Aarauer Stadtpräsident kritisiert Contact Tracing ungewohnt scharf: «Die Behörden sind schlecht vorbereitet»

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Für den Stadtpräsidenten Hilfiker ist klar, dass der Kanton ein «Versagen» zeigt. © Sandra Ardizzone

In einem Gastbeitrag in der «Aarauer Woche» wirft der Aarauer Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker (FDP) dem Kanton Versagen vor. Es geht um das Contact­Tracing, also das Rückverfolgen und Ermitteln von Personen, die engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten. Als in der zweiten Welle die Zahl der Neuansteckungen in die Höhe schnellte, brach das Contact­Tracing zusammen. Was das konkret bedeutet, schildert Hilfiker anhand zweier Fälle von Ende Oktober im Umfeld der Stadtverwaltung. 

Im ersten Fall liess sich eine Frau testen, deren Sohn positiv war. Tags darauf wird ihr mitgeteilt, ihr Test sei negativ. Zwei Tage später wird sie noch einmal angerufen: «Sorry, Fehler. Doch positiv.» Sie wird beauftragt, eine Liste mit Kontakten auszufüllen und einzureichen. Dann erhält sie eine Whatsapp-Nachricht, sie solle diese Personen in Quarantäne schicken. Die Zeit für eine individuelle Kontaktaufnahme durch das Contact­Tracing-Center fehle. Es würden später – mit A-Post – Quarantäneverfügungen verschickt.

Die zweite Person, deren Fall Hilfiker schildert, erhielt vom Kanton eine andere Anweisung: Er solle die Personen, mit denen er Kontakt hatte, informieren, dass er positiv sei und ihnen die Kriterien bekanntgeben, welche zur Quarantäne verpflichten. Das wären: sich ohne Maske länger als 15 Minuten näher als 1,5 Meter kommen.

«Vorgehen ist unter keinen Umständen akzeptabel»

Für Hilfiker ist dieses Vorgehen «unter keinen Umständen akzeptabel und auch rechtsstaatlich fraglich». Die kantonalen Behörden seien «offenbar schlecht vorbereitet und in jeder Beziehung überlastet». Für Hilfiker ist klar, dass der Kanton ein «Versagen» zeige, das spätestens im Nachgang zu Corona «zu umfassenden Anpassungen führen muss», wie er schreibt.

Dass infizierte Personen unterschiedliche Anweisungen erhalten hätten, liege daran, dass sowohl verschiedene Ärzte als auch Contact-Tracer Instruktionen vornähmen, sagt Kantonsärztin Yvonne Hummel. Wichtig seien vor allem die schnelle Isolation der infizierten Person und die Quarantänemassnahmen für enge Kontaktpersonen. «Beide Anweisungen fokussieren richtigerweise darauf», sagt sie.

«Sie müssen handeln, Herr Gallati!»

Hilfikers Parteikollege im Grossen Rat, Herbert H. Scholl, sparte am vergangenen Dienstag ebenfalls nicht mit Kritik am Gesundheitsdepartement und dessen Vorsteher, dem SVP-Regierungsrat Jean-Pierre Gallati. Dieser hatte für das Contact- Tracing einen Nachtragskredit von 3,7 Millionen verlangt und angekündigt, es brauche noch mehr Geld. Scholl sagte, weite Teile der Bevölkerung seien enttäuscht und hätten das Vertrauen in die Führung des Contact- Tracings und in das Gesundheitsdepartement verloren. «Sie müssen handeln, Herr Gallati!», forderte er.

«Contact-Tracing wieder voll funktionstüchtig»

Gallati räumte ein, dass das Contact-Tracing während vier Wochen überlastet gewesen sei. Gleichzeitig fand er, es sei ja «nicht wahnsinnig viel verlangt», wenn jemand, der weiss, dass er sich angesteckt hat, selber seine Kontaktpersonen eruiere und benachrichtige. Weiter versicherte Gallati, «dass wir alles unternommen haben, um die Funktionstüchtigkeit des Contact-Tracings wiederherzustellen». Dieses sei seit dem 13. November «mit Blick auf die neu eintreffenden Fälle wieder voll funktionstüchtig».

Das bestätigt auch Kantonsärztin Hummel. Die infizierten Personen würden kontaktiert und bei Bedarf durch die Isolation begleitet. Auch die engen Kontaktpersonen würden kontaktiert und unter Quarantäne gestellt, «wenn infizierte Personen entsprechende Listen zur Verfügung stellen oder Kontaktpersonen über das Online-Formular melden», wie sie sagt.

Personal in der zweiten Welle mehr als verdoppelt

Das Contact Tracing Center wurde auch personell aufgestockt. Ende September arbeiteten 30 Mitarbeitende im Conti, heute sind es 70. «Damit konnten Pendenzen abgebaut werden, und die regulären Aufgaben werden wieder zeitgerecht erledigt», sagt Hummel. Unterstützt wird das Contact­-Tracing seit rund einem Monat zudem durch den Zivilschutz. Aktuell sind laut Dieter Wicki, Leiter der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, 13 Zivilschützer als Contact-Tracer im Einsatz.

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