Exporte sind seit Jahren rückläufig: Was bringt die China-Connection dem Aargau?

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Die chinesische Flagge weht am Aargauer Regierungsgebäude: Im Mai 2019 besuchte eine Delegation aus China den Kanton, seit Jahren besteht eine Partnerschaft mit der Provinz Shandong. Chris Iseli

Haben chinesische Forscher und Firmen exklusives Know-how des Paul-Scherrer-Instituts zur Protonentherapie abgezogen? Ja, sagen ein ETH-Professor und ein Unternehmer, die Einblick in die Vorgänge am PSI hatten.

Nein, erwidert die Sprecherin des Instituts, es gebe keine Hinweise, dass patentgeschützte Forschungsergebnisse ausserhalb von Lizenzvereinbarungen in China gelandet seien.

Die Aargauer Regierung hält fest, es sei Sache des PSI oder der ETH und des Bundes als Träger, die nötigen Massnahmen gegen Forschungsspionage zu treffen. Der Kanton förderte die Protonentherapie in Villigen mit 26 Millionen Franken – ob die Resultate der unterstützten Forschung allenfalls kostenlos nach China gelangt sind, kommentiert die Regierung nicht.

Urs Hofmann: «Es gibt immer Bedenkenträger»

Vor knapp zwei Jahren äusserte sich der damalige Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann zur Zusammenarbeit mit China in Forschung und Wirtschaft. Der Kanton pflegt seit mehreren Jahren eine Partnerschaft mit der chinesischen Provinz Shandong.

Im April 2019 besuchte Hofmann dort einen Ökopark – wobei Öko für Ökonomie, also Wirtschaft, steht. Die wichtigsten Branchen sind digitalisierte Industrieproduktion, regenerative Medizin und Genforschung.

Auf mögliche Kooperationen angesprochen, verwies Urs Hofmann auf das PSI mit «weltweit einmaligen Grossforschungsanlagen» und den Park Innovaare, der im Bau ist.

«Für chinesische Unternehmen könnte es interessant sein, ihre Forschungsabteilungen dort anzusiedeln, um von der hervorragenden Infrastruktur zu profitieren.» Gerade im Bereich Forschung und Entwicklung sei ein Austausch für beide Seite interessant.

«Selbstverständlich gibt es immer auch Bedenkenträger, die fürchten, die Chinesen würden unsere Technologien absaugen. Klar ist auch, dass wir im Wettbewerb stehen», räumte Hofmann ein. In der Zusammenarbeit gehe es immer auch um den eigenen Nutzen.

Kooperation mit China begann vor zehn Jahren

Der Aargau pflegt seit einiger Zeit gute Beziehungen zu China. Vor fast zehn Jahren, im März 2011, besuchte eine Regierungs- und Wirtschaftsdelegation aus der chinesischen Provinz Shandong den Kanton.

Die Gäste aus China trafen sich in Aarau mit Hofmann zu bilateralen Gesprächen. Zudem informierte sich die chinesische Delegation auch über Aargauer Hightech-Produkte, unter anderem aus dem medizinischen Bereich.

Im Rahmen dieses Besuchs unterzeichnete der Aargauer Regierungsrat eine Vereinbarung mit der Regierung von Shandong. Daraus entwickelte sich später die Partnerschaft des Kantons mit der chinesischen Provinz.

«Seither wurden zahlreiche Delegationen aus Shandong auf fachlicher und politischer Ebene im Aargau empfangen», teilt Daniel Brändli, Leiter Abteilung Strategie und Aussenbeziehungen, auf Anfrage mit. 2012 war Botschafter Ken Wu im Datacenter von green.ch in Lupfig zu Besuch.

Er sprach mit Urs Hofmann, dem damaligen Staatsschreiber und heutigen Avenir-Suisse-Direktor Peter Grünenfelder sowie Daniel Knecht, damals Präsident der Aargauischen Industrie- und Handelskammer.

Auf der Website der chinesischen Botschaft heisst es zum Besuch in Lupfig: «Die Partnerschaft der Provinz Shandong mit dem Aargau hat zur Intensivierung der Zusammenarbeit und zur wirtschaftlichen Entwicklung beider Seiten grosse Beiträge geleistet.»

Exporte nach China seit 2014 deutlich rückläufig

Das Ziel der Partnerschaft ist klar: Regierung und Unternehmer im Aargau versprechen sich wirtschaftliche Chancen. «Die wichtigsten Schweizer Wirtschaftskantone pflegen alle enge Kontakte zu chinesischen Provinzen», hält Daniel Brändli von der Abteilung Aussenbeziehungen fest.

Auch für den Aargau ist das Reich der Mitte ein wichtiger Handelspartner. China ist derzeit der viertwichtigste Exportmarkt für Produkten aargauischer Firmen hinter Frankreich, den USA und Deutschland, wie Brändli erklärt. Er liefert auch Zahlen zu wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Aargau und China in den vergangenen Jahren.

Von 2008 bis 2014 gab es mehr als eine Verdoppelung beim Wert der exportierten Produkte, die Exporte stiegen von 378 Millionen Franken auf 784 Millionen Franken.

Seither sinkt diese Zahl aber, die Aargauer Unternehmen exportierten seit 2014 also deutlich weniger nach China, zuletzt waren es im Jahr 2018 noch Produkte im Wert von 548 Millionen Franken.

Ganz anders sieht die Entwicklung bei den Importen aus China in den Aargau aus: Hier ist eine stetige Zunahme von 547 Millionen Franken im Jahr 2008 auf 1,4 Milliarden Franken 2018 festzustellen.

Exporte werden anderen Kantonen zugerechnet

Profitieren also primär chinesische Unternehmen von der Partnerschaft, die mehr in den Aargau exportieren, während einheimische Firmen keinen Vorteil von der Kooperation haben?

Beat Bechtold, Direktor der Aargauischen Industrie- und Handelskammer, hat eine mögliche Erklärung für die negative Aargauer Handelsbilanz. Bechtold weist darauf hin, dass ein grosser Teil der Exporte nach China auf die chemisch-pharmazeutische Industrie entfällt.

«Im Aargau gibt es grosse Produktionsstandorte dieser Branche, wenn Firmen ihre Produkte aber zum Beispiel von einem Lager im Kanton Basel-Stadt aus verschicken, werden sie in der Aussenhandelsstatistik nicht dem Aargau zugerechnet.»

Zudem sinke der Durchschnittspreis pro Kilo exportierter Pharmaprodukte. So könne der Gesamtwert der Exporte sinken, obwohl sich die Menge zugleich erhöht habe.

Auf den möglichen Abfluss von Forschungsergebnissen aus dem PSI nach China angesprochen, sagt Bechtold: «Mehrere unserer Mitgliedsfirmen haben Niederlassungen oder Tochtergesellschaften in China, ein Abzug von Know-how durch die Chinesen, konkret also Forschungs- oder Wirtschaftsspionage, waren bei uns bisher kein Thema.»

Immer wieder diskutiert werde aber die Tatsache, dass chinesische Investoren in der Schweiz problemlos Firmen aufkaufen können, während es für Schweizer Unternehmen nicht möglich sei, in China eine Firma zu übernehmen.

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