Betrug, Konkurse, offene Rechnungen – Zofinger Abfall-Unternehmer weist Vorwürfe von sich

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Das Geschäft mit den Multibag-Recyclingsäcken hat David Gloor aufgegeben. Bild: zvg

Knall auf Fall zog die Zofinger Firma NTPK AG vergangenen September ihren umstrittenen Recycling-Sammelsack «Multibag» zurück – nur einige Wochen, nachdem sich Geschäftsführer David Gloor mit der Stadt Baden angelegt hatte. Diese hatte ihn zur Einstellung seiner Dienstleistung aufgefordert – was für ihn nicht in Frage kam.

Geschäftsführer David Gloor versprach den Kunden nach dem Multibag-Ende per SMS, dass ihnen bereits bezahlte Gebühren für den Sammelsack zurückerstattet werden. Doch das waren wohl leere Versprechungen, wie sich jetzt zeigt. Einige Kunden aus der Region Baden-Zurzibiet bestätigten der AZ, keine Rückzahlung erhalten zu haben.

Die Beträge liegen bei 30 bis 150 Franken. «Nach der Meldung zum Ende des Multibags schrieb ich das Geld ab», sagt eine Frau. Sie war eine von 250 Kundinnen und Kunden aus dem Aargau. Beim häufigsten Abo wurde der gefüllte Sammelsack einmal pro Monat abgeholt.

Andreas Schollenberger ist der Inhaber des Kleinunternehmens Schollenberger Recycling aus Zürich, welche das Angebot des Multibag-Sammelsacks von der NTPK AG übernahm. Der Sack heisst aber nicht mehr Multibag und ist gelb statt blau. Schollenberger sagt: «Bei uns haben sich viele Multibag-Kunden beklagt, dass die versprochenen Rückzahlungen ausgeblieben sind.» 

Schollenberger Recycling sammelte vor der Übernahme rund ein Jahr lang als Subunternehmer der NTPK die Multibag-Sammelsäcke bei den Kunden ein. Andreas Schollenberger wartet auf eine Zahlung von Gloors Firma. Sie schulde ihm für die Dienstleistungen rund 3800 Franken. Nachdem Gloor einen Termin vor dem Friedensrichter platzen liess, will er das Geld nun juristisch erstreiten.

Gloor dagegen sagt zu den Rückforderungen der Kunden: «Herr Schollenberger hat die Verträge mit den Kunden übernommen und macht die Leistungen zu Ende.»

Zu Schollenbergers Forderungen sagt Gloor: «Die Rechnungen wurden annulliert. Im Gegenzug erhielt Herr Schollenberger alle Kundendaten, und er konnte Multibag fortführen mit den bestehenden Kunden.» 

Schollenberger bestätigt, dass Gloor ihm die Kundenliste gegeben habe – allerdings ohne etwas dafür zu fordern. Schollenberger legt E-Mails vor von Kunden, die ein neues Abo bei ihm lösten. Aus ihnen geht hervor, dass sie Multibag-Guthaben hatten, die Rückzahlung aber nicht von Schollenberger erwarteten.

Kann Gloor Unterlagen vorlegen, die seine Version bestätigen? Er antwortet: «Leider dürfen wir keine internen Dokumente herausgeben.» Schollenberger führt aus, er habe anfangs «aus Kulanz» bereitgestellte Multibag-Sammelsäcke mitgenommen. Gloor habe seine Behauptungen aber Kunden mitgeteilt, die sich dann bei ihm beschwerten. Schollenberger sagt: «Herr Gloor will sich so aus der Affäre ziehen, um keine Rückzahlungen leisten zu müssen und meiner Firma die Schuld zuzuweisen. Die Wahrheit sieht aber anders aus.»

Er habe nun eine Anzeige wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. David Gloor ist erst 23 Jahre alt, war aber schon Inhaber oder zumindest Geschäftsführer von einigen Unternehmen in der Abfall- und Transportfirma. Auffällig: Fünf dieser Firmen gingen Konkurs. Das sind:

  • Hocker Recycling – CST Hub GmbH
  • AL-KO Dienstleistungs GmbH (vormals Hocker Recycling GmbH)
  • 1976 GmbH
  • NTPK Umweltservice GmbH
  • Cremo Handels GmbH (vormals NTPK International GmbH)

Über die Gründe äussert er sich auf Anfrage nicht. Die 1976 GmbH ging Konkurs, nachdem er aus dieser Firma ausgeschieden war. Dagegen bestätigt Alex Dutler, Sprecher der Staatsanwaltschaft der AZ: «Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führt im Zusammenhang mit den Konkursen der NTPK Umweltservice GmbH und der Cremo Handels GmbH eine Strafuntersuchung wegen Betrugs und Konkursdelikte.» Beide Firmen hatten Sitz in Zofingen. David Gloor reagiert mit folgender Stellungnahme: «Dies ist uns nicht bekannt.» 

Bekannt sein dürften ihm dagegen die hohen Forderungen, die Gläubiger an die NTPK AG stellen. Ein Betreibungsregisterauszug zeigt: In Jahren 2019 und 2020 wurde die Firma 16-mal betrieben – die Summe der Forderungen liegt bei über 87’000 Franken.

Noch höher sind die Forderungen an die Arida GmbH aus Arth SZ, deren einziger Verwaltungsrat David Gloor ist. Ein Betreibungsregisterauszug von Mitte Dezember weist Forderungen von über 150'000 Franken aus. Teilweise wurden Betreibungen und Pfändungen eingeleitet.

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