«IG Wikon»: Anonyme Gruppierung lehnt das Budget ab

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Das Flugblatt kommt mit dem Gemeindewappen offiziell daher.Bild: pd

Längere Zeit war es ruhig in Wikon. Nun sorgt ein Flugblatt der unbekannten Gruppierung «IG Wikon» in die Haushalte für Diskussionen und Kopfschütteln im Dorf. Der Grund für die Irritationen ist, dass die rund 25 Einwohner von Wikon, die der Gruppe angehören sollen, ihre Identität verbergen. Am nächsten Sonntag stimmt Wikon coronabedingt an der Urne über das Gemeinde-Budget 2021 ab. Die Gemeinde Wikon prognostiziert ein Minus von 390 893 Franken. «Wir lehnen das Budget des Gemeinderats ab!», schreibt die Gruppierung. Die Gemeinderäte reduzierten ihre Pensen von 120 auf 100 Prozent. 

Zu wenig, findet die Gruppe. Ein Total von 65 Prozent müsse bei rein strategischen Tätigkeiten reichen. Zudem verlangt die Gruppe, den Steuerfuss von 2,4 auf 2,3 Einheiten zu senken. «Die eingeleiteten Sparmassnahmen stammen alle aus der Zeit des letzten Präsidenten, der von der SVP und SP nach unserer Meinung zu Unrecht vertrieben wurde», heisst es weiter. Gemeint ist der ehemalige Gemeindepräsident René Wiederkehr, der im Mai 2019 zurücktrat. Die «IG Wikon» bezeichnet die Ortsparteien als «zahnlos». «Es braucht Gemeinderäte, die unsere Finanzen wieder dahin bringen, wo sie waren, bevor die teure Präsidentin übernahm.» 

Gemeinderat reagiert nicht auf anonyme Schreiben 

Wikons Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (CVP) sagt auf Anfrage, seitens des Gemeinderats reagiere man grundsätzlich nicht auf anonyme Schreiben. «Wer mitdiskutieren will, soll es bitte mit Namen und offenem Visier tun und keine Heckenschützenpolitik betreiben», sagt Tschuor. Sie lade Ansprechpersonen der IG Wikon ein, sich doch zu melden. Die Diskussionsmöglichkeiten an einer Budget-Gemeindeversammlung fielen zwar diesmal weg. Aber nicht die Möglichkeiten zum Politisieren. «Es gab immerhin Wahlen im Frühling», sagt Michaela Tschuor. Laut der Gemeindepräsidentin melden sich auch immer wieder Stimmbürger per Telefon oder Mail bei einzelnen Gemeinderäten. «Wir empfangen sie gerne und diskutieren im Gemeinderatszimmer.» 

Die IG Wikon schreibt in ihrem Flugblatt, sie «setze sich für die Bevölkerung ein» und «werde sich einbringen, um gute Lösungen für uns alle zu erarbeiten». Daran glaubt Roger Wymann nicht. Er nimmt namens der SP Wikon Stellung zum Flugblatt. Wo denn die IG-Leute gewesen seien, als die Gemeinde neue Gemeinderats- und Kommissionsmitglieder suchte, fragt der ehemalige SP-Gemeinderat. «Aber eben, solche Ämter bringen Bürde und Arbeit mit sich und selten Dank. Da ist es einfacher, in einem Flugblatt irgendwelche Behauptungen, ohne Fakten, ohne fundiertes Wissen und anonym aufzuschreiben.» Vielleicht seien die Ortsparteien zahnlos, aber sicher nicht sprachlos, fügt Wymann hinzu. Die SP Wikon sei überzeugt, dass der Gemeinderat mit der Gemeindepräsidentin in die richtige Richtung unterwegs sei. Die SP sagt Ja zu den drei Vorlagen am Wochenende. Neben dem Budget unterbreitet der Gemeinderat den Stimmberechtigten eine Anpassung der Gemeindeordnung für die Einführung des Geschäftsführermodells und die Wahl einer Revisionsstelle. 

FDP-Präsident: «Neben den Schuhen» 

FDP-Präsident Andreas C. Brändle sagt auf Anfrage, die Liberalen fänden das Flugblatt «neben den Schuhen». «Wer etwas zu sagen sagt, soll mit seinem Namen dazu stehen.» – «Das Defizit gefällt uns auch nicht», führt Brändle aus. Aber die Budgetierung sei im Sommer geschehen, es könne sich noch einiges ändern. Die Liberalen unterstützten den Gemeinderat, in der heutigen Situation am Steuerfuss von 2,4 Einheiten festzuhalten. «Eine Sanierung kann nicht in der Mitte abgebrochen werden», so Andreas C. Brändle. Eine Senkung sei momentan nicht angesagt, diese jetzt zu fordern sei schlichtweg dumm. Die FDP Wikon unterstützt alle drei Anträge des Gemeinderats. 

Keinen Kommentar gibts von SVP und CVP. «Die SVP Wikon kommentiert den Flyer der IG Wikon nicht», sagt Parteipräsident Silvan Schütz. Die SVP empfehle ein Ja zum Budget – offenbar schweren Herzens. Der Vorstand habe das Budget 2020 begutachtet. «Wir sind überzeugt, dass bei verschiedenen Aufwendungen noch Einsparungen möglich sind. Die heutige Situation mit der Ungewissheit der Auswirkungen der Corona-Situation, dem anstehenden neuen Führungsmodell und die neue Legislatur des Gemeinderates haben uns bewogen, dem Budget zuzustimmen», erklärt der Parteipräsident. 

Die SVP werde aber in den nächsten Jahren die Ausgabenpolitik genau verfolgen und sich für eine Senkung des Steuersatzes einsetzen. Zu den drei Gemeinde-Vorlagen empfiehlt die Volkspartei ein Ja. «Zu anonymen Flugblättern äussern wir uns nicht», sagt auch CVP-Parteipräsidentin und Gemeinderätin Rosmarie Brunner. Der Vorstand der CVP Wikon empfiehlt ein Ja zu den drei Vorlagen (Ausgabe von gestern).

Obwohl Wikons Grösse überschaubar ist, wird gerätselt, wer hinter der Gruppe stecken könnte. Es gab bereits einmal eine IG Wikon, die sich bei der umstrittenen Abstimmung zum Landverkauf Spychermatte zu Wort meldete. Leute dieser früheren Gruppierung haben sich laut verschiedenen Quellen jedoch von der jetzigen Aktion distanziert.

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