Hat nicht nur die Wirtschaft Nachholbedarf?

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss

Pascal Kamber: Sollen Frauen gleich viel verdienen wie Männer? Nur schon die Tatsache, dass im 21. Jahrhundert diese Frage gestellt werden muss, zeigt, wie rückständig wir Menschen in manchen Bereichen doch sind. Ich sehe nicht ein, wieso eine Frau für eine gleichwertige Arbeit weniger Lohn erhalten soll als ein Mann. Diese Ansicht teile ich auch betreffend Profisport: An der Fussball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland kassierte Sieger Frankreich 34 Millionen Franken für den Titel. Ein Jahr später schüttete der Weltfussballverband Fifa beim Turnier der Frauen knapp 27 Millionen Franken aus – als Gesamtsumme für alle 24 teilnehmenden Teams. Die USA als Gewinnerin bekam 3,6 Millionen für ihren Finalsieg, also etwa zehnmal weniger. Dabei wurden beide Endrunden nach den gleichen Regeln durchgeführt. Wieso braucht es dann unterschiedliche Gehälter für die Geschlechter?

Michael Wyss: Ich bin absolut dafür, dass Frau und Mann gleich entschädigt werden. Ebenso finde ich es stossend, dass Menschen, die im gleichen Unternehmen etwa gleich viele Stunden arbeiten teilweise nicht annähernd gleich viel Lohn ausbezahlt bekommen. Selbstverständlich hat die Ausbildung und das Übernehmen von Verantwortung seinen Preis, aber ist es wirklich angebracht, dass der Oberste im Vergleich zum Untersten bis zu 400-mal mehr erhält? Zurück zum Sport: Wie überall bestimmen auch hier Angebot und Nachfrage die Parameter. Wenn also 100 Firmen den Männerfussball unterstützen wollen und nur 10 die Frauen, kann die Verdienstmöglichkeit nicht gleich sein. Mir ist klar, dass das nicht zuletzt mit der Medienpräsenz zusammenhängt und die angepasst werden könnte, aber nicht grenzenlos. Als Fussballer kann ich schliesslich auch deutlich mehr verdienen als als Wasserballer.

pka: Genau deshalb sind die Verbände wie die Fifa gefordert. Die Bosse könnten bei der Verteilung der Gelder jene Bedingungen schaffen, damit sich Mann und Frau zu gleichen Teilen am Honigtopf bedienen dürfen. Leider machen sie das Gegenteil: Das Preisgeld der Frauen-WM 2023 verdoppelt sich auf 54 Millionen Franken, für die Männer stehen ein Jahr später in Katar aber 395 Millionen zur Verfügung – 40 mehr als 2018. Die Schere wird also noch grösser. Unmöglich wäre der Entscheid nicht: Im Tennis verdienen Männer und Frauen bei allen vier Grand-Slam-Turnieren jeweils gleich viel.

mwy: Das ist das perfekte Beispiel dafür, dass eben nicht immer alles miteinander verglichen werden kann und die Männer bei gewissen Berechnungen sogar den Kürzeren ziehen. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Matchdauer der Viertelfinals an den Australian Open 2021 einander gegenübergestellt. Die vier Partien der Frauen haben im Schnitt 91 Minuten gedauert, die der Männer 183 – also mehr als doppelt so viel. Wenn wir also ganz gerecht sein möchten und den Stundenlohn ausrechnen, wurden die Frauen deutlich besser entlöhnt. Dieses Beispiel zeigt ganz gut die Schwierigkeiten, wenn man Äpfel mit Birnen vergleichen will.

pka: Es allen gerecht zu machen ist in der Tat ein aussichtsloses Unterfangen. Wenn sich die Verantwortlichen aber mindestens ansatzweise um eine Lohngleichheit von Frau und Mann bemühen würden, wäre schon viel erreicht.

mwy: Ich gehe noch einen Schritt weiter: Eine grundsätzlich bessere Verteilung der Gelder, die in den Sport fliessen, wäre durchaus machbar. Und wohl nur die Grossverdiener hätten Mühe damit.

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