Lidl will um den Standort Roggwil kämpfen und macht Zugeständnisse

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Am 7. März entscheidet sich, ob das Lidl-Verteilzentrum nun doch gebaut werden kann. Bild: zvg

Direkt nach der Gemeindeversammlung vom 31. August in Roggwil schien das Lidl-Verteilzentrum, gegen das sich diverse Gemeinden der Region aufgelehnt hatten, Geschichte zu sein. Denkbar knapp lehnten die Stimmbürger die nötige Zonenplanänderung ab, klar entgegen dem Wunsch der Gemeinde Roggwil.

Im Nachgang zur Gemeindeversammlung wurden aber plötzlich Stimmen laut, welche die Rechtlichkeit der Gemeindeversammlung anzweifelten. Stimmbürger seien wieder nach Hause gegangen, als sie die schiere Menschenmasse in der Turnhalle sahen, um sich nicht dem Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 auszusetzen. Tatsächlich gingen beim Regierungsstatthalteramt Oberaargau mehrere Stimmrechtsbeschwerden gegen die Abstimmung ein, die mit 238 Ja- zu 245 Nein-Stimmen ausging.

Detailhändler hat Standort erneut überprüft

Auf die Möglichkeit einer zu wiederholenden Abstimmung angesprochen sagte Corina Milz, Head of Corporate Communication bei Lidl, am 30. Oktober gegenüber dem Zofinger Tagblatt: «Lidl akzeptiert den Entscheid vom 31. August. Sollte der Standort Roggwil jedoch wieder in Frage kommen, sind wir grundsätzlich weiterhin interessiert und prüfen die Sachlage dann erneut.»

Da das Regierungstatthalteramt Oberaargau den Stimmrechtsbeschwerden stattgegeben hat und es nun zu einer Wiederholung der Abstimmung kommt – voraussichtlich am 7. März –, hat sich die Ausgangslage dahin gehend geändert, dass Lidl den Standort Roggwil erneut überprüft hat. Gestern Dienstag veröffentlichte der Detailhändler schliesslich eine Medienmitteilung, dass Lidl nach wie vor am Standort Roggwil interessiert ist und bei einer allfälligen Annahme der Zonenplanänderung im Gebiet Brunnmatt sein Verteilzentrum bauen will.

Um den Roggwilern das Projekt schmackhaft zu machen, ist Lidl sogar bereit, massive Zugeständnisse zu machen und Anpassungen am Projekt vorzunehmen. Filialen, die mehr als 90 Kilometer von Roggwil entfernt sind, sollen per Bahn beliefert werden. Dazu soll der Freiverlad in Roggwil genutzt werden. Weiter soll 1 Million Franken in die Verkehrssicherheit in Roggwil investiert werden. Wo das Geld zum Einsatz kommt, liege in der Hand der Gemeinde. Im Dorf soll zudem ein Lotsendienst die Sicherheit des Schulwegs erhöhen. Lidl will den Lotsendienst jährlich mit 30 000 Franken unterstützen. Zusätzlich wird sichergestellt, dass zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr keine LKWs zur Filialbelieferung das Lidl-Gelände verlassen. Der Bau einer leistungsstarken Photovoltaikanlage auf dem Dach soll das Erreichen der langfristigen CO2-Ziele unterstützen. Zu guter Letzt soll der Verkehr um 20 Prozent reduziert werden. Das erreicht Lidl durch einen Ausbau des Standorts Weinfelden. Selbst in 15 bis 20 Jahren, wenn das Verteilzentrum voll ausgelastet sein dürfte, würden die 450 LKW-Fahrten pro Tag – als durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke anzusehen – genügen.

Auch wenn 15 bis 20 Jahre ein weit entfernter Zeithorizont sind, würden die 450 Fahrten pro Tag auch dann ausreichen, sagt Mathias Kaufmann von Lidl. Daten und Erfahrungswerte mit den beiden anderen, bereits bestehenden Regionalgesellschaften in Weinfelden und Sévaz, würden dies verdeutlichen. «Die Verminderung des Verkehrs kann im Übrigen erst jetzt kommuniziert werden, da das Baugesuch für den Ausbau erst im Dezember erteilt wurde», so Kaufmann.

Zückerchen sollen Projekt schmackhaft machen

Auch sonst ist Lidl bemüht aufzuzeigen, weshalb die Roggwiler die Zonenplanänderung annehmen sollen. Als oberstes Zugpferd dienen die Steuerabgaben. So soll Lidl, wenn denn das Verteilzentrum zustande kommt, einen siebenstelligen Beitrag in das Steuerkässeli der Gemeinde spülen. Im Freiburgischen Sévaz konnten so die Steuern massiv gesenkt werden, als dort ein Verteilzentrum eröffnet wurde. Zudem will Lidl die Altlasten auf dem Brunnmatt-Areal beseitigen und dafür einen zweistelligen Millionenbetrag locker machen.

Lidl will aber nicht nur Altlasten entsorgen und Steuergelder in die Kasse spülen, auch über 200 neue Arbeits- und Ausbildungsplätze sollen entstehen. Zu guter Letzt würde auch das lokale Gewerbe vom Verteilzentrum profitieren, da Lidl wann immer möglich lokale Dienstleister einbinden will.

Ob diese Gründe den Roggwilern ausreichen, um die Zonenplanänderung anzunehmen, wird sich wohl am 7. März zeigen.

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