Hausärzte fühlen sich übergangen – und fordern mehr Geld für Corona-Impfung

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Der Zürcher Hausarzt Josef Widler verimpft den Moderna-Impfstoff. © KEYSTONE

Am Dienstag ging es los für Josef Widler. Die Zürcher Kantonsapotheke hat 100 Dosen des Moderna-Impfstoffs in seine Praxis geliefert. Wenig später setzte er den ersten Piks. Widler ist einer von 165 Hausärzten im Kanton, die ihre Hochrisiko-Patienten seit dieser Woche gegen Covid-19 impfen. Neben Zürich setzen auch diverse andere Kantone auf die Hausärzte, um die Mammutaufgabe Corona-Impfungen über die Bühne zu bringen. In St. Gallen etwa treffen die ersten Impfstoff-Dosen nächste Woche in den Praxen ein.

Widler, der für die CVP im Zürcher Kantonsrat sitzt, hat sich gefreut, dass es endlich losgehen konnte. Gleichzeitig ärgert er sich darüber, wie er für die Covid-19-Impfungen entschädigt werden soll. Die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) und die Krankenkassen haben sich vor Weihnachten auf eine Pauschale von 14 Franken 50 pro Impfung geeinigt. Diese gilt für Impfungen in Zentren, aber auch für Arztpraxen. Letzte Woche hat der Bundesrat den entsprechenden Tarifvertrag genehmigt.

Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich

Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich © KEYSTONE

Das, sagt Josef Widler, sei viel zu wenig, ein «Massenimpfungstarif», der für die Hausärzte nicht kostendeckend sei. «Ich muss meine Patienten auswählen, sie beraten, ihre Daten erfassen, sie impfen und danach überwachen», sagt er. Die Pauschale reiche da niemals aus. «Wenn man auf das Wissen der Ärzte bauen will, muss man sie auch entsprechend entlöhnen», sagt Widler. Seine Hoffnungen ruhen nun auf Nachverhandlungen, die zwischen dem Ärzteverband FMH, dem Bund, der GDK und den Krankenkassen laufen.

Die Ärzte fühlen sich übergangen

«Es braucht eine deutliche Erhöhung der Pauschale», sagt Widler, der die Zürcher Ärztegesellschaft präsidiert. Auch in anderen Kantonen ist man verärgert über die Impf-Pauschale. Aldo Kramis praktiziert in Luzern. Er ist Co-Präsident des Verbands Deutschschweizer Ärztegesellschaften. Er sagt, die Ärzte seien bei den Verhandlungen übergangen worden.

Aldo Kramis

Aldo Kramis © Pius Amrein

Kramis zieht den Vergleich zur Grippeimpfung, die mit ungefähr 25 Franken entschädigt wird – «für eine Impfung, die viel einfacher abgewickelt werden kann», so Kramis. Die Hausärzte seien bestrebt, im Kampf gegen Covid-19 mitzuhelfen, und man werde das auch tun. Dass sie aber nicht mit am Verhandlungstisch sassen, gehe nicht.

Die Gesundheitsdirektoren und der Krankenkassenverband Santésuisse entgegnen, dass laut Krankenversicherungsgesetz auch Kantone Partner eines Tarifvertrags sein können, sofern es sich um ein Impfprogramm handelt. Allerdings zeigt man bei der GDK ein offenes Ohr für die Hausärzte. Man unterstütze die aktuellen Gespräche darüber, ob für die Praxen ein höherer Tarif notwendig sei, sagt Sprecher Tobias Bär. Es sei wichtig, dass die Kantone bei den Corona-Impfungen auf die Hausärzte zählen können. Um dies sicherzustellen, hat der Kanton St. Gallen beschlossen, seinen Hausärzten einen Zuschlag von 15 Franken 50 zu bezahlen – als Übergangslösung, bis ein nationaler Kompromiss gefunden ist. Andere Kantone könnten nachziehen.

Die Frage ist, wer am Ende die Rechnung zahlt

Wenn man sich bei den Hausärzten umhört, wie hoch die Pauschale sein müsste, dann fällt oft die gleiche Zahl: Ungefähr 50 Franken. Und also dreimal mehr, als es der Tarifvertrag vorsieht. Auch wenn man sich am Ende auf einen tieferen Betrag einigt, steht am Ende die ewige Frage im Raum, wer die Rechnung zahlt.

Damit die Impfung für die Bevölkerung kostenlos ist, haben Bund, Kantone und Versicherer die Kosten aufgeteilt. Die Kantone übernehmen den Selbstbehalt der Patienten sowie Logistik, Organisation und Infrastruktur. Der Bund kommt für den Transport in die Kantone und jene Kosten für Impfdosen auf, die fünf Franken übersteigen. Diese fünf Franken wiederum zahlen die Krankenkassen. Sie übernehmen zudem die Verimpfungskosten.

Nach diesem Mechanismus müssten sie für eine höhere Impfpauschale aufkommen. Allerdings spielt Santésuisse den Ball auf Anfrage weiter an die Kantone. Auf die Frage, ob man Spielraum für eine Erhöhung sehe, schreibt ein Sprecher, dass die Kantone für die Umsetzung der Massenimpfungen verantwortlich seien und die entsprechende Frage am besten beurteilen könnten. Für Santésuisse, betont der Sprecher, sei ein rasches und unkompliziertes Impfen der Bevölkerung zentral. Und dafür seien Impfzentren zentral.

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