Wo die grossen Aargauer Vermieter Gewerblern in der Krise entgegenkommen – und wo eher nicht

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Viele Unternehmen traf Corona und die behördlich verordnete Schliessung hart. Der Hauseigentümerverband rät seinen Mitgliedern, sich mit solchen Mietern solidarisch zu zeigen. Bild: Manuela Jans-Koch

Erst der Lockdown, dann der Shutdown – das Coronavirus hat das Gewerbe, Industrie und zahlreiche andere Branchen hart getroffen. Die Krise hat die Wirtschaft fest im Griff. Und gerade in solchen Zeiten hat ein Wort Konjunktur, das ansonsten vor allem von linken Kreisen bemüht wird: Solidarität. Von den Jungen mit den Alten, den Armen mit den Reichen, den Glücklichen mit den Gebeutelten. 

Die Aargauer Kantonalbank (AKB) machte Mitte Februar bekannt, gewerbetreibenden Mietern im Frühling 2020 und in den ersten Wochen 2021 je rund sechs Wochen Miete zu schenken. Das ist eine schöne Geste. Die noch schöner wurde, weil einzelne Gewerbetreibende zugunsten anderer verzichteten, die das Geld in der Coronakrise noch nötiger hatten.

Folgen andere dem AKB-Beispiel? Jeanine Glarner, Präsidentin des Hauseigentümerverbands (HEV) Aargau und FDP-Grossrätin, sagt: «Wir waren ganz klar gegen eine gesetzlich verordneten Reduktion der Geschäftsmieten.» Man müsse immer die jeweilige Situation von Vermieter und Mieter betrachten. Aber sie betont: «Wenn wir angefragt wurden, haben wir immer dazu aufgerufen, solidarisch mit den Mietern zu sein. Dort, wo das möglich und notwendig ist.»

Das ist schön, aber nicht ganz uneigennützig. Je nach Liegenschaft und Mieter dürfte es in der momentanen Situation schwer sein, einen Nachmieter zu finden. Oder teuer, wenn die Liegenschaft renoviert oder umgebaut werden müsste.

Die Haltung des HEV Aargau ist nachvollziehbar. Einige Vermieter sind auf Geld angewiesen. Um Hypotheken abzuzahlen zum Beispiel. Andere sind das weniger. Meist die grösseren Immobilienbesitzer, Pensionskassen zum Beispiel. Und dann gibt es ja auch noch Branchen und Unternehmen, durchaus auch sehr grosse Unternehmen, die von der Krise weniger hart getroffen wurden, die immer noch Gewinne schrieben oder schlicht grössere Reserven haben als andere.

Beginnen wir bei den Pensionskassen, konkret bei der grössten des Kantons, der Aargauer Pensionskasse (APK). Man sei zum grössten Teil im Besitz von Wohnliegenschaften und die eingemieteten Geschäfte seien, so der Kenntnisstand, nicht oder nur am Rande von der Corona-Krise betroffen, so Frank Meisinger, Leiter Vorsorge bei der APK. Und weiter: «Sollte die Krise andauern und unsere eingemieteten Firmen dadurch in Schwierigkeiten kommen, sind wir offen für einen Dialog.»

GastroSocial, die Pensionskasse der Gastronomiebetriebe, hat ihren Hauptsitz in Aarau. Wie die APK gehört sie zu den grössten Kassen des Landes und wie die APK hat man nur wenige Geschäftsliegenschaften im Portfolio. Aber bei den eingemieteten Unternehmen habe man tatsächlich mit einigen Diskussionen gehabt und individuelle Lösungen gefunden. Felix Schwan, Geschäftsleitungsmitglied, sagt:

«Wir sind in einer heiklen Position. Bei unseren Mitgliedern müssen wir die Prämien in Rechnung stellen und dürfen ihnen nicht entgegenkommen. Im Gegenteil, wir müssen auch mahnen. Da können wir bei den Mietern, wo das Geld angelegt ist, nicht zu sehr nachgeben. Das würden die Mitglieder nicht goutieren. »

Die Pharmariesen und ihr Beitrag in der Krise

Auch die Pensionskasse der Roche hat mit hart von der Krise getroffenen Mietern individuelle Lösungen gesucht. Es seien aber Einzelfälle gewesen. Zudem habe das Pharmaunternehmen selbst «eine ganze Reihe zuverlässiger Lösungen für die Diagnose von Covid-19 zur Verfügung gestellt», teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Die Corona-Tests würden zudem laufend weiterentwickelt, genauso Behandlungen.

Natürlich war auch das Geschäft der Pharma von Corona beeinträchtigt. Wie selbstverständlich hat man aber trotz Krise immer die Versorgung mit zahlreichen lebenswichtigen Medikamenten und Diagnosetools sichergestellt. Ganz ähnlich die Novartis. Zudem erfahren wir von Sprecherin Anna Schäfers, dass das Unternehmen nicht nur das Schweizerische Rote Kreuz finanziell unterstützt hat, sondern auch bei der Gründung einer Stiftung des Gewerbeverbands Basel einen grossen finanziellen Beitrag gesprochen hat. Um lokale KMUs zu unterstützen.

Zudem habe man Schutzkleidung und -masken an verschiedene bedürftige Einrichtungen geliefert. Und man engagiert sich in Projekten mit der Universitätsspitälern Basel und Zürich, der Universität Basel oder dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut.

90'000 Franken für Aargauer Firmen auf Crowdfunding-Plattform generiert

Auch die Grossbanken, UBS und Credit Suisse, geben an, mit ihren Geschäftskunden individuelle Lösungen zu suchen, wo das nötig ist. UBS-Regiodirektor Thomas Sommerhalder sagt: «Natürlich sind wir daran interessiert, die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Situation abzufedern und somit auch einen Interessensausgleich zu finden.» Die Mittel, die zum Einsatz kommen: Mietzinsstundung und insbesondere für sehr kleine Betriebe und Selbstständige Mietzins- oder Teilmietzinserlass.

Die Raiffeisenbanken im Kanton Aargau hätten auch Mietzinsen für Gewerbetreibende erlassen, sagt Sprecher Jan Söntgerath. Darüber hinaus haben sie aber auch Gutscheine an Kundinnen und Genossenschafter verteilt, die beim lokalen Gewerbe eingelöst werden können. Und man habe die Crowdfunding-Plattform lokalhelden.ch Schweizer KMU für einen befristeten Zeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Söntgerath:

«Seit der Lancierung im März 2020 konnten schweizweit rund 300 Unternehmen mit über 1,7 Millionen Franken unterstützt werden. Im Kanton Aargau konnten mit insgesamt 15 solcher Projekte 90‘000 Franken gesammelt werden.»

Zu guter Letzt die ABB. Man nutze die im Besitz der Firma stehenden Liegenschaften grösstenteils selbst, teilt Ursula Nötzli, Leiterin Kommunikation, auf Anfrage mit. Man habe sich aber insofern solidarisch zeigen können, als dass das Covid-Testcenter in Baden in den Räumlichkeiten der ABB untergebracht sei. «Damit konnte die Test-Kapazität des Kantons deutlich ausgebaut werden», so Nötzli.

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