Aargauer Caterer richtet Hilferuf an die Regierung: «Ich schreibe Ihnen für all meine Branchenkollegen»

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Araz Abram fordert für die Cateringbranche eine faire Berechnung der Hilfsgelder. © Chis Iseli

Der Punkt ist erreicht, an dem es für Araz Abram und seine Berufskolleginnen und -kollegen um alles oder nichts geht. Der Caterer aus Rheinfelden kämpft wie viele Selbstständige seit dem Frühling um seine Existenz und um seine Mitarbeitenden. Seine Selbstständigkeit baute er ab 2012 mit seinem Catering- und Partyservice kontinuierlich aus. Seit 2016 führt er auch ein Restaurant. Bis zum Lockdown beschäftigte er 23 Angestellte.

In einem offenen Brief richtet er sich nun an die Aargauer Regierung: «Viele leidende Branchen werden in letzter Zeit oft erwähnt (auch Gastronomie, Kulturbetriebe etc.), die Cateringbranche jedoch stellt niemand ins Zentrum. Ich schreibe Ihnen also nicht nur für mich und meine Geschichte, sondern auch für all meine Branchenkollegen im Aargau, die das gleiche Schicksal mit mir teilen.»

Sein Anliegen: Bei der Berechnung der Coronahilfe in seiner Branche würde der Durchschnitt des Umsatzes der letzten fünf Jahre als Basis genommen. Für eine Firma wie seine, die sich in den letzten fünf Jahren aber im Aufbau befand und von Jahr zu Jahr bedeutend mehr verdiente, sei diese Berechnung eine Bestrafung. Um Entschädigungen zu bekommen, müsste dieser Durchschnitt unter der Hälfte des Umsatzes des Jahres 2019 liegen: «Deshalb kommen wir gar nicht zum Zug», erklärt Abram auf Anfrage. Für seine Firma gibt es keine Entschädigung.

Mehr Umsatz bedeutet auch grössere laufende Kosten

Sein Geschäft habe in den vergangenen zwei bis drei Jahren zwar floriert, dies habe aber auch grosse Investitionen bedeutet: «Es ist nicht alles nur Gewinn, wir haben mehr Lager, mehr Arbeitsplätze, viele Geräte und auch die Catering­lastwagen auf Leasing», sagt Abram. Für seine Angestellten habe er zwar Kurzarbeit beantragen können, «doch das löst nicht alle Probleme. Wir Arbeitgeber sind bestraft und bekommen keine Entschädigung für die laufenden Rechnungen». Dazu komme nun das Problem der Saisonalität. Die Firmen- und Weihnachtsessen, die Messen und die Fasnacht: Für die nächsten Monate sind praktisch alle Events abgesagt.

Seine Forderung an den Regierungsrat: Die Cateringbranche soll nicht vergessen gehen. «Ich erhoffe mir von diesem Brief, dass wir konkrete Unterstützung bekommen und es eine Anpassung der Berechnung für die Entschädigungen gibt», sagt Abram. Erste Kollegen aus der Cateringbranche seien kurz davor, Konkurs anzumelden: «Es wäre schade, wenn alle diese Arbeitsplätze verloren gingen. Wir haben genug verloren in dieser Krise.»

Ein Lockdown wäre ihm lieber

In seinem Brief an den Regierungsrat fragt er: «Warum wird bei der Berechnung der Coronahilfen nicht berücksichtigt, dass eine Firma im kontinuierlichen Aufbau ist und der Durchschnitt der letzten Jahre also nicht relevant sein kann?» Weiter schreibt Abram: «Ich wäre froh, wenn Sie mir und meinen Branchenkollegen die obenstehenden Fragen beantworten könnten oder uns verbindlich sagen können, wie wir als aktive, innovative und prosperierende Unternehmen mit dem kleinstmöglichen Schaden aus dieser Krise kommen.»

Araz Abram sagt, er wisse nicht, wie es weitergehen soll. «Bis jetzt konnte ich alles selber bewältigen. Mit privaten und Geschäftsgeldern. Aber langsam wird es eng. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Kollegen.»

Ausserdem wäre ihm ein angeordneter Lockdown für seinen und alle Gastronomiebetriebe lieber: «Unser Mittagsgeschäft ist trotz Solidaritätsaktionen drastisch eingebrochen. Nur noch Take-away und Lieferdienst verursachen weniger Zusatzkosten, als ein Restaurant geöffnet zu halten mit sehr wenig oder keinen Gästen.»

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