Streaming hat den Schweizer Tonträgermarkt im Krisenjahr gerettet

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Büne Huber am Heitere Open Air (Archivbild Adi Gaberthüel)
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«Die Schweizer Musikbranche befindet sich in einer der schwierigsten Phasen seit Jahren», sagt Ivo Sacchi, Präsident der IFPI Schweiz und Managing Director von Universal Switzerland. Corona hat die Musikproduktion zeitweise lahmgelegt, die meisten Musiker haben ihre Releases verschoben und auch nach dem harten Lockdown wurde vergleichsweise wenig neues Material veröffentlicht. Deshalb hätte es eigentlich auch für die Tonträgerbranche ein miserables Jahr werden sollen. Trotzdem ist der grosse Einbruch ausgeblieben. Im Gegenteil: Der Schweizer Tonträgermarkt hat 2020 gemäss den Angaben des Branchenverbandes IFPI Schweiz 190.6 Mio. Franken umgesetzt und überraschenderweise um starke 3.9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. 

 

Wie ist das möglich? Der Umsatz aus dem Verkauf von CDs und anderen physischen Tonträgern ist auch im letzten Jahr, wenig überraschend, um satte 20 Prozent eingebrochen. Doch mit Streaming und den Streaming-Portalen ist der Musikmarkt in eine neue Ära mit einem fundamental neuen Geschäftsmodell getreten. Früher, im Zeitalter der physischen Platte, hat der Musikkonsument nur einmal, beim Kauf einer neuen Platte bezahlt. Der Einbruch wäre unter diesen Voraussetzungen im letzten Jahr unvermeidlich gewesen und dramatisch ausgefallen.

Fundamental neues Geschäftsmodell

Im Streamingzeitalter ist das anders. Es zählen vor allem die Streaming-Abonnenten, die im vergangenen Jahr markant zugelegt haben. Der Abonnent bezahlt zwar beschämend wenig, über das Abo aber einen fixen, gleichbleibenden Betrag. Das Streaming, ermöglicht durch die fortgeschrittene Digitalisierung, ist also der Wachstumstreiber und die wachsende Anzahl Streaming-Abonnenten hat zum positiven Ergebnis für die Tonträgerindustrie geführt. Dieser Mechanismus, dieses fundamental andere Geschäftsmodell, hat die Tonträgerbranche im Corona-Krisenjahr vor dem Absturz gerettet.

Für den Musikkonsum lässt das interessante Rückschlüsse zu: Die Musikfreunde haben im Coronajahr das Musikhören wieder entdeckt. Der Musikkonsum ist gestiegen, obwohl nur wenige neue Musik veröffentlicht wurde. Früher hatten die Labels den Verkauf und den Verkauf und den Konsum von Musik durch neue Alben oder Singles von Prince, Madonna & Co. angetrieben, heute ist das offenbar nicht mehr unbedingt nötig. Die Musikkonsumenten decken ihren Bedarf an Musik trotzdem. Sie greifen einfach auf ihre alten Lieblingssongs zurück. Der sogenannte Backkatalog hat für die Tonträgerindustrie deshalb weiter markant an Wert gewonnen und hat zum positiven Ergebnis geführt.

Gibt es noch einen Anreiz für neue Produktionen?

Was bedeutet diese Erkenntnis für die Tonträgerproduzenten? Können die Labels sich einfach auf ihren Lorbeeren ausruhen, ihren Backkatalog verwalten und trotzdem absahnen? Besteht unter diesen Voraussetzungen für die Labels überhaupt noch ein Anreiz in kostenintensive, riskante Neuproduktionen zu investieren und zu lancieren? «Veröffentlichungen von neuen Tonträgern haben wie auch Live-Konzerte einen positiven Einfluss auf den Musikkonsum», sagt er und ist überzeugt, dass das Ergebnis für die Tonträgerbranche unter normalen Bedingungen noch besser gewesen wäre.

Insofern hat die Branche auch ein vitales Interesse, dass die Live-Branche eine Planungssicherheit erhält und so schnell wie möglich wieder hochgefahren wird. «Der Bundesrat muss nun dringend eine Strategie vorlegen, die den Ausstieg aus flächendeckenden Lockdowns und Veranstaltungsverboten anhand messbarer Bedingungen aufzeigt,» sagt Lorenz Haas, der Geschäftsführer IFPI Schweiz.

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