Gastro-Präsident Lustenberger: «Wenn es nicht schnell finanzielle Unterstützung gibt, gehen Betriebe zu»

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Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau. © Alex Spichale

Es wird eng für die Beizen. Bereits im Frühling erlitten sie massive Einbussen. Dank der Lockerungen der Coronamassnahmen konnten im Sommer zumindest einige etwas aufatmen. Doch jetzt wird die Luft wieder dünn. Abstand zwischen den ­Tischen, maximal vier Personen pro Tisch und um elf Uhr ist Feierabend. Kommt dazu: Der gesamte Geschäftstourismus fällt weg. Viele Hotels stehen leer.

Dabei wären die Monate November und Dezember für die Gastronomie ­extrem wichtig. Bankette, Firmenanlässe, Weihnachtsessen. Sie alle sind abgesagt. So auch in der Trattoria ­Rotes Haus in Brugg. «Wir haben momentan 60 bis 70 Prozent weniger Gäste», erzählt Wirt Vittorio Timpano. Die normale Kundschaft würde zwar weiter kommen.

Allerdings bis maximal vier aufs Mal. Alle grösseren Gruppen haben abgesagt. Timpano hat nun wieder Kurzarbeit beantragt. Er arbeitet mit etwa 70 Prozent des Personals weiter. Allerdings: Miete und diverse andere Fixkosten hat er weiterhin. Er macht jeden Monat Verlust. «Wir sind noch nicht gerade am Ende. Bis in den Frühling können wir noch weitermachen. Aber nur dank Kurzarbeit und mit grossen Schwierigkeiten.»

Ratlosigkeit in der Gastrobranche

Das Gastrogewerbe stehe schweizweit kurz vor dem Kollaps. Das teilte Gastrosuisse vor kurzem mit. Ohne schnelle Unterstützung müsste jeder zweite Gastrobetrieb 2021 dichtmachen. 100000 Arbeitsplätze seien in Gefahr.

Ein ähnlich düsteres Bild zeichnet Bruno Lustenberger, Inhaber der «Krone» in Aarburg und Präsident des Branchenverbandes Gastro Aargau: «Bei den meisten Wirten sieht es ganz schlecht aus. Wenn es nicht schnell ­finanzielle Unterstützung gibt, gehen Betriebe zu. Bis zu Weihnachten wird es für viele eng.» Keine flächendeckende Geldausschüttung verlangt Lustenberger, sondern gezielte Unterstützung. Aber Kurzarbeit alleine, das reiche nicht.

Lustenberger fühlt sich ein Stück weit hilflos. Im Frühling konnte er seinen Wirten-Kolleginnen noch Tipps geben. «Beantragt Kurzarbeit. Macht ein Catering. Das kennen Sie jetzt alles. Wenn ich jetzt Anrufe kriege, und um Hilfe gebeten werde, weiss ich nicht, was ich Ihnen noch sagen soll.» Zwei Möglichkeiten haben Beizen aktuell: Vorübergehend zumachen oder sich irgendwie durchschlagen. Etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig.

«Für viele ist es billiger, wenn sie vorübergehend schliessen»

Lustenberger hat für beide Entscheidungen Verständnis. «Es ist aktuell unmöglich, schwarze Zahlen zu schreiben. Für viele ist es billiger, wenn sie vorübergehend schliessen.» Aber auf der anderen Seite: Monatelang waren Wirtinnen, Serviceangestellte und Küchenhilfen bereits zu Hause. «Wir wollen doch auch zur Arbeit.» Aber auch die Angst, dass nach einer vorübergehenden Schliessung eines Restaurants die Gäste nicht wieder kommen würden, werde immer grösser.

Schliesslich gibt es laut Lustenberger ein Thema, das gänzlich zu kurz kommen würde: die Lernenden. Was passiert mit ihnen, wenn ein Betrieb vorübergehend dichtmacht? Oder ganz schliessen muss? «Wir müssen auch nach vorne schauen. Dieses Jahr ist sowieso verloren. Aber was ist in der Zukunft? Was, wenn der Nachwuchs keine Lehrstellen findet? Oder danach keine Stelle? Was tun wir dann? Hier ist der Bund gefordert.»

Können Heizpilze zu einem Teil der Lösung werden?

Eine mögliche Hilfestellung für Restaurants, um besser über den Winter zu kommen, könnten Zelte mit Heizpilzen sein. So könnten auch draussen Menschen bewirtet werden. Grundsätzlich dürfen Zelte und Heizpilze im Aargau aufgestellt werden, das letzte Wort ­haben aber die einzelnen Gemeinden. Und wirklich grosse Hoffnungen setzen Wirte nicht darauf.

Etwa Timpano vom Roten Haus in Brugg: «Ich weiss nicht, ob die Gäste so essen wollen. Und ­solange ich nicht sicher sein kann, möchte ich nicht in Heizpilze investieren. Ausserdem sind sie sehr schlecht für die Umwelt.» Ähnlich sieht es Lustenberger. Bei einigen wenigen Betrieben würde diese Lösung wohl funktionieren. Bei den meisten aber nicht.

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