FCA-Captain Elsad Zverotic: «Von Magath wurde ich wie Ware behandelt»

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FCA-Captain Elsad Zverotic geht ins letzte Halbjahr als Profi. (Bild: freshfocus)

Er hat es wegen Corona vermieden wie sonst die Festtage mit der Familie in Dubai zu verbringen – und dann fällt er vor dem ersten Training im neuen Jahr positiv aus. Elsad Zverotic hat die Ansteckung symptomfrei überstanden, nun freut sich der Captain des FC Aarau auf den Wiederbeginn der Meisterschaft in einer Woche. Der 34-Jährige steht vor dem letzten Halbjahr einer langen Profikarriere (u. a. 61 Länderspiele für Montenegro), wie bei allen Vereinen hat er auch den FCA-Fans mit seinem Kämpferherzen imponiert. Ewig in Verbindung wird sein Name auch mit dem 2. Juni 2019 stehen, dem Tag, an dem Zverotic in der Barrage gegen Xamax als einziger Aarauer vom Penaltypunkt gescheitert ist.

Angenommen, Aarau qualifiziert sich im Frühling wieder für die Barrage: Würden Sie im Penaltyschiessen antreten?

Elsad Zverotic: Ja, klar – warum nicht?

Seit ihrem Fehlschuss gegen Xamax sind Sie nie mehr vom Punkt angetreten ...

Baggio, Schweinsteiger, Pirlo – viele grosse Spieler haben wichtige Penaltys verschossen (lacht).

Haben Sie sich jemals Vorwürfe gemacht, schliesslich haben alle anderen Aarauer ihre Penaltys verwandelt?

Ich werfe mir nur vor, dass ich in die linke Ecke statt wie vorher immer nach rechts geschossen habe. Ein schlechtes Gewissen? Nein, wir haben den Aufstieg nicht im Penaltyschiessen vergeben. Aber es war neben der verlorenen EM-Barrage mit Montenegro im November 2011 gegen Tschechien die grösste Enttäuschung meiner Karriere.

Sie hatten einen Weinkrampf. So traurig die Bilder – haben Sie auch gezeigt, dass Ihnen Aarau ans Herz gewachsen ist?

Das mit mir und Aarau ist seit dem ersten Tag speziell: Wie mich die Menschen hier, erst die Spieler, dann das Umfeld und die Fans, aufgenommen haben, war aussergewöhnlich, die Verbindung ist jeden Tag stärker geworden. Dazu kam das emotionale Auf und Ab, drei Tage vor besagtem 2. Juni waren wir gefühlt aufgestiegen, nach einer Saison, in der wir nach sechs Spielen als Absteiger ausgelacht wurden. Und es war das erste Jahr, in dem mein Sohn verstanden hat, dass der Papa unten auf dem Platz steht. Er ist ein riesiger FCA-Fan geworden, auf Youtube schaut er sich ständig ein Video vom Aufstieg 2013 an und singt «Aufsteigerjungs, Aufsteigerjungs».

Wer weiss, vielleicht wird das Lied Ende dieser Saison wieder Wirklichkeit. Ist der Aufstieg das Ziel zum Karriereende im Sommer?

2018 bin ich nach Aarau gekommen, um so schnell wie möglich aufzusteigen. Bislang hat das leider nicht geklappt, aber eine Chance habe ich noch. Nach unseren bisherigen Leistungen liegt der Aufstieg in dieser Saison drin und wäre wunderschön. Doch man muss sich immer bewusst sein, dass wir im vergangenen Sommer einen grossen Umbruch hatten und mit einer extrem jungen Mannschaft spielen. Das Saisonziel ist und bleibt die obere Tabellenhälfte. Auch ohne Aufstieg bin ich stolz auf meine Karriere, was bis im Sommer noch kommt, ist Zugabe.

Ich behaupte: Ihr Ehrgeiz ist echt, im Unterschied zu anderen Spielern mit klingenden Namen, die gegen Ende der Karriere in die Challenge League gehen, um noch ein bisschen Geld zu verdienen.

Über die Beweggründe anderer will ich nicht spekulieren. Fakt ist: 2018 hatte ich finanziell bessere Angebote und hätte seither in jedem Sommer wechseln können. Aber das kam nicht in Frage, weil wir uns als Familie in der Region Aarau wohlfühlen und hier ein Haus gekauft haben. Hätte ich keinen Spass und keinen Ehrgeiz mehr, würde ich schon lange nur noch mit meinem Sohn im Garten kicken.

Sie hören also auf, weil Sie merken, dass Spass und Ehrgeiz nächste Saison nicht mehr gegeben wären?

Ich wollte unbedingt selber über das Karriereende entscheiden und nicht zum Aufhören gezwungen werden, weil mich kein Verein mehr will. Mein Vertrag läuft eigentlich bis 2022 – aber was wäre nächste Saison? Altershalbe Verletzungen? Werde ich die Ansprüche des Trainers und die an mich selber noch erfüllen können? Ich bin mir seit vergangenem Sommer bewusst, dass 2021 Schluss sein könnte.

Welche Rolle hat gespielt, dass Sie nach dem dritten Spieltag vier Partien auf der Bank begonnen haben und seither nicht mehr im Zentrum, sondern auf der scheinbar unwichtigeren Position hinten links spielen?

