«Wir verlieren unser Baby»: Der Wirt des Restaurants Beluga sagt, wie es zum Konkurs kam

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Ein Foto aus besseren Zeiten: 2015 war das «Beluga» nach nur einem Jahr zum besten Restaurant Aaraus gekürt worden. Links Wirt Urs Marrer, rechts Küchenchef Robin Dürlewanger. Bild: Jiri Reiner (25.2.2015)

«Eigentlich fehlen mir die Worte», sagt Urs Marrer. «Wir haben alles probiert und sind nun zutiefst betrübt. Es ist unser Baby, das wir verlieren.» Das Lokal an der Vorderen Vorstadt galt als eine der besten Gastronomiestätten in Aarau. 2015, nur ein Jahr nach der Eröffnung, wurde es mit 14 «Gault-Millau»-Punkten zur damaligen Nummer eins der Stadt gekürt. 2016 wurde es als einer von sechs Betrieben im Kanton in die Chaîne des Rôtisseurs aufgenommen, der grössten Vereinigung zum Erhalt der Tisch- und Tafelkultur.

Urs Marrer und Robin Dürlewanger, seit über 30 Jahren dicke Freunde, hatten sich damit einen Traum erfüllt, standen damals auf dem Höhepunkt. «Nun ist unser Traum geplatzt», sagt Urs Marrer jetzt bitter enttäuscht. Das «Beluga» ist seit Montag offiziell pleite, am Mittwoch wurde die vorläufige Konkursanzeige des Restaurants im kantonalen Amtsblatt veröffentlicht.

Der zweite Lockdown war zu viel für das hochgelobte Restaurant

Die schwere Krankheit von Küchenchef Robin Dürlewanger leitete den Anfang vom Ende ein: Das Lokal durchlief seit Monaten eine schwierige Zeit. Die Pandemie hat dem Geschäft nun den Todesstoss versetzt. Schon vor der zweiten Coronawelle öffnete das Restaurant nur noch an vereinzelten Tagen, um Kosten zu sparen. Letztes Jahr bat das «Beluga» auch darum, vorläufig von der «Gault-Millau»-Liste gestrichen zu werden.

2019 noch gehörte das Restaurant mit 13 «Gault-Millau»-Punkten zu den drei besten Gastrobetrieben Aaraus. Der Gesundheitszustand von Robin Dürlewanger – er hatte zuvor zehn Jahre lang die Gäste im Suhrer «Bären» kulinarisch verwöhnt – verschlechterte sich. Im November sagte Urs Marrer, die Zukunft des Restaurants hänge vom Krankheitsverlauf ab und vor allem auch vom Verlauf der Coronakrise.«Wir denken nicht ans Aufgeben», gab er sich zuversichtlich. Nun aber ist die ernüchternde Realität eingetroffen. Urs Marrer sagt:

«Wir haben unsere ganzen Geldreserven aufgebraucht, irgendwann konnten wir einfach nicht mehr. Die Pleite ist nun die logische Konsequenz. Es tut nur noch weh.»

Er fühle sich Ende seiner Kräfte, seit der Konkurseröffnung klinge sein Telefon pausenlos. Neue Energie geben ihm immerhin die vielen Rückmeldungen, die er von den Stammgästen erhält.

«Ich bekomme Hunderte von Nachrichten. Wir hatten tolle Gäste, deren Unterstützung gibt mir Kraft.»

Wie es mit ihm und den Mitarbeitenden weitergeht, weiss Urs Marrer noch nicht. «Wir müssen uns alle neu orientieren.» Bis zuletzt hatte er noch alle Löhne weiter bezahlt, Kurzarbeitsentschädigungen trafen aber stets mit Verzögerung ein. «Ich mache niemanden einen Vorwurf, die Behörden sind auch überlastet», sagt er.

Der Konkurs des Restaurants könnte der Erste von vielen sein

Alle Auflagen zu erfüllen und gleichzeitig weiterhin alle Kosten zu tragen, könne man aber nicht ewig.

«Irgendwann hast du einfach kein Geld mehr. Bei uns ist das jetzt so.»

Als Unternehmer könne Urs Marrer nicht auf finanzielle Hilfe vom Staat zählen. Er geht deshalb davon aus, dass anderen Restaurants im Kanton demnächst auch die Puste ausgehen wird. Ohne Planungssicherheit sei es auch keine Option gewesen, Küchenchef Robin Dürlewanger krankheitshalber zu ersetzten. Urs Marrer:

«Das ‹Beluga› war unser gemeinsames Projekt, unsere Leidenschaft.»

Zusammen hatten sie das frühere «Chez Jeanette», zuvor jahrelang von Rolf Böhler und Doris Egli geführt, übernommen und dem Lokal neues Leben verliehen. Nach sieben Jahren nun schliesst die Gaststätte an der Vorderen Vorstadt wieder.

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