Debakel bei SRF: Die Pannen in den neuen Fernsehstudios kosten die Gebührenzahler 400'000 Franken pro Monat

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Pannen ohne Ende: Das neue News- und Sportcenter von SRF in Zürich. SRF

466 Angestellte des Schweizer Fernsehens – rund ein Fünftel der Belegschaft – haben im vergangenen Dezember einen Brief an die Geschäftsleitung unterschrieben. Sie fordern darin «dringend mehr Transparenz und ehrliche Kommunikation» über den Umbau des Senders. Das Schreiben enthält darüber hinaus interessante Informationen.

Die Verfasser möchten wissen: Trifft es zu, dass wegen der verspäteten Inbetriebnahme der Fernsehstudios im neuen News- und Sportcenter «monatlich 400'000 Franken verloren gehen?» Aus den Studios hätte ab November 2019 gesendet werden sollen; der Start ist mehrmals verschoben worden.

Ausweichende Antworten des Schweizer Fernsehens

Recherchen dieser Zeitung ergeben nun: Die von den SRF-Angestellten erwähnte Summe von 400'000 Franken pro Monat ist richtig. Der Betrag ergibt sich daraus, dass 30 Techniker damit beschäftigt sind, die Probleme in den Griff zu bekommen. Zudem muss das Unternehmen technisches Gerät zweimal abschreiben.

Das Schweizer Fernsehen setzt bei den neuen Studios auf eine Technologie, die noch kaum erprobt worden ist und bisher nicht funktioniert. SRF hofft, dass ab Mitte 2021 erste Sendungen aus den Studios ausgestrahlt werden können. Das würde einer Verspätung von fast zwei Jahren entsprechen. Das Debakel kostet SRF also um die 10 Millionen Franken.

SRF-Mitarbeiter fragen sich: Könnten einige der rund 200 Stellen, die SRF-Direktorin Nathalie Wappler bis im Herbst 2021 streichen will, gerettet werden, wenn das Unternehmen bei der Infrastruktur professioneller ans Werk ginge? Opfert Wappler einige etablierte Radio- und Fernsehprogramme, weil sie grosse Mittel zur Behebung technischer Fiaskos einsetzt? Die Liste der eliminierten Sendungen wächst monatlich.

Die Angestellten am Leutschenbach werfen der SRF-Geschäftsleitung im Brief vor, dass sie keine «transparente Kommunikation» betreibe, sondern «Management-Hülsen und nichtssagendes Geschwurbel» einsetze. Auch die Antworten der SRF-Medienstelle auf die Fragen zu den Kostenüberschreitungen fallen nicht durch übermässige Klarheit auf.

So schreibt die Medienstelle, dass für die Investitionen nicht Gebührengelder eingesetzt würden, sondern vor allem Mittel, die «durch die Rückgabe von Mietobjekten und den Verkauf nicht mehr benötigter Liegenschaften» gewonnen würden. Diese Unterscheidung ergibt keinen Sinn. Müsste SRF keine Finanzlöcher für disfunktionale Technik stopfen, könnten Erträge aus Liegenschaftsverkäufen für Programme und Mitarbeiterlöhne eingesetzt werden. Der Betrieb des Schweizer Fernsehens speist sich aus einer grossen Kasse, nicht aus mehreren. Die Haushaltsabgabe der Schweizer Bevölkerung ist die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle.

Wachsender Unmut unter den Mitarbeitern

Die Medienstelle betont aber, dass es keinen Zusammenhang gebe zwischen den Investitionskosten für die neuen Studios und den «Massnahmen aufgrund des Transformationsprojektes SRF 2024» – das mit zahlreichen Einsparungen verbunden ist.

Zudem könnten dank des Neubaus mit moderner Technik und optimierter Flächennutzung die Betriebskosten langfristig und dauerhaft gesenkt werden. Insgesamt entstünden bei SRF keine Mehrkosten, die sich auf das Jahresergebnis auswirkten, da die Zeitpläne anderer Projekte angepasst worden seien. Das Schweizer Fernsehen müsse keine zusätzlichen Sparmassnahmen ergreifen.

Im vergangenen Dezember sagte SRF-Sprecher Stefan Wyss, auf die Kosten der streikenden Technologie angesprochen:

«Natürlich kostet jede Verlängerung der Projektzeit Geld.»

Dass der Betrag bei 400'000 Franken pro Monat liegt, stellt die Medienstelle am Leutschenbach nun nicht in Abrede.

Die interne Revisionsstelle der SRG wird überprüfen, was bei der Bestellung und dem Einbau der neuen Fernsehstudios schiefgelaufen ist. SRG-Präsident Jean-Michel Cina erklärt auf Anfrage, dass die Überprüfung beginnen werde, sobald das Projekt abgeschlossen sei. Den Antrag für die Prüfung hätten die SRG-Generaldirektion und die SRF-Direktion gemeinsam gestellt.

In ihrem Brief werfen die SRF-Mitarbeiter ausserdem die Fragen auf: Lohnt sich der Betrieb der Kulturabteilung in Basel? Stimmt es, dass die Geschäftsleitung von Radio und Fernsehen für Beratermandate mehrere Millionen Franken ausgegeben hat? Seit Dezember nahm die Geschäftsleitung in Videokonferenzen Stellung. Angestellte erzählen, dass die Vorgesetzten sich darum bemüht hätten, so zu wirken, als gingen sie auf die Anliegen der Untergebenen ein. Der Informationsgehalt der Auskünfte sei aber nicht riesig gewesen.

Viele Mitarbeiter verstehen nicht, nach welchen Kriterien Nathalie Wappler Programme streicht. «Warum gerade diese Sendungen? Sind sie zu teuer, zu altmodisch oder sprechen sie das falsche Publikum an?», heisst es im Brief. Die Fragen stehen noch wie vor im Raum.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.
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