Ich habe vor Saisonbeginn alles einberechnet – auch, dass ich nicht mehr jedes Spiel von Anfang an bestreite. Ob hinten links oder im Zentrum? Das ist mir egal, zum Ende der Karriere geht es mir nur noch darum, wo ich dem Team am meisten helfen kann und nicht darum, mich ins beste Licht zu stellen. Abgesehen davon spüre ich, dass ich für meine Teamkollegen immer noch sehr wichtig bin.

Entscheidend ist aber, ob das auch der Trainer so sieht ...

Am Anfang hat mir die Ersatzbank wehgetan und mich im Stolz getroffen, vor allem, weil es völlig unerwartet kam. Ich habe einige Tage für mich gebraucht und bin dem Trainer aus dem Weg gegangen, danach hatten Stephan Keller und ich ein offenes und gutes Gespräch. Er erwartet zu Recht bessere Leistungen von mir als in den ersten drei Spielen. Rückblickend hat mir die Pause gutgetan, mental und körperlich. Jetzt, wo ich weiss, wie es im Sommer weitergeht, bin ich total befreit.

Nochmals die Frage: Wie fest hat Ihre temporäre Ersatzrolle den Entscheid beeinflusst, im Sommer aufzuhören?

Man darf solche Situationen nicht überbewerten, schon gar nicht dürfen sie eine so grosse Entscheidung wie das Karriereende beeinflussen. Ich hatte mal einen Trainer, der sagte mir in der Sommervorbereitung, dass ich in seinen Planungen keinen Platz hätte. Zwei Monate später war ich einer seiner wichtigsten Spieler. Fussball ist immer eine Momentaufnahme.

Stephan Keller ist der 24. und wohl letzte Trainer Ihrer Karriere. Auf der Liste stehen Promis wie Felix Magath, Christian Gross und Sion-Präsident Christian Constantin, der sich 2016 für zwei Spiele zum Trainer machte. Erzählen Sie aus Ihren Memoiren!

Den Wechsel zu YB habe ich im Frühjahr 2011 mit Gross’ Vorgänger Vladimir Petkovic ausgehandelt, ehe dieser entlassen wurde. Vor einem Länderspiel im darauffolgenden Sommer in Montenegro hat mich plötzlich Christian Gross angerufen, er wolle nach Podgorica kommen, ob ich ihm ein Ticket besorgen könne. Ich spielte sehr schlecht und hatte Bammel vor dem anschliessenden Nachtessen. Aber Gross sagte nur, er sei gekommen, um sich vorzustellen und mitzuteilen, dass ich in Bern ein wichtiger Spieler für ihn sein werde. Das hat mich schwer beeindruckt, er war damals DER Schweizer Trainer. Wir haben bis heute Kontakt.

Und wie war es unter Felix Magath beim FC Fulham?

Knallhart! Von ihm wurde ich nicht wie ein Mensch, sondern wie Ware behandelt. Er sagte, er wolle den Abstieg aus der Premier League mit Spielern verhindern, die er kenne und dazu gehöre ich nicht. Als wir abgestiegen sind und ich danach um einen Wechsel bat, hat er dies grundlos verweigert. Ich musste mit vier anderen Spielern separat trainieren, ehe wir aus dem Nichts wieder eingesetzt wurden. Als dieses Spiel dann auch verloren ging, musste Magath gehen. Und dann kam im Januar 2015 das Angebot von GC ...

GC? Sie sind damals nach Sion gewechselt!

Stimmt, aber alles deutete auf GC hin. Ich war schon für die Verhandlungen in Zürich. Christian Constantin hatte Wind davon bekommen, meinen Berater angerufen und gesagt, wir sollen umdrehen, er lasse mich mit dem Privatjet in Kloten abholen. Noch am gleichen Tag haben wir uns in Sion geeinigt.

Und nun werden Sie im Sommer vom Spieler zum Scout. Warum gerade Scout?

Es war schon länger angedacht, dass ich nach der Aktivkarriere in anderer Funktion beim FCA bleibe. Der Präsident und der Sportchef haben mir angeboten, im Sommer das Scouting zu übernehmen, diese Chance muss ich packen. Ich habe in meiner Karriere etliche Kontakte in die ganze Welt geknüpft, diese sollen in Zukunft dem FCA bei der Suche nach Talenten zugutekommen.

Ein talentierter junger Spieler wird wohl bessere Angebote bekommen als jenes vom FCA. Wie wollen Sie den Spieler von Aarau überzeugen?

Indem ich ihm aus eigener Erfahrung versichere, dass die Schweiz das ideale Sprungbrett für den Sprung in eine Topliga ist. In Aarau ist ein Spieler nicht nur eine Nummer, hier wird man gut behandelt und bekommt Vertrauen. Das bringt dem jungen Spieler auf Dauer viel mehr als das schnelle Geld.

Bereits erstes Spiel im neuen Jahr verschoben

Der FC Aarau absolviert sein erstes Pflichtspiel im Jahr 2021 nicht wie geplant am 22. Februar, sondern einen Tag später. Grund: Gegner FC Wil befindet sich seit dem 13. Januar und noch bis 19. Januar in Quarantäne, nachdem drei Spieler positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Damit Wil-Coach Alex Frei seine Mannschaft wenigstens drei Tage beisammen hat, wurde der Antrag auf die Verschiebung auf den 23. Januar von der Liga gutgeheissen. Das zweite und letzte Vorbereitungsspiel bestreitet der FC Aarau heute Nachmittag gegen die Berner Young Boys.

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