerin oder «Homeoffice wie du Mami». Ich war immer der Überzeugung, dass sie einst das lernen, was ihnen Spass macht – was aber, wenn sie Profisportlerinnen werden wollen?

Pka: Ich bin überzeugt, dass du deine Mädels auch dann nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen wirst. Gleichzeitig kann ich deine Zweifel gut verstehen, als Vater würde ich in der gleichen Zwickmühle stecken. Einerseits will ich alles dafür tun, damit meine beiden Töchter ihre Ziele erreichen können. Andererseits habe ich bei all dem, was ans Licht gekommen ist, schon meine Bedenken, wenn «Profisportlerin» ihr Berufswunsch sein sollte. Es gibt doch für die Eltern nichts Schlimmeres, als seine eigenen Kinder leiden zu sehen. Ich will hier aber nicht alle Trainerinnen und Trainer in einen Topf schmeissen, es gibt sicherlich auch viele tolle «Lehrmeister» unter ihnen, die den Umgang mit dem Nachwuchs beherrschen. Aus diesem Grund würde ich meinen Töchtern den Profisport nicht von vornherein verbieten. Ich würde ihnen aber schon aufzeigen, welche Entbehrungen der steinige Weg zum Ziel mit sich bringt.

Gam: Steinig kann ja auch der Weg in einer Berufslehre oder an der Kantonsschule und im Studium sein. Niemand garantiert einem, dass Lehrmeister und Dozentinnen immer fair sind. Die Frage ist, wie viel Druck man aushalten kann und will, wie gross die Leidensfähigkeit ist. Ich wäre nicht der Typ zum Profisport. Alles einer Sache unterzuordnen und dann am Tag X vielleicht doch «nur» Zweite werden, nein danke. Sollten meine Mädels mal auf die Karte Sport setzen wollen, würde ich genau prüfen, wer sie unter die Fittiche nimmt. Eine Ethik-Charta und ein Verhaltenskodex ist gut und recht. Ob Trainer und Funktionäre diese leben, scheint mir seit den Skandalen im Turnverband mehr denn je überprüfungsnotwendig. 

Pka: Mich reizt der Aspekt, sich ein Ziel zu setzen und alles dafür zu unternehmen, um es zu erreichen. Für das müssen aber die Bedingungen stimmen. Zum Beispiel, dass mich eine Person trainiert, die mir alles abverlangt, mich aber stets respektvoll behandelt. Diesbezüglich stehen auch die Verbände in der Pflicht, bei der Rekrutierung ihres Personals noch genauer hinzuschauen. Ich denke, das Sprichwort «Erfolg hat seinen Preis» trifft die Thematik am besten. Die Frage ist nur, wie viel er wert ist. 

 

Haben Sie Kinder, die den Weg zum Spitzensportler einschlagen möchten? Unter welchen Bedingungen unterstützen Sie dies? Was sind Ihre Erfahrungen?

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