Frisch geimpfte Aargauerinnen und Aargauer freuen sich auf ihre Gross- und Urgrosskinder

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Impfstart im Kanton Aargau: Im Covid-19-Impfzentrum am Kantonsspital Aarau im Haus 3 herrscht am Nachmittag des ersten Tages reges Treiben. Angemeldete Ü-75-Bürger erhalten hier die erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer-BioNTech. Fotografiert am 5. Januar 2021. Im Bild: Gerhard Raudies (78) aus Egliswil lässt sich impfen.

Agatha Baumann setzt sich auf den Stuhl. «Alles gut?», fragt Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati. «Danke, ja», antwortet die Bewohnerin des Alters- und Pflegeheims Auhof in Au-Veltheim. Kurz später hilft ihr eine Mitarbeiterin aus der hellblauen Strickjacke, krempelt den linken Ärmel des T-Shirts nach oben. Agatha Baumann lässt den Arm entspannt hängen, während die Pflegerin mit einem Desinfektionstüchlein behutsam über jene Stelle am Oberarm fährt, wo sie später die Impfung setzen wird. Ein kurzer Piks und schon ist die Nadel wieder draussen.

Eine 89-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims war am Dienstag die erste Aargauerin, die gegen Covid-19 geimpft wurde.

Eine 89-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims war am Dienstag die erste Aargauerin, die gegen Covid-19 geimpft wurde. © Sandra Ardizzone

«So», sagt die Pflegerin während sie ein Pflaster auf die Einstichstelle klebt. «Ist es überhaupt schon vorbei?», fragt Agatha Baumann.

Die 89-Jährige gehört zu den ersten Aargauerinnen und Aargauern, die am Dienstag gegen Covid-19 geimpft wurden. Jetzt freut sie sich, dass sie dank der Impfung vielleicht wieder einmal ihre Gross- und Urgrosskinder sehen kann. Diese hat sie im September zuletzt gesehen.

Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, sagte denn auch vor den Medien: «Es ist ein grosser Moment für uns.»

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati doppelte nach, die Impfung sei aus heutiger Sicht der einzige gangbare und sichtbare Ausweg aus der Pandemie: «Nur so wird das gesellschaftliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben wieder möglich sein. Und das hoffentlich möglichst schnell.»

 

Ziel des Kantons sei es, die Aargauer Bevölkerung bis im August durchzuimpfen, sagte Hürlimann. Ob das gelingt, hängt von der Verfügbarkeit des Impfstoffes ab – und vor allem auch davon, ob bald ein zweiter Impfstoff zugelassen wird, der einfacher zu handhaben ist als jener von Pfizer/Biontech. «Dann können auch an den Regionalspitälern Impfzentren eröffnet werden und in einem nächsten Schritt auch Hausärzte und Apothekerinnen impfen», so Hürlimann.

Impfung: Klares Ja vom Gesundheitsdirektor

Gallati hält es für realistisch, dass man dieses Ziel erreicht. «Aber die Erfahrungen des letzten Jahres haben auch gezeigt, dass man immer damit rechnen muss, dass es Abweichungen vom Drehbuch gibt.» Alle würden sich sowieso nicht impfen lassen, sagte er. Aber er hofft, dass sich möglichst viele Aargauerinnen und Aargauer für die Impfung entscheiden. Gallati sagt: «Wenn sich 60 Prozent der Gesamtbevölkerung impfen lassen, wäre es schon ein riesiger Erfolg.»

Gallati selbst will sich auch impfen lassen. «Aber jetzt sind zuerst die älteren Damen und Herren an der Reihe.»

Pflegeheimbewohnerinnen werden direkt im Heim geimpft. Mobile Teams bringen den Impfstoff von den Spitälern in die Pflegeheime. Er wird in tiefgekühltem Zustand transportiert. Aufbereitet – also aufgetaut, mit Kochsalzlösung vermischt und in die Spritze aufgezogen – wird er erst vor Ort.

