Gallati: «Wie es nach aussen wirkt, was der Aargau macht, ist mir egal» – warum es keine neuen Regeln gab

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Jean-Pierre Gallati sieht im Kanton Aargau keinen dringenden Handlungsbedarf. © Britta Gut

Am Wochenende hat sich Gesundheitsminister Alain Berset jene Kantone vorgeknöpft, die aus seiner Sicht zu wenig tun, um die Ausbreitung des Corona- virus einzudämmen. Nebst Solothurn und Baselland redete der Bundesrat auch den Verantwortlichen im Aargau ins Gewissen. Am Montag haben Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati, Kantonsärztin Yvonne Hummel und Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, informiert, wo der Aargau steht und wie es weitergeht.

Wie hat sich die Situation über das Wochenende verändert? 

Von Freitag bis Sonntag sind im Kanton Aargau 836 Neuansteckungen registriert worden. Für Freitag meldete der Kanton Aargau 379 neue Coronafälle, für Samstag 336 und für Sonntag 121. Das sind über 100 Neuansteckungen mehr im Vergleich zum Wochenende vor einer Woche. Damals hatte der Kanton 720 neue Fälle gemeldet.

Über das Wochenende sind elf weitere Personen gestorben, die an Covid-19 erkrankt waren. Am Freitag und Samstag je vier Personen; am Sonntag drei. Seit Beginn der Pandemie verzeichnet der Kanton Aargau 229 Todesfälle.

Wie sieht die Coronasituation in den Spitälern aus? 

Es sei das oberste Ziel, das Gesundheitswesen nicht zu überlasten, sagte Gallati. Die Spitäler hätten aber genug Kapazitäten. Sie verfügten über 110 Betten auf den Intensiv- und Überwachungsstationen. Aktuell würden insgesamt 78 Patientinnen und Patienten auf diesen Stationen behandelt, 36 davon wegen Covid-19. Die Intensivstationen seien zu 86 Prozent belegt; mit 28 Covid- und 22 anderen Patientinnen und Patienten.

Auch bei den 56 Beatmungsplätzen gebe es eine Reserve von 33 Prozent, so Gallati. Aktuell werden 38 Patientinnen und Patienten beatmet; 22 davon wegen Covid-19. Christoph Fux, Chef-Infektiologe am Kantonsspital Aarau, beurteilt die Situation anders als Gallati.

Was plant der Regierungsrat?

Sowohl Gallati als auch Kantonsärztin Yvonne Hummel betonten, die Coronasituation im Aargau sei seit mehreren Wochen stabil. «Wir haben keine Notsituation», sagte Gallati und fügte an, dass ein Vorpreschen oder ein überstürztes Anordnen von Massnahmen falsch wären.

Hummel sagte sogar: «Aktuell braucht es nicht zwingend weitere Massnahmen. Diese braucht es, wenn wir einen deutlichen Anstieg bei den Fallzahlen hätten oder das Gesundheitswesen grosse Überlastungserscheinungen zeigen würde.»

 

Der Kanton wartet also vorerst ab. Am Donnerstag will die Regierung informieren, ob und wie die Massnahmen im Aargau verschärft werden.

Warum wartet der Regierungsrat bis am Donnerstag?

Laut Gallati besteht kein dringender Handlungsbedarf, weil die Zahlen im Aargau seit mehreren Wochen stabil sind. «Mit der gleichen Begründung, mit der wir gestern oder vorgestern Massnahmen angeordnet hätten, hätten wir sie auch schon vor drei Wochen anordnen können», sagte er.

Ihm sei es ein Anliegen, allfällige Massnahmen auf die umliegenden Kantone abzustimmen. Er rechnet damit, dass bis am Donnerstag klarer ist, was diese planen. Für den Aargau sei wichtig, dass er nicht zur Insel werde – also nicht viel strengere oder laschere Massnahmen beschliesst als umliegende Kantone.

«Wenn wir Casinos schiessen, rennen alle nach Zürich», gab er ein Beispiel. Gleiches gelte für andere Branchen. Der Vorwurf, dass es so wirke, als warte der Aargau einfach ab, was die anderen machen, liess er nicht gelten. Er sagte:

Der Aargau sei mindestens gleich aktiv wie die anderen Kantone. «Wir machen uns täglich Überlegungen. Aber wir wenden uns nicht täglich mit Absichtserklärungen an die Öffentlichkeit.»

 

Welche Massnahmen könnten am Donnerstag verkündet werden?

Der Aargau wird sich an den anderen Kantonen orientieren. Basel-Stadt beispielsweise befindet sich seit zwei Wochen in einem «Lockdown light». Restaurants, Bars, Freizeit- und Sporteinrichtungen sind zu. Der Kanton Thurgau hat seine Massnahmen am Montag verschärft und die Sperrstunde in Restaurants um eine Stunde vorverlegt, eine Homeoffice-Pflicht eingeführt und Versammlungen von mehr als zehn Personen verboten. Zudem dürfen sich bis am 23. Dezember nur noch Menschen aus zwei Haushalten treffen.

Was kann die Bevölkerung tun?

Neben Abstand halten, Maske tragen und Händewaschen ist Testen wichtig. So können Infektionsketten unterbrochen und eine Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden. Die Kantonsärztin ruft die Bevölkerung dringend dazu auf, sich bei Symptomen umgehend testen zu lassen und bei einem positiven Ergebnis umgehend enge Kontaktpersonen zu informieren.

Funktioniert das Contact-Tracing?

Kantonsärztin Hummel führte aus, das Contact-Tracing sei seit Ende September personell stark ausgebaut worden. Arbeiteten Ende September noch 30 Mitarbeitende im «Conti», sind es seit Anfang November 70. Das Contact- Tracing sei aber weiterhin stark gefordert: «Aktuell können wir täglich rund 400 infizierte Personen kontaktieren», sagte Hummel. Deren enge Kontaktpersonen könnten aber noch nicht alle kontaktiert werden. Die Bevölkerung sei jedoch inzwischen gut trainiert. «Infizierte Personen wissen, dass sie ihre Kontaktpersonen umgehend informieren müssen», so Hummel.

Die Quarantäneverfügung folge dann jeweils mit etwas Verzögerung. Dies könne auch mal länger als eine Woche dauern. «Das liegt daran, dass wir die Arbeiten priorisieren und infizierte Personen und Krankheitsausbrüche dabei Vorrang haben.» Hummel hofft, dass die Mitarbeitenden ab Mitte Dezember wieder tagesaktuell arbeiten können.

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