Gemeindewahlen voller Überraschungen: 77 Gemeinden wählten ihre politischen Behörden neu

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Sandra Cellarius ist Ende März zur ersten Gemeindepräsidentin von Pfaffnau gewählt worden. Sie ist in Zofingen aufgewachsen. Bild: Marc Benedetti

Im Kanton Luzern wählten am 29. März 77 Gemeinden ihre politischen Behörden neu. In 31 davon kam es zu Kampfwahlen. In unserer Region war das einzig in Dagmersellen der Fall. Dennoch gab es Überraschungen, als zwei langjährige Gemeinderäte in Reiden und Pfaffnau nicht wiedergewählt wurden. Ein Fazit der Wahlen: Es gab teils eine Verjüngung in den Gremien und die Frauenquote stieg. Parteipolitisch sind die Gemeindeexekutiven im unteren Wiggertal wie bis anhin fest in der Hand von CVP und FDP. Die CVP stellt in Wikon weiterhin die Gemeindepräsidentin, in Reiden, Dagmersellen (neu, vorher FDP) und Altishofen den Gemeindepräsidenten. Der bisherige Gemeindepräsident von Nebikon und die neue Gemeindepräsidentin von Pfaffnau sind Liberale (neu, vorher CVP). Die SVP ist nur in Wikon und Reiden in der Exekutive vertreten. Es gibt Vertreter von überparteilichen Bewegungen und Parteilose. Linke Parteien sind nirgends repräsentiert.

Kampfwahlen in Dagmersellen: FDP verlor Sitz an die CVP

In Dagmersellen traten zu den Wahlen drei Gemeinderatsmitglieder nicht mehr an, darunter Gemeindepräsident Philipp Bucher (FDP), der sich nach 16 Jahren Lokalpolitik zurückzog, aber im Luzerner Kantonsrat weiter politisiert. Für die drei Sitze kandidierten vier Kandidaten, zwei von der CVP und zwei von der FDP. Gewählt haben die Stimmberechtigten Gregor Kaufmann und Astrid Meier (beide CVP) sowie Karin Wettstein-Rosenkranz von der FDP. Mit Kaufmann ist neu ein Uffiker in der Exekutive. Nicht gewählt wurde Sandra Sidler (FDP), womit die Liberalen ihr Ziel von zwei Sitzen verfehlten. Der bisherige CVP-Gemeinderat Markus Riedweg wurde zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt, Peter Kunz (CVP, bisher) als Gemeinderat bestätigt. Die CVP stellt neu vier von fünf Sitzen.

Besonders spannend waren die Gemeinderatswahlen in Reiden. Die überparteiliche Bewegung IG Reiden, welche mit Esther Steinmann und ­Bruno Aecherli bisher zwei von fünf Gemeinderatssitzen hielt, wollte die Mehrheit im Rat erringen. Die IG lancierte fürs Gemeindepräsidium eine Gegenkandidatin, die Langnauerin Evi Gasser-Mangold. Sie ist politisch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Sie wolle eine Auswahl bieten, sagte sie. Die Reider wählten aber den bisherigen Gemeindepräsidenten Hans Kunz von der CVP wieder. Er holte mit 961 Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen wie Gasser (419). Am meisten Stimmen holten die bisherigen Gemeinderäte Willi Zürcher (FDP, 1028 Stimmen) und Bruno Geiser (SVP, 987 Stimmen); die bisherige IG-Gemeinderätin Esther Steinmann kam auf 766 Stimmen, alle drei wurden wieder gewählt.

Das war noch nicht alles: Zur grossen Überraschung erreichte der bisherige IG-Gemeinderat Bruno Aecherli wegen 26 Stimmen nicht das absolute Mehr von 704 Stimmen und wurde nicht wiedergewählt. Aecherli lehnte es ab, zum zweiten Wahlgang anzutreten. Er gehörte dem Gremium sechs Jahre lang an, war Finanzvorsteher und kurz Gemeindepräsident ad interim. In einem Communiqué teilte er mit, er betrachte die Nichtwahl als ein «ungenügend» in der Beurteilung seiner Leistungen. Doch es gibt andere mögliche Gründe. Ein offenesGeheimnis waren die zum Teil an Gemeindeversammlungen ausgetragenen Differenzen mit Gemeinde­präsident Hans Kunz. Die IG bezeichnete diesen im Wahlkampf als «autokratisch». Kunz machte für die Unstimmigkeiten im Gemeinderat die Verletzung des Kollegialitätsprinzips verantwortlich, ohne Namen zu nennen. Die Ortsparteien CVP, FDP und SVP hatten im Wahlkampf ausserdem zusammengespannt und auf einem gemeinsamen Plakat für ihre drei Kandidaten geworben. Die IG hatte eine eigene Plakatkampagne laufen und war allein. – Die IG und die Ortsparteien hatten grosse Mühe, Personen für den zweiten Wahlgang zu finden, rauften sich aber zusammen. Kurz vor dem Ablauf der Frist für Wahlvorschläge zauberte die CVP mit Vera Schwizer doch noch eine interessierte Person aus dem Hut. Die Human-Resources-Leiterin aus dem Reidermoos wurde als einzige Kandidatin still gewählt.

