Virusvarianten breiten sich aus: Was auf den Aargau zukommt und was dagegen unternommen wird

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Im Kampf gegen die Virusmutationen bleibt Testen zentral: Nur wenn möglichst viele Ansteckungen entdeckt werden, können Infektionsketten unterbrochen werden. Sandra Ardizzone
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Sie heissen B.1.1.7, B.1.351 oder P1. Sie kommen aus Grossbritannien, Südafrika oder Brasilien. Die neuen Coronavirusvarianten sind ansteckender. Das heisst: Sie vermehren sich schneller und werden entsprechend von Infizierten einfacher verbreitet. Deshalb wird versucht, ihre Ausbreitung mit strengen Massnahmen wie Ladenschliessungen oder Fernunterricht zu verlangsamen.

B.1.1.7 ist im Aargau angekommen. Am Dienstag wurde bekannt, dass sich ein Praktikant der Sekundarschule Zofingen mit der englischen Virusvariante angesteckt hat. Das geht aus einem Elternbrief hervor, welcher der AZ vorliegt.

Fünf Klassen wurden nach Hause geschickt

Die Schulleitung führt aus, der Praktikant habe alle Schutzmassnahmen eingehalten. Kantonsärztin Yvonne Hummel habe aber entschieden, dass die Schülerinnen und Schüler von fünf Klassen, die vom Praktikanten unterrichtet wurden, in Quarantäne geschickt werden, weil es sich um die englische Virusvariante handelt.

Das Contact Tracing sei eingeschaltet und werde sich bei den Betroffenen melden, schreibt die Schulleitung. Und weiter:«Es ist davon auszugehen, dass sämtliche betroffenen Schülerinnen und Schüler zum Test aufgeboten werden.»

Für alle anderen Klassen findet der Unterricht gemäss Stundenplan statt. Weitere Massnahmen seien für die Schule im Moment keine angezeigt, schreibt die Schulleitung.

Ein ansteckenderes Virus ist schlimmer als ein tödlicheres

Dass gleich fünf Klassen nach Hause geschickt werden wegen eines einzigen positiven Tests, zeigt, wie ernst die Behörden die neuen Virusmutationen nehmen. Und nicht nur sie.

Christoph Fux, Chef-Infektiologe am Kantonsspital Aarau (KSA), sagt: «Eine Verdoppelung der Mortalität ist bereits nach drei Wochen weniger schlimm als eine Zunahme der Übertragungsrate um 50 Prozent.»

In anderen Worten: Ist ein Virus doppelt so tödlich, sterben trotzdem weniger Menschen daran, als wenn sich 50 Prozent mehr Menschen infizieren.

Modell-Berechnungen des Chefarztes zeigen: Wenn zwei von 100 infizierten Personen sterben, während die Infektion Woche für Woche 100 neue Menschen befällt, sind nach drei Wochen sechs Personen gestorben, nach sechs Wochen zwölf.

Wenn, wie im Moment, eine von 100 Personen stirbt – das Virus also halb so tödlich ist – sich aber gleichzeitig 50 Prozent mehr Personen anstecken, ergeben die Hochrechnungen nach drei Wochen bereits sieben Todesfälle, nach sechs Wochen 31 Todesfälle.

«Die Berechnungen zeigen, warum wir uns so fürchten vor der erhöhten Ansteckungsrate», sagt Fux. Sie sei gefährlicher als ein tödlicheres Virus.

Positiv stimmen den Infektiologen die Kurven von Irland und Grossbritannien. Dort hat die Zahl der Ansteckungen nach einem steilen Anstieg wieder abgenommen. Christoph Fux sagt: « Das zeigt, dass konsequente Schutzmassnahmen auch bei den Varianten zu funktionieren scheinen.»

Spätestens im März dominiert B.1.1.7

Martin Ackermann, Präsident der Covid-Taskforce des Bundes, sagte am Dienstag vor den Medien: «Die Briten-Variante wird spätestens im März der dominante Corona-Stamm.» Der Anteil der neuen Virusvarianten nehme zu und liege heute um die zehn Prozent.

