Ex-Migros-Chef Anton Scherrer: «Diesen Städtern zeige ich es schon noch»

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Erster Medienauftritt Anton Scherrers 2001 als neuer Migros-Chef am MGB-Hauptsitz im Kreis 5 in Zürich.Bild: Fotoarchiv MGB

Die «Wiggertaler Heimatkunde» 2021 ist erschienen. Die Redaktion unter der Leitung von Martin Geiger-Hodel präsentiert auf 240 Seiten wieder einen Strauss von fundierten Beiträgen. Gastautorin Adelheid Aregger beleuchtet beispielsweise die Geschichte des Johanniterordens in Reiden. David Koller erklärt, warum die Architektur der Pfarrkirche Sankt Maria in Nebikon revolutionär ist, und Heidi Bono schreibt über «Kultur im Spycher» in Wikon. 

Band 78 hat dennoch ein eigenes Gesicht. Es fehlen diesmal Artikel zu Musik, Religion, Sport, Theater. Dafür gibt es lesenswerte Artikel zu drei Wiggertaler Persönlichkeiten: dem ehemaligen Migros-Chef Anton Scherrer; dem Übersetzer Kurt Steinmann – und Josef Suter (1908–1987), Dorflehrer, Kulturschaffender, Maler und Ehrenbürger Altbürons. 

Vom Bründlenhof an die Spitze der Migros 

Der Prominenteste unter ihnen ist Anton Scherrer, der es vom Bauernsohn zum mächtigen Migros-Boss und Swisscom-Verwaltungsratspräsidenten brachte. Der mittlerweile 78-Jährige hat selbst in die Tasten gegriffen. «Heimat gibt Kraft für ein Leben», ist der Titel seines Beitrags. Zusammen mit fünf Geschwistern verbrachte er seine Jugend im Luzerner Hinterland auf dem Bründlenhof in Zell. Am wichtigsten sei für seine Eltern eine gute Ausbildung gewesen, wofür er ihnen dankbar sei. 

«Gelegentlich mokierte sich dieser oder jener Schulkollege über meine Hinterländer Herkunft. Dies hat mich jeweils betroffen gemacht und mag bei mir Ernsthaftigkeit und neue Kraft mobilisiert haben», schreibt Scherrer. So habe er sich gedacht: «Denen, diesen Städtern, werde ich es schon noch zeigen!» – Und er hat es ihnen gezeigt. Scherrer studierte Lebensmittelingenieur ETH und schloss als einer der Besten ab. Danach wurde er Braumeister bei Hürlimann. Er stieg zum Delegierten des Verwaltungsrates der Hürlimann Holding AG auf. Als Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) führte er 12 000 Mitarbeiter und zig Industriebetriebe, dies bis zu seiner Pensionierung 2005. Seine Devise war, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. 2002 wurde ihm in Deutschland der Titel «Ökomanager des Jahres» verliehen. Schon im Ruhestand, wählte ihn der Bundesrat in den Swisscom-Verwaltungsrat, den er später präsidierte. 

Doch auch in seiner Heimat war er aktiv. So freut er sich, mit Hinterländer Freunden einen Beitrag zum Gelingen des Projekts Agrovision in Alberswil geleistet zu haben – ein Leuchtturm der schweizerischen Biolandwirtschaft. Scherrer, der mit seiner Frau in Kilchberg lebt, ist seinen Wurzeln immer treu geblieben: «Es ist ein Privileg, ein Bauernbub zu sein», schliesst er den Beitrag. 

 

Das vergessene Turmstübchen von Zofingen

Urs Siegrist widmet in der neuen Wiggertaler Heimatkunde einem «skurrilen Detail aus der Zofinger Geschichte» einen interessanten Beitrag. Es geht um den halbrunden mittelalterlichen Turm beim Gebäude der Drogerie Müller an der Bahnhofstrasse. Er hiess laut alten Schriften «Augustinerturm» und hat bekanntlich eine schauerliche Vergangenheit als Folter- und Strecketurm. Die in Zofingen angewandte Folter bestand nur aus einer «Strecke», erfährt man im Beitrag des Kurators im Museum Zofingen. Missetäter sollten durch Anwendung dieses schmerzhafte Instrument dazu gebracht werden, zu gestehen. Der im 14. Jahrhundert erbaute Turm birgt im Innern aber auch eine Kuriosität, die selbst vielen eingefleischten Zofingern nicht – oder nicht mehr – bekannt ist. 

Reich verzierter Raum mit Annehmlichkeiten 

Es handelt sich um das «Turmstübchen» im obersten Geschoss. Der Zofinger Bierbrauer Fritz Senn liess es sich Ende des 19. Jahrhunderts einrichten. «Mein Sanatorium» nannte er sein Refugium, wo er viel Zeit verbrachte. Der Raum war reich verziert und mit Möbeln ausgestattet. Die Innendekoration inspirierte sich an der Gotik. Der Raum verfügte über Elektrizität, Gas, fliessendes Wasser und gar ein Telefon. Das Stübchen hatte auch einen Balkon (der 1982 entfernt wurde). Nach dem Tode Senns 1924 wurde der Turm verkauft, die Möbel im Stübchen geräumt. Kunstvolle Stabellen fanden den Weg dennoch ins Museum Zofingen. Die reich verzierte Holzdecke, Wandmalereien und kunstvolle Fenster sind erhalten. Sie zeugen heute noch von der Existenz des Sennschen Turmstübchens. Der Kurator durfte es besichtigen. Durch die jetzige Besitzerschaft, schreibt Urs Siegrist, wurde nach Absprache mit dem kantonalen Denkmalpfleger und der Stadtbildkommission das Geschoss geräumt und auch eine Sanierung der Umfassungsmauern des Turmes zugesagt. (ben) 

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