In Wikon verliefen die Wahlen ohne Überraschungen. Denn es gab gleich viele Kandidierende wie Sitze, nämlich fünf, und die Ortsparteien unterstützten die Kandidaturen. Gemeinderätin Esther Ammann (SP) und Gemeinderat Wolfgang Kunzelmann (SVP) traten nicht mehr zu den Wahlen an. Für die freiwerdenden Sitze trat die parteilose Carmen Hodel an, welche bereits im Frühling 2019 an der Ersatzwahl kandidiert und ein gutes Resultat erzielt hatte. Die SVP schickte Landwirt André Wyss neu ins Rennen. Beide wurden gut gewählt, neben den Bisherigen Ivan Zanin (parteilos), Rosmarie Brunner (CVP) und Gemeindepräsidentin Michaela Tschuor (CVP), welche die Wikoner für eine weitere Amtsperiode bestätigten.

Sandra Cellarius erste Gemeindepräsidentin von Pfaffnau

Die Pfaffnauer vollzogen an den Wahlen einen Generationenwechsel: Nach 20 Jahren im Amt trat Thomas Grüter (CVP) nicht mehr als Gemeindepräsident an, blieb aber Kantonsrat. Die 34-jährige Sandra Cellarius (FDP) wurde als Nachfolgerin gewählt. Damit leitet erstmals in der Geschichte Pfaffnaus eine Frau die Gemeindegeschicke. Die Pfaffnauer bestätigten die Bisherigen Pirmin Bucheli und Jörg Vonmoos (beide CVP) problemlos und wählten den neuen CVP-Kandidaten Andreas Müller in den Gemeinderat. Bitter: Der langjährige bisherige Gemeinderat Walter Eberhard von der IG UPS verfehlte das absolute Mehr um zwei Stimmen. Für ihn keine Überraschung. Er habe oft zum zweiten Wahlgang antreten müssen, meinte er. Er führte das Resultat auf die Listenverbindung von CVP und FDP zurück. Es gab eine Kampfwahl um seinen Sitz, die Eberhards Herausforderer für sich entschied. Der parteilose Herbst Wüest wurde am 28. Juni mit 459 Stimmen in den Gemeinderat gewählt, Eberhard holte 215 Stimmen.

In der FDP-Hochburg Nebikon wählten die Stimmberechtigten, mangels Alternativen, die Kontinuität. Bei den Neuwahlen wurden alle wieder angetretenen Gemeinderatsmitglieder wiedergewählt. Es gab keine anderen Kandidaturen. Der neue und zugleich alte Gemeinderat besteht aus Reto Steinmann, Erich Leuenberger, Gerold Meyer, André Müller (alle FDP) sowie Luzia Kneubühler (CVP). Die Nebiker bestätigten Reto Steinmann als Gemeindepräsidenten für eine weitere Amtsperiode.

In Roggliswil gab es nur einen Wechsel im dreiköpfigen Gemeinderat. Der parteilose Beat Steinmann, Inhaber eines Elektrofachgeschäfts, wurde zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt. Der Cousin des früheren Gemeindepräsidenten Josef Steinmann erhielt 199 von 233 gültigen Stimmen. Die Roggliswiler bestätigten die bisherigen Gemeinderatsmitglieder Brigitte Purtschert-Heller (parteilos) und Roger Scheidegger (FDP).

In Altishofen, das am 1. Januar mit Ebersecken fusionierte, fanden die Gemeindewahlen bereits im September 2019 statt. Thomas Roos (CVP) ist erster Gemeindepräsident der Fusionsgemeinde. Der Präsident des alten Altishofen, Urs Kaufmann, hat sich nach stolzen 19 Jahren aus der Lokalpolitik verabschiedet.

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