Gastrosuisse distanziert sich von «Corona-Revolte» einer unbekannten Gruppe von Gastronomen

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Die Restaurants bleiben wahrscheinlich bis Ende Februar geschlossen. © Michel Canonica

Einige Gastronomen sehen sich als Sündenböcke. Artig haben sie die Schutzkonzepte umgesetzt und trotzdem wurden ihnen die Tore ihrer Restaurants zugeschlossen. Und nun soll der Gasto-Lockdown weitere fünf Wochen verlängert werden. Da scheint einigen der Kragen geplatzt zu sein. Auf der Webseite «Wir machen auf» ruft eine nicht zu bestimmende Zahl von Wirten und Geschäftsleuten dazu auf, ihre Betriebe wieder zu öffnen. Dafür drohen allerdings hohe Bussen und Haftstrafen.

Die Webseite sieht unprofessionell aus und nimmt verschwörungstheoretische Ansätze auf: Die Übersterblichkeit und die Überlastung der Spitäler wird auf dieser obskuren Webseite angezweifelt. Angeblich sollen sich Restaurants und Geschäfte aus rund hundert Ortschaften zusammengeschlossen haben und über den Nachrichtendienst Telegram sollen sich rund 6000 Teilnehmer verbündet haben.

Gastrosuisse hält sich an die Massnahmen

Gar nichts mit der Aktion zu tun hat Gastrosuisse, die sich deutlich distanziert. Man wisse auch nicht, wer dahinter stecke. «Solche Aktionen befürworten wir nicht. Für uns ist klar, dass wir uns an die von Bund und Kantonen verordneten Massnahmen halten», hält Patrik Hasler-Olbrych, Leiter Kommunikation bei Gastrosuisse fest.

Allerdings sind auch seriöse Anbieter kritisch gegenüber den Restaurantschliessungen. Der Präsident von Gastrosuisse, Dominik Platzer hatte nach dem Schliessungsbefehl des Bundesrats Mitte Dezember geschrieben: «Es gibt keine wissenschaftlichen Grundlagen, die beweisen, dass es im Gastgewerbe zu Ansteckungen kommt und dass eine Sperrstunde im Gastgewerbe Ansteckungen verhindert.» Das Schutzkonzept der Gastronomie funktioniere. Es sei wichtig die Pandemie mit geeigneten und vernünftigen Massnahmen zu bekämpfen, nun trage der Bundesrat das Krisenmanagement aber auf dem Rücken des Gastgewerbes aus.

Woher kommen die drei Prozent?

Erwähnt wird dabei immer, dass sich nur drei Prozent der Infizierten in Gastrobetrieben angesteckt hätten. Diese Prozentzahl stammt allerdings nicht aus einer Studie, sondern nur aus einer Erhebung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Demnach haben sich Stand 9. Dezember ein Drittel über ein Familienmitglied angesteckt, bei einem weiteren Drittel ist der Ansteckungsort unbekannt. Andere Kontakte und die Arbeit sind mit 17 respektive 11 Prozent die zwei weiteren grossen Treiber, während Bar und Restaurants mit besagten 2.8 Prozent nur unter vielen rangieren.

Die Studienlage ist dünn

Die grosse Unbekannte zeigt aber vor allem, dass bis heute immer noch sehr unklar ist, wo sich die Menschen anstecken. Denn zuerst muss das Virus in die Familie kommen und dafür kommen alle auswärtigen Kontaktstellen in Frage, auch die Restaurants. Die Studienlage dazu ist weltweit dünn. US-amerikanische Studien sehen bei den Restaurants eher grosse Ansteckungsherde.

Der «Morbidity and Mortality Weekly Report» des «Centers for Disease Control and Prevention« veröffentlichte im September eine Publikation, in der Autoren einen Restaurantbesuch als wichtigen Risikofaktor für eine Sars-CoV-2-Infektion einschätzen. Eine Befragung ergab, dass Personen mit nachgewiesener Infektion in den zwei Wochen vor Erkrankungsbeginn häufiger ein Restaurant, ein Café oder eine Bar besucht hatten als nicht Infizierte. Auch einige britische Studien haben einen Einfluss von Restaurants auf das Corona-Risiko zeigen können. In der Warwick-Studie zeigte sich, dass die finanzielle Animation der Bevölkerung durch die Johnson-Regierung dazu geführt hat, dass mehr Leute ins Restaurant gingen und damit die Fallzahlen stiegen.

Durchlüftung und Disziplin sind entscheidende Faktoren

In Deutschland schreibt das renommierte Robert-Koch-Institut aufgrund seiner Untersuchungen dagegen, dass ein Restaurantbesuch mit keinem hohen Risiko verbunden sei. Vor allem weil die Menschen sich an die Schutzkonzepte halten und Masken tragen. Die Studien zeigen aber, dass Orte wie Restaurants dann zur Risikozone werden, wenn sich dort Superspreader aufhalten. Diese erkennt man aber nicht. Genau lässt sich das Risiko von Restaurant-Besuchen also nicht festmachen. Es ist abhängig von der Durchlüftung und der Disziplin des Personals und der Gäste.

Auf der sicheren Seite

Zur Zeit sind auch die Restaurants in Deutschland geschlossen, weil man wie in der Schweiz generell alle Kontakte zwischen Menschen auf ein Minimum reduzieren will, und da gehören die Gastrobetriebe auch dazu. Das Risiko einer Ansteckung in einem Restaurant ist vorhanden. Nur wer niemanden trifft, steckt niemanden an. Die seit drei Wochen geschlossenen Restaurants haben aber noch nicht zu einer Entspannung und einer Reduktion der Infektionszahlen geführt. Die Menschen haben sich wahrscheinlich im Privaten angesteckt über die Feiertage, zu Hause, wo sie keine Masken getragen haben.

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