Wende zum Schlechteren im Detailhandel: Die Kurzarbeit nimmt wieder zu

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Lockdown zum Zweiten: Manor stellt wieder auf Kurzarbeit um © Alex Spichale / BAD

Mit dem aktuellen Teil-Lockdown werden zahlreiche Angestellte wieder in die Kurzarbeit geschickt. Auf Anfrage von CH Media bestätigt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), dass die Kurzarbeit wieder zunimmt. Vor allem in der Gastronomie und im Detailhandel steige die Anzahl der Gesuche. Ein Seco-Sprecher sagt: «Es ist mit einem weiteren, deutlichen Anstieg der Kurzarbeit im Dezember und vor allem im Januar zu rechnen, und zwar aufgrund der einschränkenden Massnahmen des Bundes und der Kantone.»

Der Anstieg hatte sich bereits im November ansatzweise gezeigt, in den Voranmeldungen zur Kurzarbeitsentschädigung. Immerhin droht keine Wiederholung des explosionsartigen Anstieges in der ersten Welle. Ein Seco-Sprecher sagt: «Das Ausmass dürfte nach heutiger Einschätzung deutlich tiefer sein als in der ersten Welle.» Derzeit sei die Wirtschaft weniger breit von den Massnahmen betroffen als damals.

Betriebe melden sich vorsichthalber an

Genaue Zahlen werden im Februar erwartet. Noch etwas später wird sich zeigen, an wie viele Arbeitnehmer tatsächlich Kurzarbeitsentschädigung bezahlt wird. Einige Betriebe dürften sich vorsichtshalber angemeldet haben, wie vom Seco empfohlen. So sollen sie rasch Entschädigung beziehen können, sobald es an Arbeit fehlt.

Die Kurzarbeit hatte im April 2020 einen Rekordstand erreicht: Ein Viertel aller Beschäftigten war in Kurzarbeit. Über den Sommer folgte eine Erholung. Im Oktober waren noch 4 Prozent in Kurzarbeit. Nun kommt es laut Seco zu einer Wende zum Schlechteren.

Eine Umfrage bei verschiedenen Kantonen zeigt, dass die Gesuche für Kurzarbeit durchs Band ansteigen. Im Kanton Luzern etwa spüren die Behörden seit der Verschärfung der Massnahmen im Dezember eine Zunahme. Im Kanton Bern sind die Zahlen seit dem vergangenen November am Steigen. Noch im Oktober gingen ca. 1300 Voranmeldungen für Kurzarbeit bei den kantonalen Behörden ein, im November verdreifachte sich die Zahl mit 3700 Gesuchen fast.

Im Kanton Zürich sei seit Oktober 2020 eine kontinuierliche Zunahme zu verzeichnen. Im Vergleich zu den Höchstwerten seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühsommer 2020 würden die Werte aber deutlich tiefer liegen. Im Kanton Basel-Stadt werden 200 Gesuche pro Woche gestellt. Die Spitze war im Dezember, als wöchentlich 250 Anträge eingingen.

Mehr Menschen erleiden wieder Lohneinbussen

Vor dem Teillockdown hatte der Detailhandel vor den Folgen gewarnt. Der Verband Swiss Retail Federation sprach von monatlichen Umsatzverlusten von 3,2 Milliarden Franken, wenn Läden des nicht-täglichen Bedarfs schliessen müssen. Dies werde zu einer Konkurswelle führen und zum Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen. Zumal viele Betriebe ihre Reserven in der ersten Welle aufgebraucht hätten.

Um eine Konkurswelle abzuwenden, müsse gemäss Verband der Bund noch mehr Hilfe leisten. Denn bisher hat er zwar die Lohnkosten via Kurzarbeit mitgetragen. Doch die Fixkosten mussten die Betriebe selber stemmen. Das ging in der ersten Welle noch, in der zweiten gehe es jedoch nicht mehr.

Bislang sind keine neuen Firmenkonkurse oder Massenentlassungen hinzugekommen. Bekannt sind lediglich grosse Namen im Detailhandel, die erneut auf Kurzarbeit umstellen. Bei Manor sind es derzeit etwas mehr als 50 Prozent der Belegschaft – und damit fast so viel wie während des Lockdowns im letzten Frühling (60 Prozent). Bei Globus sind die Berechnungen noch in Gang, wie die Warenhauskette auf Anfrage sagt.

Mit der steigenden Kurzarbeit könnten mehr Menschen empfindliche Lohneinbussen erleiden. Wer auf Kurzarbeit ist, wird zwar vom Staat entschädigt, der Arbeitnehmer erhält aber bloss 80 Prozent des Gehalts. Viele Unternehmen haben die Differenz deshalb bisher kompensiert – im neuen Jahr tun dies einige aber nicht mehr, darunter beispielsweise H&M.

Vorige Woche stand deswegen insbesondere die Migros unter Beschuss. Sie wollte die Lohndifferenz bei betroffenen Mitarbeitern trotz eines guten Geschäftsjahres 2020 nicht mehr ausgleichen. Aufgrund der öffentlichen Kritik nahm sie ihren Entscheid zu grossen Teilen aber wieder zurück.

Im Ausland zeigt sich: Als Nächstes könnte es zu Stellenabbauten kommen

Im Ausland fängt der Stellenabbau deswegen bereits an, wie etwa ein Blick nach Deutschland zeigt. Die Modekette H&M plant dort 800 Jobs abzubauen (5 Prozent). Unter den Betroffenen sollen laut eines Berichts des «Spiegel» offenbar vor allem Mütter sein. Dies, weil sie weniger häufig zu umsatzstarken Zeiten arbeiten könnten.

In der Schweiz will sich H&M nicht zu einem möglichen Stellenabbau äussern. Jedoch gab die Kette aus Schweden bereits im vergangenen Oktober bekannt, dass sie ihr Filialnetz weltweit um 250 Standorte ausdünnen werde. Sie schloss nicht aus, dass dies auch Schweizer Standorte treffen könnte.

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