Mit einem offenen Ohr für die trauernden Angehörigen

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Abschiedsfeiern finden bei jedem Wetter, auch bei Schneefall statt. Isidor Affentranger in seinem tief verschneiten Garten. Bild: lbr

Aktives Zuhören, da sein für die Angehörigen und Freunde. Das sei die wichtigste Tätigkeit eines Trauerbegleiters, sagt Isidor Affentranger. Der 68-jährige Zofinger übt diese Funktion aus, seit er 2017 als Leiter des Alterszentrums Eiche in Dagmersellen pensioniert wurde. «Die erste Anfrage, eine Abschiedsfeier zu gestalten, habe ich an meinem letzten Arbeitstag bekommen», sagt er. Seither begleitet er immer wieder Familien auf ihrem Trauerprozess und gestaltet Abschiedsfeiern. Ein wichtiger Punkt dabei sei die Würdigung des Verstorbenen. Er spricht absichtlich nicht vom Lebenslauf. «Jeder Mensch hat eine Würdigung verdient.» Dafür sitzt Affentranger mit den Angehörigen zusammen und hört zu, wie sie Geschichten vom Verstorbenen erzählen. Dies sei ein wichtiger Prozess, um Abschied zu nehmen. «In den ersten Stunden nach dem Verlust erzählen die Angehörigen Dinge, die sie Tage später nicht mehr erzählen würden», sagt Affentranger.

Rituale helfen beim Abschiednehmen

Isidor Affentranger ist Trauerbegleiter mit Zertifikat. Er hat sich entsprechend weitergebildet und tauscht sich auch jetzt noch regelmässig mit Kollegen aus. Doch das Gespür für die Wünsche und Bedürfnisse der Angehörigen konnte ihm keine Ausbildung vermitteln. Dieses Gespür hat er sich während seiner Zeit als Heimleiter angeeignet und ist Teil seiner Lebenserfahrung geworden. «Mir war es als Heimleiter wichtig, für die Angehörigen anwesend zu sein», sagt er. Damals, so erzählt er, habe er die verstorbene Person persönlich gekannt. Jetzt lerne er sie erst durch die Erzählungen der Angehörigen kennen. Für das Schreiben der Würdigung nimmt er sich gerne Zeit, überarbeitet alles und lässt sich von einem aussagekräftigen Foto, das ihm die Angehörigen geben, inspirieren. Für die Abschiedsfeier greift Isidor Affentranger auch auf Rituale zurück, beispielsweise Kerzenrituale. So werden zu Beginn der Feier Kerzen angezündet. Das Licht begleitet die Abschiednehmenden dann während der ganzen Zeremonie. Dass Isidor Affentranger dabei nicht irgendwelche Kerzen verwendet, sondern sowohl die Kerzenfarbe als auch die Kerzenform auf die verstorbene Person abstimmt, ist selbstverständlich. Auch sonst soll jedes Detail der Feier stimmen. Wenn ihre Lieblingsfarbe für eine verstorbene Person besonders wichtig war, schreibt er die Würdigung auch mal auf Papier in dieser Lieblingsfarbe.

Letzte Erinnerungen an die verstorbene Person

Aufgrund von Corona seien viele Rituale nicht mehr möglich, erzählt Isidor Affentranger. Angefangen bei der Trauerfeier, die nun einer Personenbeschränkung unterliegt, bis hin zum Leidmahl, das nicht stattfinden darf. «Doch das Leidmahl ist ein wichtiger Teil des Abschiedsprozesses: Zusammensitzen, sich Geschichten erzählen und sich so an die verstorbene Person erinnern, das ist wichtig», sagt Affentranger. Er ermuntert die Trauerfamilie in so einem Fall, das Leidmahl zu verschieben, sich in einem Jahr wieder zu treffen und dann das Essen nachzuholen. Doch auch hier gibt es ganz individuelle Lösungen. Kürzlich beispielsweise gab es anstelle eines Leidmahls am Ende der Abschiedsfeier eine kleine Wegzehrung – zusammen mit einer Engelsfigur, die an die Grosszügigkeit der verstorbenen Person erinnerte.

Viele verzichten im Moment auf eine Abschiedsfeier

Auch wenn im Moment die Todesanzeigen-Seiten in der Zeitung voll sind und die Bestattungsinstitute alle Hände voll zu tun haben, stauen sich bei Isidor Affentranger die Anfragen für Trauerfeiern nicht. Das hat zwei Gründe: Einerseits verzichten viele Angehörige im Moment auf eine Bestattung und hoffen auf bessere Zeiten, in denen man sich wieder treffen und umarmen darf. Andererseits nimmt Isidor Affentranger nicht alle Anfragen an. Als er im vergangenen Jahr im Alterszentrum Eiche Zentrumsleiter ad interim war, musste er schweren Herzens auch Anfragen negativ beantworten. Denn er möchte genügend Zeit haben, sich vorzubereiten, die Trauerfeier mit allen Ritualen zu planen und so allen gerecht zu werden: den Angehörigen und den Verstorbenen.

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