Jüngere sind bei der Impfung eher skeptisch

Neben Agatha Baumann haben sich gestern elf weitere Bewohnerinnen und Bewohner des Auhofs und zehn Mitarbeitende gegen Covid-19 impfen lassen. «Von den 14 Bewohnerinnen und Bewohner haben sich alle, bei denen aus medizinischer Sicht nichts dagegengesprochen hat, für die Impfung entschieden», sagt Auhof-Leiter Martin Schmidt. Bei den Mitarbeitenden sei die Bereitschaft etwas weniger gross, ergänzte seine Frau und Heimleiterin Anita Schmidt. «Von den unter 25-Jährigen haben sich nur etwa zehn Prozent impfen lassen, bei den über 50-Jährigen waren es 80 Prozent.»

 

Impfen lassen können sich über 75-Jährige und Risikopatientinnen auch an einem der beiden Impfzentren am Kantonsspital Aarau (KSA) oder Baden (KSB). Im Impfzentrum des KSA ist am Dienstagnachmittag ein Kommen und Gehen.

© Sandra Ardizzone

© Sandra Ardizzone

Lorly (87) und Hansruedi Lappert (88) aus Aarau haben am Montag zwei der begehrten Termine ergattern können. «Unser Sohn hat uns geholfen», erzählt Hansruedi Lappert. Er sei froh und überglücklich, dass es geklappt habe. «Vom Chaos haben wir nichts gespürt. Bei uns hat alles wunderbar funktioniert.»

© Sandra Ardizzone

© Sandra Ardizzone

Für das Ehepaar Lappert war von Anfang an klar, dass sie sich impfen lassen werden. Sie impfen sich auch immer gegen die Grippe. Lorly Lappert freut sich am meisten darauf, dass sie dank der Impfung hoffentlich bald ihren Urenkel im Arm halten kann. Sie sagt:

Obwohl die Mitarbeitenden im Impfzentrum kaum Zeit hatten, die Abläufe zu verinnerlichen, ist am ersten Impftag keine Hektik zu spüren. Die Wartenden werden begrüsst, zu einem der zwölf Plätze begleitet, aufgeklärt und dann geimpft.

© Sandra Ardizzone

© Sandra Ardizzone

Im Einsatz sind Spitalmitarbeitende, die nicht auf den Covid-Abteilungen eingesetzt werden können, Medizinstudierende oder Zivilschützer.

In einem separaten Zimmer wird der Impfstoff aufbereitet. Die Mitarbeitenden mischen den Impfstoff mit Kochsalzlösung und ziehen dann aus der Ampulle 0,3 Milliliter mit der Spritze auf. Eine Ampulle reicht für fünf Impfungen.

Die Frisch-Geimpften müssen nach dem Piks 15 Minuten auf dem Stuhl warten. So ist es vorgeschrieben – falls es doch einmal zu Komplikationen kommen sollte. Die Mitarbeitenden nutzen die Zeit, um den Patientinnen und Patienten Fragen zu stellen oder ihre Fragen zu beantworten.

© Sandra Ardizzone

© Sandra Ardizzone

«Wie lange dauert es noch?», fragt Gerhard Raudies (78) aus Egliswil. Ein Blick auf die Stoppuhr, die an jedem Platz liegt, zeigt: noch knapp drei Minuten. Auch Gerhard Raudies ist zusammen mit seiner Frau Karin (78) ins Impfzentrum gekommen. Er ist begeistert, dass alles so gut und vor allem schnell geklappt hat. Auch die beiden hoffen, dass dank der Impfung ein Stück Normalität zurückkommt. Ihnen fehlt vor allem das Reisen. In normalen Jahren seien sie oft unterwegs, sagt Gerhard Raudies.

Freude über geglückten Start – Angebot soll ausgebaut werden

Aktuell stehen in den Impfzentren erst 2500 Termine pro Woche zur Verfügung. Die Termine bis am 11. Januar sind bereits ausgebucht. Weitere Termine werden laut Mitteilung des Gesundheitsdepartements in den kommenden Tagen und Wochen kontinuierlich verfügbar gemacht.

Oberärztin Barbara Jakopp leitet das Impfzentrum des KSA. Sie freut sich über den geglückten Start. Es ist aber erst der Anfang und das Impfzentrum im Haus 3 ist dort nur vorübergehend untergebracht. Im Laufe der nächsten Wochen entsteht ein grösseres Container-Impfzentrum auf dem Spitalareal, damit – sobald genug Impfstoff verfügbar ist – auch mehr Menschen gegen Covid-19 geimpft werden können.

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