EHC Olten: Jewgeni Schirjajews Transfer als Wink mit dem Zaunpfahl

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Zaubert ab der kommenden Saison wohl im Dress des EHC Visp: Jewgeni Schirjajew (rechts). (Bild: freshfocus)

Vier Swiss-League-Teams haben letzte Woche grünes Licht für einen allfälligen Aufstieg in die National League erhalten: der EHC Kloten, der HC Ajoie, der EHC Visp und der EHC Olten. In der aktuellen Tabelle sind diese Mannschaften nach Punkteschnitt auf den Plätzen 1 (Ajoie), 2 (Kloten), 7 (Olten) und 8 (Visp) klassiert. Wir erinnern uns: Sollte eine dieser vier Equipen am Ende der Saison den Meistertitel feiern, wird sie ohne Liga-Qualifikation automatisch den Aufstieg in die höchste Klasse schaffen.

Alle vier Mannschaften bewegen sich in einem hockeybegeisterten Umfeld, verfügen über eine gute Infrastruktur (Ajoie und Visp mit brandneuen Hallen), haben Tradition und eine gute Fanbasis. So weit, so gleich. Legt man nun den Fokus auf den EHC Olten, erkennt man einen gravierenden Unterschied zu den anderen drei Teams: die Finanzen. Während an den anderen drei Standorten kräftig in die Qualität der Mannschaft investiert wurde und wird, kam in Olten der Sparhammer zu Anwendung. Sportchef Marc Grieder musste das Team massiv verbilligen.

Der bevorstehende Abgang von Jewgeni Schirjajew ist diesbezüglich symptomatisch. Der Mittelstürmer ist einer der besten Schweizer Spieler in der zweithöchsten Spielklasse. Und entsprechend teuer. So teuer, dass sich Grieder genötigt sah, von sich aus aus dem noch ein weiteres Jahr laufenden Vertrag auszusteigen. Nach dem Ende der aktuellen Meisterschaft wird Schirjajew also seine Koffer packen und vermutlich zum EHC Visp wechseln, wo er dem Vernehmen nach ein lukratives Angebot erhielt.

In den letzten drei Jahren hat der EHC Olten mit Spielern wie Anthony Rouiller, Daniel Eigenmann, Tim Grossniklaus, Riccardo Sartori, Stan Horansky, Martin Ulmer, Marco Truttmann, Stefan Mäder oder Lukas Haas eine ganze Wagenladung an Lohnsumme eingespart, aber entsprechend auch an Talent eingebüsst. Ersetzt wurden diese Spieler fast ausschliesslich durch «Billiglösungen» oder Spieler, denen man Potenzial attestierte, aber keinerlei Garantie hatte, dass sie es auch ausschöpfen. Und bei den wenigen «fertigen» Akteuren, die den Weg nach Olten fanden, hatte Grieder nur bedingt ein glückliches Händchen. Man muss an dieser Stelle in aller Deutlichkeit festhalten: Der EHCO- Sportchef hat aus seinen für Swiss-League-Verhältnisse vergleichsweise immer noch guten Möglichkeiten sicher nicht das Optimum herausgeholt. Gerade wenn man den Blick zum Rivalen nach Langenthal richtet.

Auf der anderen Seite haben die anderen aktuellen und zukünftigen NL-Kandidaten Kloten, Ajoie und Visp mächtig in Qualität investiert und werden es auch weiterhin tun – siehe Schirjajew und Visp. Die Strategie ist klar: Nur mit absoluten Klassespielern, die ihr Geld kosten, kann man ganz vorne mitreden. Entsprechend wird das Budget aufgestockt oder andere Wege gefunden, ein Spitzenteam zu alimentieren.

In Olten hat man das vor ein paar Jahren bekanntlich auch versucht, mit dem ebenso bekannten Resultat: Der Klub ist haarscharf am finanziellen Kollaps vorbeigeschrammt. Logisch, versucht die neue Führung unter VR-Präsident Marc Thommen und CEO Patrick Reber alles, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Damit das gelingt, musste gespart werden – besonders bei den Personalkosten. Die besten und teuersten Spieler mussten abgegeben werden. Auch die wohl zum Scheitern verurteilte Lösung mit Sportchef Marc Grieder als Assistenz-Trainer war letztlich eine mit finanziellen Hintergedanken.

Wer spart, muss seine Ziele und die Perspektiven anpassen. Hier offenbart sich das Hauptproblem des EHC Olten. Man verkauft sich gegen aussen immer noch gerne als ambitionierter Swiss-League-Klub, der den Blick auf die Spitze gerichtet hat und sich sogar für die National League bewirbt. Doch die Handlungen auf und neben dem Eis erzählen eine ganz andere Geschichte. Und spätestens da geht die Rechnung nicht mehr auf. Entsprechend gross ist der Volks- bzw. der Fanzorn, wenn dann auch noch ein Publikumsliebling wie Schirjajew an die direkte Konkurrenz abgegeben wird.

Es ist völlig legitim und auch vernünftig, dass man die Kosten in den Griff bekommen wollte und will. Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man unter diesen Umständen immer noch dieselben Ansprüche stellt und nicht kommuniziert, dass man auf absehbare Zeit kleinerer Brötchen backen will und muss.

Der Abgang von Jewgeni Schirjajew ist der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl. Spätestens jetzt sollte jeder bemerkt haben, dass der EHC Olten alles ist, nur kein absolutes Spitzenteam, geschweige denn ein Aufstiegskandidat. Das ist die Realität – schlicht und einfach.

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