«Das ist kein gutes Zeichen der Stadt» – Kulturveranstalter sind empört über «gestrichene» Beiträge

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Ohne Unterstützung der Stadt gibt es das «Coq d’Or» vielleicht bald nicht mehr. © Patrick Lüthy (Mai 2020

Um 27'500 Franken wurden im Budget 2021 die Beiträge für verschiedene Kulturbetriebe in der Stadt vom Stadtrat von der ersten zur zweiten Lesung reduziert. 17'500 davon wurden nach Parlamentsentscheid der Kultur anschliessend wieder zugesprochen. Diese «gestrichenen» Beträge seien jedoch nicht alle in den Vorjahren im Kulturbudget verankert gewesen, versichert Leiter Markus Dietler von der Direktion Präsidium, sondern wären zum Teil erhöht oder sogar erstmals ausgerichtet worden.

Die «Korrekturen» resultierten aus Überlegungen des Stadtrats, die finanzielle Unterstützung neu zu verteilen, wobei nicht alle Anträge der Direktion Präsidium akzeptiert worden seien. De facto habe nun der Sektor Kultur durch den Parlamentsentscheid also 17500 Franken mehr zur Verfügung. Für welche kulturellen Betriebe oder Veranstaltungen diese ausgegeben werden, liegt nun in der Entscheidungsgewalt des Stadtrats.

Kein Verständnis für Kürzungen

Auf Papier finden Betroffene faktisch jedoch herunterkorrigierte Beträge vor und die Empörung darüber ist gross. In dieser schwierigen Zeit, in welcher sich viele Kunst- und Kulturschaffende kaum über Wasser halten können, weil sie nicht auftreten oder ausstellen können, finden sie kaum Verständnis für die Kürzungen.

Besonders hart trifft es zum Beispiel das Kulturlokal Coq d’Or, welches im vergangenen Jahr immer wieder in Verhandlungen bezüglich einer Leistungsvereinbarung mit der Stadt stand und nun gar nichts erhält.

Das Team des Kulturlokals versuchte im vergangenen Jahr, eine Leistungsvereinbarung für 20'000 Franken mit der Stadt abzuschliessen. Die im März angesetzten Verhandlungen wurden aber wegen der akuten Coronakrise in den Oktober des vergangenen Jahres verschoben. Die Zuständigen der Stadt sicherten dem «Coq»-Team schliesslich 2000 Franken pro Monat zu, in welchen das Lokal ein Kulturprogramm durchführen konnte.

Bezüglich einer finanziellen Unterstützung in diesem Jahr stünden die Zuständigen aktuell nicht zur Verfügung, erzählt Kissling bedauernd. «Das ist kein gutes Zeichen der Stadt.» In einem Jahr, in welchem die Kultur sowieso schon leide, hätte sie sich kulant verhalten müssen. Dieser Einschätzung schliesst sich auch Matthias Kunz, Co-Präsident der 23 Sternschnuppen an. «Die Situation ist für Kulturschaffende nicht nur schlimm, sondern Existenz bedrohend», sagt er ernst.

Gesamtsumme muss gleich bleiben

Die Kürzungen seien deswegen nicht nachvollziehbar. In anderen Städten – zum Beispiel Bern – habe die Stadt im vergangenen April beschlossen, die Zahlungen uneingeschränkt weiter auszurichten – auch wenn die vertraglich abgemachte Leistung nicht erbracht werden kann.

«Die Vorgabe für das Kulturbudget war, – unabhängig von der Coronakrise – dass die Beiträge in der Gesamtsumme gleich hoch bleiben», sagt Dietler, als die Redaktion ihn mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Finanzielle Unterstützung, welche Betriebe wegen des Virus beantragen müssen, wäre etwas Zusätzliches und habe mit dem üblichen Kulturbudget nichts zu tun.

Über fehlende Kommunikation empört

Die Betroffenen sind jedoch nicht nur empört über die Kürzungen, speziell stört sie auch die fehlende Kommunikation. «Ich habe durch die Zeitung erfahren, dass das Theaterstudio betroffen sein wird», erzählt Andreas Meier, Leiter des Kleintheaters. Die dreijährige Leistungsvereinbarung der Stadt mit dem Theaterstudio lief Ende des vergangenen Jahres aus. Drei Jahre zuvor wurde der Vereinsvorstand des Theaterstudios von Stadtschreiber Markus Dietler kontaktiert und der Vertrag wurde neu aufgegleist. Dieses Mal herrschte jedoch Funkstille.

Bisher bekam das Theater 25'000 Franken pro Jahr. 2021 sind nur noch 20'000 budgetiert. «Es überrascht mich, dass wir nicht informiert wurden. In einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit geht man doch aufeinander zu, um miteinander zu diskutieren», meint Meier.

Nicht beklagen

Auch Christoph Schwager, Inhaber des Schwager-Theaters, berichtet auf Anfrage, dass er über den Entscheid der Stadt nicht informiert wurde. Er meint jedoch versöhnlich: «Ich beklage mich nicht darüber. Die Zuständigen werden sich erst arrangieren müssen.» Es sei normal, dass er erst Ende Januar informiert werde. Laut Budget soll das Schwager-Theater aufs neue Jahr hin 5000 Franken mehr erhalten.

Es sei immer schwierig, den richtigen Augenblick für ein Gespräch zu erwischen, erklärt Dietler. Findet es vor der Budgetversammlung statt, könne sich nachher alles wieder geändert haben – je nachdem, ob das Budget angenommen wird. Findet es aber erst nach der Versammlung statt, haben die Betroffenen oft schon von möglichen Änderungen erfahren und fühlen sich unter Umständen von der Stadt übergangen. Im Nachhinein gesehen wäre der Kontakt vor der Behandlung des Budgets im Parlament daher wohl besser gewesen, gibt er zu.

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