Der Schweizer Cup fristet nur noch ein Schattendasein

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Auch der Cup-Achtelfinal des FC Aarau gegen den FC Sion findet vor leeren Rängen statt. (Bild: Freshfocus)

Das Flutlicht erhellt die Abenddämmerung, auf dem Platz kämpft Klein gegen Gross, sicher ist nur: Einer gewinnt, einer verliert. Bühne des Spektakels ist das urchigste Stadion der Schweiz, das Aarauer Brügglifeld. Und Gegner der FC Sion, die Cupmannschaft schlechthin. Fussballherz, was willst du mehr? Aufwachen, aus der Traum! Ja, heute Mittwoch ist Cup. Ja, mit Sion ist eine Mannschaft aus einer höheren Liga Gegner des FC Aarau. Und ja: Am Ende ist eine Mannschaft Viertelfinalistin und die andere ausgeschieden.

Doch wo ist die Vorfreude, wo die Anspannung? Bei wem prickelt es? Wer hat seit Tagen nur noch den Match im Kopf? Wen auch immer man dieser Tage im Brügglifeld anspricht, von dem heisst es: Business as usual. Am vergangenen Freitag, nach dem 0:0 in der Liga gegen den SC Kriens, blickt Trainer Stephan Keller auf den Cup voraus und sagt: «Sion ist ganz einfach das nächste Spiel.» Kein Funkeln in den Augen, keine heraufbeschwörenden Worte – einfach nur das nächste Spiel. Die positive Interpretation der Gefühlslage im FCA-Lager vor dem Achtelfinal Aarau-Sion ist: Spielen, Resultat egal – und dann wieder Fokus auf die Liga. Die negative Interpretation: «<Ouh nei, jetzt au no Göpp>.»

Ist Corona schuld an der Cup-Depression? Sicher grösstenteils, aber nicht nur. Das Zuschauerverbot nimmt Spielen wie jenem heute Abend im Brügglifeld den wichtigsten Spektakelfaktor. Statt fünf-, sechs-, vielleicht siebentausend schreiender Kehlen, die den Aussenseiter nach vorne peitschen und in den Spielern ungeahnte Kräfte wecken: Totenstille auf den Rängen. Und weil sich die im Achtelfinal im Cup verbliebenen Amateurklubs Vevey, Monthey und Solothurn seit Oktober im Corona-Winterschlaf befinden und nicht wissen, wann und ob sie in dieser Saison den Betrieb nochmals hochfahren können, ist unklar, wie es nach dem Achtelfinal mit dem Wettbewerb weitergeht: Ohne die Amateure? Oder wird der Cup gar abgebrochen?

Letzteres würde ganz sicher auf weniger Gegenwehr als in früheren Zeiten stossen. Denn der Cupwettbewerb hat heutzutage finanziell und sportlich einen – gelinde gesagt – überschaubaren Wert. Einst war der Cupsieger direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert, was ihm von der Uefa mindestens sechs Millionen Franken Prämie garantierte. Im kommenden Sommer aber sind für den Cupsieger die prallen Honigtöpfe der Uefa Wunschtraum: Stattdessen muss er in der zweiten Qualifikationsrunde der neuen Conference League antreten, deren Notwendigkeit und Attraktivität Wundertüten sind.

Cupprämien in den vergangenen Jahren eingebrochen
Auch der heimische Verband ist nicht mehr spendabel wie einst, was daran liegt, dass die Cupsponsoren schon vor der Coronapandemie abgesprungen sind. Warum? Ist es die Lieblosigkeit, mit welcher der Verband seinen wichtigsten Wettbewerb behandelt? So hat der Cup seit dieser Saison keinen Titelsponsor mehr. Für Nostalgiker wohltuend, aus marketingtechnischer Sicht aber ein Armutszeugnis. Gerade in Zeiten, in denen das AMA-Säulirennen vom Metzger nebenan präsentiert wird.

Bis 2016 waren im Schweizer Cup dank Titelsponsor «Helvetia» die Finalqualifikation und der Sieg je 300000 Franken wert – seither noch einen Drittel. Zwei Drittel weniger gibt es seither für Halb- und Viertelfinalqualifikation (50000 beziehungsweise 25000 Franken). Zum Vergleich: In Deutschland, wo der Cup vom nationalen Fussballverband und vom TV gepusht wird, gibt es alleine für die Teilnahme an der ersten Hauptrunde 150000 Franken.

Für den Einzug in die Achtelfinals hat der FC Aarau 12500 Franken auf sicher – immerhin, in Coronazeiten aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Das Gleiche gilt für die Verdoppelung der Prämie, sollte der FC Sion besiegt werden: 25000 Franken sind besser als nichts, doch besser schlafen die FCA-Verantwortlichen deswegen nicht. Immerhin: Weil der SFV wegen fehlender Sponsoren die Werbeflächen im Stadion nicht für sich beansprucht, konnten diese für das Cupspiel, das die welsche Abteilung des SRF live überträgt, vom FCA verkauft oder langjährigen Sponsoren gratis zur Verfügung gestellt werden. Doch es gibt finanziell auch einen grossen Wermutstropfen: Kein einziges Ticket darf verkauft werden. Und vom Staat gibt es keine Entschädigung für entgangene Cup-Einnahmen, sondern nur für die Meisterschaft.

Abend mit Ligabetrieb und etwas Cup statt Cupabend
Einen letzten Beweis für das Schattendasein des Cup-Wettbewerbes lieferte der 1. Februar. Vor neun Tagen vermeldete die Swiss Football League die Neuansetzung einiger wegen Corona ausgefallenen Spielen: Drei Super-League-Partien finden nun am 10. Februar statt. Das Datum, an dem seit langem die Cup-Achtelfinals angesetzt sind. Doch die Liga darf den Spieltermin mir nichts, dir nichts übernehmen, so dass heute aus einem Cupabend ein Abend mit drei Ligaspielen und ein wenig Cup wird. Drei der restlichen sieben Achtelfinalpartien sind einzeln in den nächsten Wochen angesetzt, wenns vom Ligaspielplan her grad passt. Bei einem ist noch kein Spieldatum fixiert, bei dreien steht die Durchführung aus obengenannten Gründen in den Sternen.

Der Cup, nur noch Alltag statt Festtag. Im Brügglifeld hielt sich in den vergangenen Tagen die Aufregung vor dem Duell gegen Sion in Grenzen. Bleibt zu hoffen, dass das «Business as usual» den Aarauer Spielern im Duell gegen den Cupriesen Sion im Sinne einer Aufregungsbremse entgegenkam.

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