Nach dem Einsatz in 2019 erleidet der «Rote Pfeil» erneut einen Motorenschaden

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Im Sommer 2019 fuhr der «Rote Pfeil» nach einer Revision noch zum 120. Geburtstag der OeBB. Remo Fröhlicher (Archiv)

Es gibt nur noch drei seiner Art: Einer steht im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, einer gehört SBB Historic und der letzte? Der letzte der drei historischen «Roten Pfeile» war im Sommer 2019 noch für die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) unterwegs. Das Unternehmen holte den Triebwagen aus dem Jahr 1938 unter anderem speziell für den 120. Geburtstag der OeBB hervor und bot Pendlerfahrten zwischen Oensingen und Balsthal an. Damals hatte der «Rote Pfeil» eben erst eine Revision seiner Motoren hinter sich. Lange fuhr er aber nicht: Seit September 2019 steht der letzte der drei Oldtimer wegen eines schweren Motorschadens wieder im Depot der OeBB in Balsthal.

«Der Schaden war noch schlimmer als jener davor», erinnert sich Markus Schindelholz, Geschäftsführer der OeBB, an das Ereignis. Nachdem der Triebwagen mehrere tausend Kilometer problemlos gefahren war, stellten sie auf einer Rückfahrt von Landquart fest, dass etwas mit den Motoren nicht stimmen konnte. «Als der Mechaniker die Motoren gesehen hat, bekam er Tränen in den Augen», erinnert sich auch Barbara Riser, stellvertretende Geschäftsführerin der OeBB, an jenen Tag. Sie vermuten, dass aufgrund eines elektro-mechanischen Defekts die Motoren zu viel Strom abbekommen und dementsprechenden Schaden genommen haben. «Es war frustrierend, weil wir schon so viel in den Triebwagen investiert hatten und erfolgreich damit waren», so Riser.

Alles wieder von vorne

Damit stand die OeBB wieder ganz am Anfang der Arbeiten. «Wir waren sehr lange extrem demotiviert», sagt Schindelholz über die Gemütslage seiner Mitarbeiter nach dem Vorfall. Die Motorenrevision war noch nicht so lange her und hatte bereits rund 90000 Franken gekostet. Fast die Hälfte davon musste das Unternehmen über eine siebenmonatige Sammelaktion mühsam zusammensparen. Dieses Mal allerdings sicherte ihnen die Versicherung eine Summe für die Reparatur der Motoren zu. «Da haben wir wieder die Motivation gefunden, an den Motoren zu arbeiten», sagt Schindelholz. Langjährige Mitarbeiter und die Mitglieder der Dampfgruppe Balsthal hätten sich teilweise freiwillig für die Reparatur des Oldtimers engagiert. Mittlerweile sind die Motoren fertig repariert und bereit, wieder eingebaut zu werden.

Die Arbeit am «Roten Pfeil» sei nämlich nicht einfach gewesen: Der Triebwagen ist noch genauso erhalten, wie er 1955 umgebaut wurde, mit derselben Technik von damals. «Das unterscheidet ihn auch vom «Roten Pfeil» der SBB», sagt Schindelholz. Dieser sei teilweise modernisiert worden und nicht mehr ganz originalgetreu erhalten. Das komme aber beim Balsthaler «Roten Pfeil» nicht in Frage. Die OeBB braucht Fachkräfte, die wissen, wie diese Technik funktioniert. Das ist vor allem wichtig, weil sie eine spezielle Schutz-Schaltung in die Steuerung einbauen will, damit es nicht mehr zum gleichen Defekt kommen kann.

Genauso wie vor rund 70 Jahren

Damit der «Rote Pfeil» aber nicht nur von drinnen so aussieht, wie aus den 50er Jahren, will die OeBB auch den Lack des Triebwagens erneuern. Dafür kommt natürlich nur die Originalfarbe aus dem Jahr 1955 in Einsatz. «Wir wollen, dass er genauso nostalgisch aussieht, als würde man damals in den Wagen einsteigen», sagt Schindelholz. Auch der alte Schriftzug soll wieder dran: Diesen habe das Unternehmen im eigenen Depot gefunden. Für die Kosten aber muss die OeBB selber aufkommen. Dazu fehlen ihnen erneut etwa 60000 Franken. Und da auch der Bahnbetrieb an der Coronakrise leidet, sind sie derzeit auf private Geldgeber angewiesen. «Einen Teil des Geldes haben wir bereits», sagt Barbara Riser. Es fehle noch rund die Hälfte. Sie könne sich aber vorstellen, wieder eine Sammelaktion durchzuführen. Die sei letztes Mal gut gelaufen.

«Das Fahrzeug ist legendär», begründet Schindelholz die Bemühungen des Unternehmens. «1938 war es allen anderen Schienenfahrzeugen überlegen», sagt er. «Der Tesla von damals.» Es liege ihnen sehr am Herzen, den «Roten Pfeil», der sich bereits seit 1974 in Besitz der OeBB befindet, weiterhin für Genuss- und Ausflugsfahrten durch die ganze Schweiz einsetzen zu können. Dafür muss er aber zunächst fertig restauriert werden. Schindelholz hofft, dass bis im Sommer die technischen Arbeiten beendet werden können, sodass der Triebwagen nach einigen Testfahrten neu lackiert werden kann. «Wir wollen im Herbst wieder mit den Fahrten beginnen können.» In Zukunft soll ein neuer Verein zur Pflege und Unterhalt des «Roten Pfeils» und weiterer historischer Fahrzeuge der OeBB beitragen. Die Statuten würden bereits stehen. Einzig die Mitglieder fehlen noch.

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