«Was, wenn der Chef mich zwingt, ins Büro zu kommen?» Die wichtigsten Antworten zur Homeofficepflicht

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Büro gesperrt: Bis Ende Februar gilt eine Homeofficepflicht. © Gaëtan Bally/ Keystone

1. Ist das Homeoffice eine Empfehlung oder eine Pflicht?

Gemäss der neuen Covid-19-Verordnung ist Homeoffice eine Pflicht, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens muss Homeoffice aufgrund der Art der Aktivität möglich sein. Sehr pauschal ausgedrückt geht es um Büroarbeit. Wenn die Tätigkeit an Maschinen oder Menschen erfolgt, ist Homeoffice natürlich nicht möglich. Zweitens muss die Umsetzung des Homeoffice für den Arbeitgeber mit einem verhältnismässigen Aufwand verbunden sein.

2. Verhältnismässiger Aufwand ist sehr vage. Was heisst das genau?

Die vage Formulierung lässt in der Tat gewissen Spielraum offen. Wenn ein Arbeitgeber die ganze IT-Infrastruktur zügeln müsste, ist das wohl nicht mehr verhältnismässig. Wenn die Arbeit zum Beispiel nur möglich ist mit Zugriff auf Server und diese Installationen nicht vorhanden sind, muss auch geprüft werden, ob dies so rasch überhaupt realisierbar ist und mit welchen Kosten zu rechnen wäre. Aber das ist eben eine Frage der Definition. Das Problem ist, dass die Verordnung brandneu ist, und die praktischen Fragen, die sich daraus stellen, noch nicht alle restlos geklärt sind. Gerichtspraxis gibt es selbstredend noch keine dazu. Wichtig ist deshalb, dass Arbeitnehmer und Unternehmer gesunden Menschenverstand walten lassen.

3. Konkret: Ich habe zwar einen Laptop, aber keinen Extrabildschirm. Kann ich von meinem Arbeitgeber verlangen, dass er mir einen Bildschirm zur Verfügung stellt?

Braucht es für die Tätigkeit beispielsweise verschiedene Bildschirme, könnte es gemäss Aussagen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) unverhältnismässig sein, die ganze IT-Infrastruktur nach Hause zu zügeln. Kann die Arbeit also ohne verhältnismässig grossen Aufwand nicht zu Hause ausgeführt werden, bleibt es bei der Arbeit im Büro. Dann steht aber wiederum der Arbeitgeber in der Pflicht, dass die Schutzmassnahmen vor Ort greifen. Neu gilt zum Schutz von Arbeitnehmenden in Innenräumen überall dort eine Maskenpflicht, wo sich mehr als nur eine Person in einem Raum aufhält. Ein grosser Abstand zwischen Arbeitsplätzen im gleichen Raum genügt nicht mehr.

Zur Person

Leena Kriegers-TejuraLeena Kriegers-Tejura ist Fachanwältin SAV Arbeitsrecht und Partnerin bei Morad Bürgi & Partner in Zürich. Daneben ist sie Dozentin an diversen Erwachsenenbildungsinstituten.

Leena Kriegers-Tejura

Leena Kriegers-Tejura ist Fachanwältin SAV Arbeitsrecht und Partnerin bei Morad Bürgi & Partner in Zürich. Daneben ist sie Dozentin an diversen Erwachsenenbildungsinstituten. © CH Media

4. In der Verordnung heisst es, der Arbeitgeber schulde keine Auslagenentschädigung. Was bezahlt der Arbeitgeber also nicht?

In normalen Zeiten regeln der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, ob die Firma etwa einen Teil der Strom- oder Mietkosten übernimmt, wenn Homeoffice verrichtet wird. Diese Auslagenentschädigungen hat der Bund in der Verordnung ausgeschlossen, weil die Homeofficepflicht nur begrenzt gilt, vorerst bis Ende Februar 2021.

5. Wie sieht es mit Auslagen für Papier und Druckerpatronen aus?

Der Bund nennt in seinen Erläuterungen ausdrücklich Strom und Miete, die ohnehin anfallen, die nicht bezahlt werden müssen. Effektive Auslagen, die eigens wegen Homeoffice zu Hause anfallen, wie z.B. Papier und Druckerpatronen, spricht die Verordnung nicht an. Wenn der Arbeitnehmer extra Papier kaufen muss, tätigt er eine effektive Auslage und kann das Geld meines Erachtens vom Arbeitgeber zurückfordern. Würde der Arbeitnehmer im Büro arbeiten, müsste er diese Kosten ja auch nicht bezahlen. Auch hier gilt: Es braucht gesunden Menschenverstand.

6. Ich arbeite auch sonst im Homeoffice und habe mit meinem Arbeitgeber eine Abmachung zu Entschädigungen. Ist diese nun obsolet?

Wenn bereits eine Homeofficevereinbarung besteht, welche die Kostenfrage regelt, gilt diese weiterhin.

