Schweiz hält traurigen Spitzenplatz bei den Toten – doch im Bundesrat ist der liberale Sonderweg stark abgestützt

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3575 Kerzen auf dem Bundesplatz - für jeden Corona-Toten eine: Mahnwache auf dem Berner Bundesplatz. © Twitter

Angesichts der hohen Zahl an Todesopfern infolge der Pandemie – es sind inzwischen rund 80 Fälle pro Tag – wächst die Kritik an der Coronapolitik des Bundesrats. Internationale Medien wie die «New York Times» oder das Fernsehen ARD berichteten, dass die Spitalbetten knapp würden und die Todesfälle im internationalen Vergleich (bezogen auf die Bevölkerungszahl) enorm hoch seien. 

Der «Schweizer Weg» in der Coronapolitik wird international bereits mit der laxen Strategie Schwedens in der ersten Welle verglichen. Der Corona-Sondergesandte der Weltgesundheitsorganisation WHO, David Nabarro, sagte in der «Schweiz am Wochenende», die Behörden müssten eine robustere Strategie haben, sonst werde in der Schweiz ein «sehr hohes Niveau von Todesfällen» erreicht. Nabarros Kritik wurde von mehreren ausländischen Medien aufgegriffen. 

Die massive Zunahme der Todeszahlen löste in der Schweiz selbst bislang erstaunlich wenig Reaktionen aus. Das möchten die Veranstalter von Mahnwachen ändern, die zunächst mit einer Aktion auf dem Berner Bundesplatz auf das Drama aufmerksam machten: Sie zündeten vor dem Bundeshaus 3575 Kerzen an, für ebenso viele Menschen, die bisher in der Schweiz durch Corona gestorben sind. «Jeder Verlust ist einer zuviel», teilten die Veranstalter mit. 

Trotz der Todesfallzahlen sagte die neue Chefin des Bundesamts für Gesundheit (BAG) Anne Lévy im «SonntagsBlick», die Schweiz stünde nicht wesentlich schlechter da als das europäische Ausland. Eine Aussage, die in den sozialen Medien als Beschönigung, ja als «Trumpismus» kritisiert wurde. 

Auch zwei Bundesräte verteidigten entschlossen den Schweizer Sonderweg. Übereinstimmende Aussagen von Ueli Maurer (SVP) und Simonetta Sommaruga (SP) lassen darauf schliessen, dass keine Verschärfungen und schon gar kein Kurswechsel bevorsteht. Dass in den letzten 14 Tagen rund 1000 Menschen am Coronavirus gestorben sind, relativierte Maurer auf Radio SRF. «Der ganz grosse Teil sind über 80-Jährige.» Ob diese Fälle durch striktere Massnahmen hätten verhindert werden können, sei unklar. 

Bundespräsidentin Sommaruga sagte in der «Schweiz am Wochenende», die Todeszahlen würden sie betroffen und traurig machen. Zugleich zeigte sie sich zuversichtlich: «Wir sehen nun eine leichte Entspannung bei den Fallzahlen, und das könnte ein Zeichen dafür sein, dass wir auch in der zweiten Welle angemessen auf die Ausbreitung des Virus reagieren.» 

Wer mit Bundesräten spricht, bekommt den Eindruck, dass die Regierungsmitglieder sehr geschlossen hinter dem im Ausland umstrittenen Weg stehen. Zwar gibt es unterschiedliche Meinungen, aber man scheint sich von links bis rechts zusammengerauft und auf den nun eintgeschlagenen Kurs geeinigt zu haben. 

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