Gilderestaurants wollen ein Zeichen für die schwierige Lage ihrer Branche setzen

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Will ein Zeichen setzen: Hannes Baumann vor seinem Restaurant «bim buume» beim Bahnhof Brittnau-Wikon. Bild: Marc Benedetti

Die Gilde Zentralschweiz ist eine Vereinigung von 35 etablierten Gastronomiebetrieben (siehe Box). Hannes Baumann vom Restaurant «bim buume» in Wikon ist Mitglied. Er und seine Kollegen haben diese Tage ihren nadelnden Weihnachtsbaum vor die Türe gestellt sowie eine Uhr, die auf Viertel nach zwölf eingestellt ist. «Uns gehen die Nadeln aus – aber der Stamm steht», lautet ihre Botschaft. «Wir wollen damit ein Zeichen setzen in der schwierigen Situation, in der die Gastrobranche momentan steckt», sagt Baumann.

Es gehe nicht ums «Klönen», sondern darum, die Probleme aufzuzeigen, fügt der bekannte Wirt hinzu. Die Situation vieler Restaurants sei dramatisch. «Wir brauchen dringend finanzielle Hilfe. Man hat uns die wichtigsten Monate im Jahr von September bis Dezember weggenommen.» Er selbst habe mindestens 40 000 Franken verloren. Nach der eingeführten Regel mit den Vierertischen habe er sehr viele Absagen erhalten. Später im Jahr wurden Bankette annulliert. Seit 22. Dezember müssen Restaurants ganz geschlossen halten. Geht es nach dem Bundesrat, soll die Schliessung bis Ende Februar verlängert werden. Baumann: «Dies, obwohl einen Tag, nachdem die Gastrobetriebe geschlossen wurden, eine Studie darlegte, dass im Privatbereich 29 Prozent aller Ansteckungen geschehen und in der Gastronomie nur deren 3,8 Prozent.»

«Lange Zeit haben wir nichts verdient. Wir erhalten zwar Kurzarbeitsentschädigung, doch 20 Prozent der Gehälter seines Personals muss ein Wirt dennoch selber aufbringen», gibt der Wirt zu bedenken. Der Monat Dezember sei der kostenintensivste Monat im Jahr – Gehälter des Personals, 13. Monatslohn, Steuern und Rechnungen. Viele Betriebe hätten bereits massive Schulden. «Die meisten können noch bis zirka Ende März durchhalten, dann wird es eine Konkurswelle geben, wenn nichts passiert.»

Bei Kantonsregierung ist Hilferuf angekommen

Die Restaurants bräuchten keine weiteren Kredite, sondern A- fonds-perdu-Beiträge, sagt Bau­mann. Bei der Luzerner Kantonsregierung ist der Hilferuf aller Gastronomen angekommen. Am 7. Januar traf sich Finanzdirektor Reto Wyss mit drei Vertretern des Verbands Gastro Luzern. Ausschlaggebend für den Meinungswechsel in der Regierung dürfte sein, dass die CVP und FDP, welche A-fonds-perdu-Beiträgen zuerst kritisch gegenüberstanden, inzwischen umgeschwenkt sind und so mit SP und Grünen in dieser Frage eine Mehrheit bilden. Baumann hofft auf die Regierung und dass diese die Gastro-Branche nun doch zusätzlich unterstützt.

Die fehlenden liquiden Mittel sind nicht das einzige Problem der Branche. Der Nachwuchs und seine Ausbildung leiden ebenfalls unter dem Lockdown. Hannes Baumann ist Präsident des Ausbildungsverbands Hotel und Gastroformation Luzern, Ob- und Nidwalden. Den Lernenden fehlten wegen des Lockdowns einige Monate praktische Ausbildung in den Betrieben. «Wie sollen sie so die Prüfung bestehen?», fragt er.

Baumann selbst will sich nach 30 Jahren Wirten im früheren «Bahnhöfli» zurückziehen. Im Frühling wird sein Restaurant schliessen. Seine Liegenschaft beim Bahnhof Brittnau-Wikon will er umbauen und Wohnungen darin realisieren. In derjenigen im Erdgeschoss wird er sich zur Ruhe setzen.

Was ist die Gilde Zentralschweiz?

Die Gilde Zentralschweiz ist eine Vereinigung von 35 etablierten Gastronomiebetrieben. Sie sind der regionale Ableger der Gilde etablierter Schweizer Gastronomen, auch bekannt als das «besondere eine Prozent der Schweizer Gastronomie». Es sind Vorzeigerestaurants vom Landgasthof bis zum Sterne-Lokal und oft Familienbetriebe. Die Mitglieder sind gelernte Köche oder zumindest Absolventen einer Hotel-Fachschule und bilden Lernende aus. Nebst «bim buume» sind in der Region das Gasthaus St. Anton in Egolzwil und der «Löwen» in Grossdietwil Mitglieder und beteiligen sich an der Aktion. (ben)

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