Uniformierte, Zelte, Absperrgitter: Ein Spaziergang zwischen Geimpften und Getesteten in Aarau

Impfzentrum_ksa.jpg
Das Impfzentrum (noch im gelben Haus 3) samt Wartezone im Zelt. © uhg

«Moment.» Die Frau bleibt stehen, kramt in der Handtasche. Ihre Begleitung zieht fragend die Augenbrauen hoch. Die Frau entknittert ein Papier. «Der Arealplan», erklärt sie. «Demit mer chöne luege, wo mer dure müend.» Es dauert noch einen Moment, bis die beiden den Plan richtig deuten, die Begleitung schaut zwischenzeitlich besorgt auf die Armbanduhr. Aber es eilt nicht, offensichtlich. Das Suchen war einkalkuliert. Sie sind rechtzeitig gekommen. 

Wer aktuell über das Areal des Kantonsspitals Aarau (KSA) spaziert, dem fällt auf: Es ist anders als sonst. Älter, aufgeregter, unsicherer, schweigsamer. Und da stehen Uniformierte, Zelte, Absperrgitter, Tafeln und Plakate. Nirgends in der Region ist Covid-19 sichtbarer als auf diesen Aren, diesem eigentlichen Spital-Dorf, so gross wie die Aarauer Altstadt.

Die Suchenden in den Autos mit den tiefen Nummern

Es sind die beiden alten Chirurgien, die im Mittelpunkt stehen. Haus 26 beim Notfall, dereinstige «Chirurg. Frauen Pavillon», das Testzentrum. Und Haus 3 oberhalb der Nordallee, die Klinik für Chirurgie, das Impfzentrum. Wer aktuell auf dem Gelände unterwegs ist, strebt das eine oder das andere an. Und es ist nicht so, dass man den Arealplan ausgedruckt mitbringen müsste, eigentlich wäre alles angeschrieben und ausgeschildert. Aber man kennt das, es ist der Ich-kann-die-Butter-im-Kühlschrank-nicht-finden-Moment. Das kann passieren. Und die Aufregung macht das alles auch nicht besser. 

Ein Moment zum Erzählen

Und was ist das für eine Aufregung! Noch nicht einmal die Ältesten unter den über 75-Jährigen, die sich impfen lassen können, haben eine solche Aktion je erlebt. Eine Impfung gegen ein heimtückisches Virus, mit Auswirkungen, die sich keiner so hat träumen lassen. Ein erster Pieks, ein bislang recht exklusiver, womöglich lebensrettender Moment. Ein Moment zum Erzählen.

Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige

Und dafür kommen sie hierher, die Damen und Herren, aus allen Teilen des Kantons. Kommen angefahren mit ihren Autos mit Nummernschildern im tiefstmöglichen Bereich, und man glaubt manchen anzusehen, dass es die wohl längste und aufregendste Fahrt seit Monaten, vielleicht seit Jahren war, diese Fahrt in die Stadt, starr und vorgebeugt wie sie hinter dem Lenkrad sitzen und vergeblich nach einem Parkplatz sperbern. Das Gute: Es pressiert nicht. Diese Herrschaften kommen zeitig, Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige.

«Aber nume ned jufle!»

Und dann wandern sie herum, es dauert ja noch bis zum Termin. Kaffeetrinken geht ja nicht, also bummeln über die schwarzgeräumten Spazierwege, kreisen vor Haus 3 und den Partyzelten, den Wartezonen. Die meisten kommen allein, manche zu zweit, viele Ehepaare Hand in Hand, die meisten schweigsam.

«Was bauets ächt do?», fragt einer seine Gattin bei der Baustellenabsperrung schräg vor Haus 1 und sie zuckt mit den Schultern. Ein anderer, auf dem Weg zum Parkhaus, krallt sich an den Arm seiner Frau. «Wen i laufe, gohts besser», sagt er. Und sie sagt: «Denn laufe mer. Aber nume ned jufle!»

Ein Einziger steht da ohne Maske, inmitten all der Maskierten

Ob sie froh sind, die Geimpften? Erleichtert? Etwas neben der Spur? Man weiss es nicht, man siehts ja nicht. Und doch kann man sich der Denkerei nicht erwehren, denkt sich dies und das und schlägt Bogen umeinander. Man weiss ja doch nicht, ob der Entgegenkommende nun zum Impfen oder Testen muss, ob er nun Haus 3 oder 26 ansteuert.

Der grinsende Schneemann vor dem Testzentrum.

Der grinsende Schneemann vor dem Testzentrum. © uhg

Ein Einziger steht da ohne Maske, inmitten all der Maskierten. Ein Schneemann mit breitem Grinsen, die dürren Arme wie zu einer Umarmung ausgestreckt. Man würde ja gern. Aber was würden die andern denken.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
Keine Kommentare vorhanden
Heute auf zofingertagblatt.ch
Frage des Tages
Marktplatz
regiostellen.ch
avec Zofingen
Verkäufer/innen und Schichtführer/innen 100% , Mitarbeiter, Zofingen
agon-sports AG
Servicetechniker Fitnessgeräte, Mitarbeiter, Zofingen
agon-sports AG
Mitarbeiter Lager und Versand (m/w), Mitarbeiter, Zofingen
Abteilungsleiter/Produktionsle, Mitarbeiter,
Flury-Emch Gartenbau AG
Landschaftsgärtner vorarbeiter, Mitarbeiter,
Sanitär- / Heizungsinstallateu, Mitarbeiter,
regioimmo.ch
Abo-Service

Normal-Abo (e-Paper/Digital inkl.)

Schnupper-Abo / Probe-Abo

Digital-Abo

Leserangebote
Partner