Schwedens Warnung an die Schweiz: Viele Tote und wenig wirtschaftlicher Erfolg

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Unbeschwertes Schweden: Ökonomen kritisieren den Sonderweg. © Imago Images (Stockholm, 10.11.2020

Kein Lockdown, keine geschlossenen Geschäfte und Restaurants, sondern Verhaltensempfehlungen: Schweden liess der Bevölkerung während der Pandemie viel Bewegungsfreiheit. Deshalb waren die Erwartungen gross, dass sich das Land international gesehen wirtschaftlich besser halten könnte. Doch dies scheint laut aktuellen Daten nicht der Fall zu sein, jedenfalls nicht im Vergleich mit den Nachbarländern oder der Schweiz.

Die Entwicklung in den ersten drei Quartalen des Jahres wie auch die Prognose des Internationalen Währungsfonds für 2020 zeigen, dass Schwedens Bruttoinlandprodukt (BIP) ähnlich stark schrumpft: Demnach sind es für Schweden -4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, für Dänemark -4,5, Finnland -4, Norwegen -2,8. Für die Schweiz rechnet der Währungsfonds mit -5,7 Prozent, der Bund laut neuesten Daten noch mit -3,8.

Die Bevölkerung ist den Empfehlungen gefolgt

Auch andere Indikatoren wie die Arbeitslosigkeit oder der Konsum im Detailhandel ergeben für Schweden keine Vorteile. Laut einer Analyse des dänischen Finanzministeriums ist der Konsum in Dänemark zwar stärker gesunken als im Nachbarland, hat aber nach Beendigung des Lockdowns einen Sprung nach oben gemacht, während die Kurve in Schweden viel flacher blieb – im Herbst landen die beiden Länder am gleichen Punkt. Schwedens Industrieproduktion wiederum hat – aufgrund des Weltmarkts – einen starken Einbruch und danach eine Erholung erlebt.

Eine Erklärung für die vergleichbare Entwicklung der Länder ist, dass die schwedische Bevölkerung die Appelle der Regierung sehr gut befolgt hat, was auch Mobilitätsdaten bestätigen: Viel Home Office, eingeschränkte Reisen und weniger soziale Kontakte. In diesem Sinn erreichte Schweden wirtschaftlich betrachtet dasselbe Resultat wie die Nachbarländer, aber ohne Zwangsrestriktionen. Das 10-Millionen-Land schnitt in Sachen BIP zudem klar besser ab als Frankreich oder Italien, die Einbrüche um 10 oder mehr Prozent erleiden.

Auf der anderen Seite der Medaille steht aber die grosse Ausbreitung der Ansteckungen und die hohen Todeszahlen in Schweden. Nicht im Vergleich zu Italien oder Grossbritannien, aber zu vielen anderen Ländern: Schweden zählt bis heute fast 6700 Coronatote. Das sind auf die Bevölkerung umgerechnet zehnmal so viele wie in Finnland oder Norwegen. 

Starker Anstieg in der Schweiz

Die Schweiz weist 4100 im Zusammenhang mit Corona Verstorbene aus, wobei es in den letzten Wochen zu einem starken Anstieg gekommen ist. Gleichzeitig hat sind die hiesigen Restriktionen im Vergleich zu den Nachbarländern deutlich schwächer; dies auch als Resultat einer Debatte, die weniger Einschränkungen für die Wirtschaft forderte. Nun macht die Schweiz im Ausland Schlagzeilen, wie es sie über Schweden seit dem Frühjahr gab: Eine lockere Strategie, die zu hohen Todeszahlen führe.

In Schweden beurteilen jetzt jedoch mehrere bekannte Ökonomen die Coronastrategie ihres Landes kritisch. «Sie ist missglückt, das zeigt ein Blick auf die Todeszahlen», erklärte etwa der Wirtschaftsprofessor Hubert Fromlet, der findet, man habe zu sehr auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung gesetzt. Mit dem Resultat, dass die Wirtschaft nicht besser dastehe als bei den Nachbarn.

Auch wenn dies im Ausland oft so eingeschätzt wurde, hat Staatsepidemiologe Anders Tegnell nie wirtschaftlich argumentiert, wenn es um seine Coronastrategie ging, sondern das primäre Ziel sei, die Spitäler nicht zu überlasten.

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