Diese Entwicklung beobachtet auch der Kantonsärztliche Dienst besorgt. Wird die britische Variante B.1.1.7 immer dominanter, würden auch die Fallzahlen wieder rasch steigen, weil B.1.1.7 ansteckender ist.

Das wiederum würde laut Hummel «ausserordentlich schnell» zu einer hohen Anzahl infizierter Personen führen, von denen viele schwer erkranken. Sie sagt: «Das hätte Auswirkungen auf die Auslastung der Spitäler und würde in kurzer Zeit zu einer Überlastung führen.»

Noch sind die Zahlen vermeintlich tief. Das mutierte Virus ist im Aargau bisher in 37 Fällen nachgewiesen worden. Allerdings hat sich die Zahl der Fälle innert Wochenfrist fast verdoppelt. Die Kurve zeigt nach oben:

Kantonsärztin Yvonne Hummel geht von einer wöchentlichen Verdoppelung der Fälle aus. Die 100er-Grenze würde im Aargau also bereits übernächste Woche überschritten.

Umso wichtiger ist es, dass die Fallzahlen weiter sinken. Im Aargau wirken die Ende 2020 ergriffenen Massnahmen. Am 22. Dezember wurden 575 Neuansteckungen registriert. So viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Inzwischen hat sich der 7-Tages-Durchschnitt zwischen 165 bis 265 Neuansteckungen pro Tag eingependelt. Die Kurve flacht ab:

Anzahl Neuansteckungen ohne Virusvarianten

Im Aargau sei bisher nur B.1.1.7, die Variante aus Grossbritannien, nachgewiesen worden, sagt Hummel. Wird eine Person nach einem Aufenthalt in Irland, Grossbritannien oder Südafrika positiv getestet, wird routinemässig untersucht, ob es sich um eine der neuen Virusvarianten handelt. Das gilt ebenfalls für alle engen Kontaktpersonen, die positiv getestet werden.

Alle anderen positiven Covid-Tests werden nicht routinemässig auf eine der neuen Virusmutationen untersucht.

Aargauer Labors können Virusvarianten nicht nachweisen

Die Labors der Aargauer Spitäler können bei einem positiven Test nicht selber untersuchen, ob es sich um eine der neuen Virusvarianten handelt. Die sogenannte Sequenzierung finde in spezialisierten Labors statt, sagt Chefarzt Christoph Fux.

Für Personen, die sich mit einer der neuen Virusvarianten anstecken, gilt das Gleiche wie für alle anderen infizierten Personen: Sie müssen in Isolation.

Auch Kontakte von engen Kontakten müssen in Quarantäne

Für die Kontaktpersonen gilt ein strengeres Regime: Es werden nicht nur die engen Kontakte unter Quarantäne gestellt, sondern auch die Kontakte der Kontakte.

Das belastet die Mitarbeitenden des Contact-Tracing-Centers. Kantonsärztin Yvonne Hummel sagt: «Bei einem schnellen Fallzahlenanstieg aufgrund der Virusmutationen könnte das Contact Tracing trotz weiterem personellen Ausbau nicht mehr sichergestellt werden.»

Im Kampf gegen die neuen Virusvarianten steht der Covid-Test weiterhin ganz am Anfang. Nur wenn eine Ansteckung nachgewiesen wird, lassen sich Infektionsketten unterbrechen, indem infizierte Personen isoliert und deren engen ungeschützten Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt werden.

Chef-Infektiologe Christoph Fux beobachtet allerdings, dass sich die Leute kaum mehr testen lassen. Im Testzentrum des KSA sei die Testfrequenz um 50 Prozent zurückgegangen. Weil die Virusvarianten viel ansteckender sind, müsse ein Umdenken stattfinden. Er sagt: «Wir müssen beim Testen und Isolieren viel besser werden, wenn wir die Kontrolle zurückgewinnen wollen. »

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