50 Jahre Kleine Bühne Zofngen: Die Initianten trotzten grossen Widerständen

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Der siebenköpfige Vorstand der Kleinen Bühne Zofingen 1991 beim 20-Jahr-Jubiläum, hintere Reihe von links: Ruth Bühler, Hanni Rietschi, Rosina Felber, Walter Ponte. Vordere Reihe von links: Manfred Wullschleger, Peter Näf, Marlise Egger. Bilder: zvg
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So präsentierte sich eines der ersten Programmhefte.

50 Jahre ist es her, seit Peter Näf an der Gründungsversammlung der Kleinen Bühne Zofingen mitwirkte. Der heute 74-Jährige hat mittels Inserat im Zofinger Tagblatt Interessierte in die Schützenstube eingeladen. In einem Votum an der Gründungsversammlung hiess es: «Der Spielbetrieb wird sich irgendwie zwischen Heimattheater und extremen Happenings abwickeln.» Etwas nüchterner tönt es später in den Statuten unter «Art und Zweck»: «Der Verein Kleine Bühne Zofingen bezweckt die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen im Rahmen eines Kleintheaters.»

Politische Unterstützung aus dem Einwohnerrat

Zwischen 1973 und 1996 amtete Peter Näf als dritter Präsident des Vereins. Anschliessend betreute er bis 2003 noch das Sekretariat und das Ressort Theater/Kabarett. «Fast mein halbes Leben hat sich um die Kleine Bühne gedreht», sagt Näf, der nichts an Enthusiasmus eingebüsst hat, wenn er darüber redet. Sein Archiv ist voll mit Fotos und Zeitungsartikeln, die er in Ordnern abgelegt hat. Es gab keine Rezension eines Auftritts in der Kleinen Bühne, die er nicht aufbewahrt hat. «Damals herrschte Aufbruchstimmung und es war nicht so depressiv wie heute wegen des Coronavirus», sagt Näf und lacht. Tatsächlich hätte die Kleine Bühne Zofingen ein Jubiläumsprogramm auf die Beine gestellt, das aber dem Virus zum Opfer fiel (wir berichteten).

1970 sass Peter Näf bereits im Einwohnerrat als Mitglied der Gruppierung «Aktives Zofingen», die es sich unter anderem auf die Fahne geschrieben hatte, sich für die Gründung eines Kellertheaters zu engagieren. Die Gruppierung hatte sich zum Ziel gesetzt, jungen Leuten eine Stimme im Einwohnerrat zu verschaffen, ohne dass diese bereits in eine etablierte Partei eintreten mussten. Ein Slogan im Wahlkampf 1969 war: «500 Stimmberechtigte unter 30 Jahren und kein Vertreter im Einwohnerrat.» Das sollte sich ändern. Auf Anhieb wurden fünf Kandidaten in den Rat gewählt. Näf war erster Ersatzkandidat und rutschte bereits nach einem Jahr nach.

Der Franke-Preis 1984 war für Peter Näf ein Ansporn

Doch der Anfang war schwer. Immer wieder sagt Peter Näf: «Sie können sich nicht vorstellen, welche Widerstände es in Zofingen gab!» Dass bis 1981 das Kellertheater die Räume mit der Diskothek «Circle» teilen musste, führte zu ständigen Koordinationsproblemen und Verschleiss beim Mobiliar. Selbst als 1982 die Disko einen eigenen Kellerraum erhielt, mussten weiterhin der Haupteingang, die Garderobe sowie die Toilettenanlagen gemeinsam benützt werden. «Manchmal hatte ich wirklich den Eindruck, die Stadt mache alles, um eine gedeihliche Entwicklung von neuen Initiativen zu verhindern. Es war ein enormes Misstrauen und Angst vor der Jugend da», erinnert sich das Gründungsmitglied.

Als Peter Näf 1973 die Leitung der Kleinen Bühne übernahm, war ihm bewusst, dass er in den nächsten Jahren mit konstanter und seriöser Arbeit die Lage stabilisieren und diese Ängste abbauen will. Zum Glück gab es trotzdem Leute aus dem Bürgertum, die sahen, wie viel Arbeit in der Aufrechterhaltung eines Kleintheaters mit 30 bis 40 Veranstaltungen pro Saison steckte. 1984, nach elfjähriger «Knochenarbeit», wie Peter Näf es nennt, würdigte die Franke-Stiftung diese Leistung mit dem Franke-Preis (dotiert mit 3000 Franken). «Für mich kam das völlig überraschend, doch es war ein Ansporn, weiterzumachen», sagt er.

Dass damit aber nicht alles Misstrauen verschwunden war, zeigt eine kleine Episode aus dem Jahr 1989. «Wir hatten die ersten drei Lesungen im ‹Café Littéraire› unter dem Titel ‹Schweiz – Utopien und Grenzen› mit drei prominenten Autoren geplant: Niklaus Meienberg, dem Philosophen Hans Saner und Roman Brodmann. Dies im Vorfeld der Abstimmung vom 26. November 1989 über die Armeeabschaffungsinitiative. Im Stadtrat wurde das offenbar zum Thema. Man drohte uns mit Subventionskürzungen», erzählt Näf. Die Lesungen fanden natürlich trotzdem statt, die Subventionen wurden nicht gekürzt. «Wir sahen uns nie als Gefahr, wir wollten einfach mit hellen Köpfen und wachem, kritischem Geist mehr Leben in diese Kleinstadt bringen. Und meinen Militärdienst habe ich als pflichtbewusster Bürger ebenfalls geleistet», sagt Näf.

Die Veranstaltungen bis Ende Februar 2021 sind abgesagt. Aktuelle Informationen über den weiteren Spielbetrieb sind auf der Website der ­Kleinen Bühne zu finden: www.kleinebuehnezofingen.ch

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«Es war ein enormes ­Misstrauen und Angst vor der Jugend da.» Peter Näf, Gründungsmitglied
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Berichterstattung von der Eröffnung im Zofinger Tagblatt (kpe)
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Berichterstattung von der Eröffnung im Zofinger Tagblatt (kpe)
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