Ohne Impfpass keine Sommerferien an den Stränden Europas

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Geimpfte können auf freie Sommerferien hoffen. (Karikatur: Silvan Wegmann)

Wetten, dass Sie im Sommer nicht nach Italien in die Ferien reisen, ohne gegen Covid-19 geimpft zu sein? Und ohne Impfpass auch nicht nach Neuseeland fliegen, das argwöhnisch darüber wacht, keine Infizierten ins Land zu lassen? Eine Reise- und Quarantänefreiheit wird im Sommer ohne Impfung wohl kaum zu haben sein.

In diese Richtung zeigen die Meldungen, welche dieser Tage beispielsweise in den britischen Medien zu lesen sind. Demnach denkt die britische Regierung über Impfpässe nach, die es ihren Bürgerinnen und Bürgern erlauben sollen, im Sommer ohne Quarantäne nach Griechenland zu reisen. Der «Times» sagten Tourismusbeamte, dass britische Touristen bereits im Mai dort einreisen dürften. Für beide Länder wäre das ein Gewinn, weil die zwei Millionen Briten, die jährlich nach Griechenland reisen, viele Milliarden Euro ins Land bringen.

Briten erhalten QR-Code als Impfbescheinigung

Auch der ehemalige Premierminister Tony Blair, der heute Covid-19-Berater der Regierung ist, hält einen Impfpass für den einzigen Weg, um Menschen wieder internationale Reisen zu ermöglichen.

Die britische Regierung sehe sich zudem ermutigt, weil verschiedene Studien nun zeigten, dass die Impfung nicht nur die Krankheit verhindere, sondern auch die Übertragung des Virus reduziere. Am Dienstag schrieb die «Daily Mail», dass geimpfte Briten schon nächsten Monat scannbare QR-Codes erhalten würden, der es ihnen ermögliche, mit einem «Impfpass» ins Ausland zu reisen.

Britische Turbo-Impfer

Die britische Regierung erwartet, dass mehrere Länder in Zukunft auf einen Nachweis der Impfung als Einreisebedingung bestehen werden. Die Briten sind gut im Rennen und gehören zu den Turbo-Impfern. Sie gehen davon aus, dass bis Ende Mai alle Erwachsenen geimpft sein könnten. Zehn Millionen Einwohner sind es bereits, 15 Prozent der Bevölkerung.

Auch der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hat bereits vor einem Monat einen «Impfpass» in einem Brief an die EU-Kommission vorgeschlagen. Aktuell verlangen die griechische und die zyprische Regierung, dass gegen Covid-19 geimpfte EU-Bürger eine EU-weit gültige Impfbescheinigung erhalten sollen. «Das ist, was wir von der EU fordern», sagte Mitsotakis nach einem Treffen mit dem zyprischen Staatspräsidenten Nikos Anastasiades im zyprischen Staatsfernsehen. Mit dieser Impfbescheinigung könnte man den für Zypern und Griechenland sowie viele andere Staaten Europas wichtigen Wirtschaftsbereich des Tourismus ankurbeln.

Ein Korridor für die Geimpften

Verschiedenen europäischen Ländern schwebt ein Zertifizierungssystem vor, einige haben schon einen Impfpass eingeführt. Israel und Griechenland planen, eine Art Korridor für die Geimpften zu bilden. Wer demnach eine Impfbescheinigung hat, wird ohne Quarantäne oder andere Einschränkungen zum jeweils anderen Land reisen können.

Ab wann dies gelten soll, ist bis heute noch unklar. Dänemark hat vergangene Woche Pläne für einen digitalen Impfpass vorgelegt, um Dienstreisen zu erleichtern. Der digitale Impfausweis soll auf dem Smartphone an der Grenze vorgezeigt werden können. Auch Schweden will bis zum 1. Juni eine digitale Infrastruktur für einen Impfausweis erstellen.

Island hat schon einen Impfpass

Island hat den Impfpass schon. Wer geimpft ist, kann sich elektronisch ein Zertifikat herunterladen, das die beiden erhaltenen Corona-Impfungen bestätigt. Erleichterungen gibt das bisher erst beim Reisen: Die Quarantäne- und Testpflicht bei der Rückkehr aus dem Ausland entfällt. Island akzeptiert auch ausländische Impf-Zertifikate, weswegen geimpfte Dänen ohne Quarantäne mit den Ferien beginnen können.

Polen ist auch schon weit und bevorteilt Geimpfte bereits seit Ende Dezember. Und zwar mit der Befreiung von der Quarantäne und Erleichterungen bei privaten Treffen, Geimpfte zählen nicht als Kontaktpersonen. Auch in Rumänien gibt es bereits solche Vorteile und Estland hat die vollständige Einreisefreiheit für Geimpfte Anfang dieses Monats eingeführt.

Der Bund hingegen hat in dieser Frage noch keine Strategie. Schon weiter ist aber der Kanton Graubünden. Wer geimpft ist oder in den letzten drei Monaten an Corona erkrankte, ist von der Test- und Quarantänepflicht ausgenommen. Gemäss Daniel Camenisch von der Kommunikationsstelle Coronavirus Kanton Graubünden sind Reisende aus Risikoländern aber nur unter bestimmten Voraussetzungen von der Quarantänepflicht ausgenommen.

Für Befreiung muss im Bündnerland Nachweis vorgelegt werden

Genesene Covid-19-Patienten werden dabei nicht ganz gleich wie geimpfte Menschen behandelt. «Personen, die sich innerhalb der vergangenen drei Monate vor der Einreise in die Schweiz mit Sars-CoV-2 angesteckt haben und als geheilt gelten, können von der Test- und Quarantänepflicht ausgenommen werden, wenn sie einen entsprechenden Nachweis vorlegen», erklärt Camenisch. Dieser Nachweis könnte zum Beispiel in Form eines ärztlichen Attests, einer Bestätigung eines Arztes oder mittels Laborbestätigung erbracht werden.

Bei Geimpften wird im Einzelfall entschieden

Wer bereits beide Impfdosen erhalten hat, wird erst nach Prüfung der konkreten Umstände beziehungsweise des konkreten Einzelfalles von der Test- und Quarantänepflicht befreit. Camenisch erklärt: «Der Nachweis diesbezüglich ist ebenfalls durch ein ärztliches Attest, einer ärztliche Bestätigung oder mittels des Impfausweises zu belegen.» Hervorzuheben sei, dass Menschen, die aus Hochrisikoländern in den Kanton Graubünden einreisten, im Regelfall keine Ausnahmen gewährt würden.

Rechtlich sei diese Massnahme abgesichert und in der Covid-19-Verordnung explizit vorgesehen bei den Massnahmen im Bereich des internationalen Personenverkehrs. Und bei den Geimpften werde jeder Einzelfall genauestens geprüft.

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