7. Ich habe ein Einzelbüro. Darf mein Arbeitgeber von mir verlangen, dass ich ins Büro komme?

Gemäss der aktuellen Rechtslage gilt tatsächlich wo immer möglich eine Homeofficepflicht. Das heisst, der Arbeitgeber darf den Arbeitnehmer nicht ins Büro zitieren, nur weil ein Einzelbüro vorhanden ist. Präsenz im Büro ist dort erlaubt, wo Homeoffice nicht umsetzbar ist.

8. Und umgekehrt: Ich habe ein Einzelbüro und arbeite lieber dort als zu Hause. Darf ich ins Büro gehen?

Wenn die Arbeit zu Hause nicht verrichtet werden kann, z.B. aufgrund der Wohn- oder Familiensituation, mag dies ein Grund dafür sein, dass Homeoffice in diesem konkreten Fall nicht umsetzbar ist. Wenn der Arbeitnehmer unter diesen Umständen bereit ist, ins Büro zu gehen, und der Arbeitgeber alle Schutzmassnahmen trifft, sollte das meines Erachtens möglich sein. Die Idee dieser Massnahme ist, dass möglichst viele Leute sich nicht mehr gross bewegen und den ÖV nicht nutzen. Wenn noch vereinzelte Personen mit einer guten Begründung doch noch ins Büro gehen, müsste das akzeptiert werden können.

Will der Arbeitnehmer ohne vernünftigen Grund unbedingt ins Büro, scheint mir das aufgrund der epidemiologischen Lage eher nicht akzeptabel.

9. Was sollen Arbeitnehmer tun, wenn der Arbeitgeber sie zwingt, ins Büro zu kommen, obschon Homeoffice möglich wäre?

Die Arbeitnehmer sollen das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und ihm erklären, dass er die Covid-19-Verordnung des Bundes verletze.

10. Und was ist, wenn der Arbeitgeber nicht einlenkt?

Darauf gibt es keine generelle Antwort. Die Frage ist, was der Arbeitgeber macht, wenn sich ein Arbeitnehmer weigert, ins Büro zu gehen. Je nachdem, wie der Arbeitgeber reagiert, müssen die nächsten Schritte geprüft werden.

11. Wie werden Risikopersonen geschützt?

Sie haben Anrecht auf Homeoffice oder einen gleichwertigen Schutz am Arbeitsplatz. Ist dies nicht möglich, müssen sie beurlaubt werden. Sie erhalten aber weiterhin den vollen Lohn; dafür gibt es den Corona-Erwerbsersatz.

12. Was gilt für Leute, die eine neue Stelle anfangen? Haben sie das Recht, noch vor Ort eingeführt zu werden?

Ich würde diese Frage verneinen. Falls eine Instruktion notwendig ist, soll diese wenn immer möglich online erfolgen.

13. Gilt die Stempelpflicht auch im Homeoffice?

Zwar kann man zu Hause nicht stempeln, die Arbeitszeit ist dennoch zu erfassen.

14. Muss ich für meinen Arbeitgeber immer erreichbar sein?

Nein, das wäre zu viel verlangt und ist wohl bei Präsenz im Büro auch nicht so. Der Arbeitgeber darf den Arbeitnehmer nicht überwachen. Möglich ist aber, dass fixe Zeiten abgemacht werden, wo der Arbeitnehmer erreichbar sein muss.

15. Hat der Arbeitnehmer Anrecht auf Pausen?

Ja, das Arbeitsgesetz mit den Arbeits- und Ruhezeiten gilt auch im Homeoffice. So darf man auch nicht nachts oder am Sonntag arbeiten.

16. Mein Arbeitgeber verlangt von mir, dass ich ihm jeden Tag rapportiere, was ich gearbeitet habe. Darf er das?

Ja, solange die Kontrolle nicht schikanös ist. Es geht darum, den Kontakt mit dem Arbeitnehmer aufrechtzuerhalten und letztlich auch die Aufträge zu verwalten. Im Büro darf der Arbeitgeber schliesslich auch fragen, mit welchen Arbeiten der Arbeitnehmer beschäftigt ist und wie weit diese fortgeschritten sind.

17. Auf was muss ich beim Umgang mit vertraulichen Dokumenten im Homeoffice achten?

Der Datenschutz und die Geheimhaltungsregeln gelten auch im Homeoffice. Vertrauliche Dokumente darf man nicht etwa auf dem Küchentisch liegen lassen oder vertrauliche Telefongespräche im Garten führen (was zum jetzigen Zeitpunkt wohl kaum der Fall sein wird…).

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Ins Büro müssen, obwohl ich Risikoperson bin

Mirco D'Amico
schrieb am 14.02.2021 11:47
Ist es rechtens, dass ich für eine Woche ins Büro muss (bis jetzt war ich im Homeoffice), obschon ich als Risikoperson mit entsprechendem Zeugnis gelte, und dies nur, damit ich das Büro hüten kann, weil mein Arbeitskollege nun eine Woche abwesend sein wird und obschon es andere Mitarbeiter gäbe, die das Büro hüten könnten?
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