Corona-Rückblick: «Eine spezielle Situation, aber keine Pandemie»

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Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Kantonsärztin Yvonne Hummel informieren über das Veranstaltungsverbot. Gallati hält die Verordnung des Bundesrates in die Luft. Bild: Andre Albrecht

Das Setting ist irritierend. Am 25. Februar 2020 waren Dieter Wicki, Leiter Bevölkerungsschutz beim Kanton; Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands und Christoph Fux, Chefinfektiologe am Kantonsspital Aarau (KSA), zu Gast im «Talk Täglich» auf Tele M1. Die drei Gäste und Moderator Adrian Remund sassen an einem Tisch – ohne Mundschutz und ohne Abstand. Sie sprachen über das Coronavirus und darüber, was auf uns zukommen könnte: Lareida sagte, man wisse noch nicht genug, um zu beurteilen, wie gross das Risiko sei, dass sich eine Pandemie entwickle, die tatsächlich riesige Bevölkerungsteile betreffe. Er sagte: «Ich glaube, man muss jetzt einen kühlen Kopf bewahren und nicht in Panik verfallen.»

Es handle sich aktuell um eine «spezielle Situation, aber keine Notlage oder Pandemie», sagte Dieter Wicki. Es könne sein, dass Grenzen geschlossen werden müssten oder Veranstaltungen, wie ein Match des FC Aarau abgesagt werden könnten. Er klang aber nicht, als würde er damit rechnen.

Drei Tage später kommt das Veranstaltungsverbot

Tatsächlich dauerte es nur drei Tage, bis der Bundesrat Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagte. Der Aargau entschied sich zudem für eine Bewilligungspflicht für Veranstaltungen ab 150 Teilnehmern. Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati sagte am Point de Presse vom 28. Februar 2020, mit der Bewilligungspflicht und dem Verbot von Grossveranstaltungen wolle man erreichen, dass sich das Virus nicht ganz so schnell verbreiten kann. Er sagte aber auch: «Dass man das Virus nicht völlig unterbinden oder unterdrücken kann, ist aber jedem – auch dem Bundesrat – klar.»

Die Aargauerinnen und Aargauer sollen sich verhalten, wie sie es bisher gemacht hätten, sagte Kantonsärztin Yvonne Hummel damals: «Wer Grippe hat oder sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben.» Dadurch könnten Neuansteckungen verhindert und die Bevölkerung besser geschützt werden.

Einen ganzen Stock für Covid-Patienten

Die Kantonsspitäler Aarau (KSA) und Baden (KSB) versicherten am 25. Februar vor einem Jahr, sie seien auf den Ernstfall vorbereitet. KSB-Sprecher Omar Gisler sagte: «Sofern nötig, könnte ein ganzes Stockwerk in eine Covid-Station umgewandelt werden.» Gestern teilte das KSB mit, dass seit Ausbruch der Pandemie 805 Covid-Patientinnen und Covid-Patienten am KSB behandelt wurden. 109 verstarben.

Im Aargau angekommen ist Covid-19 einen Tag nach der Fernsehdiskussion. Am 26. Februar 2020 teilte der Regierungsrat etwas kryptisch mit: «Ein Verdachtsfall mit noch nicht erhärtetem Befund bedarf der vertieften Abklärung.»

Das heisst so viel wie: Eine Person wurde positiv getestet. Das Resultat musste aber zuerst – so war es damals üblich – mit einem zweiten Test bestätigt werden. Die Probe mit Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum wurde dazu ins Referenzzentrum nach Genf geschickt.

Einer von neun Fällen in der Schweiz

Am 27. Februar war dann klar: Im Aargau gibt es einen ersten bestätigten Coronafall. Ein Mann, 26 Jahre alt, hatte sich in Norditalien aufgehalten und danach grippale Beschwerden entwickelt. Der Aargauer Fall war einer von damals neun bestätigten Fällen in der Schweiz. Der Mann wurde im Kantonsspital Aarau isoliert.

KSA-Chefinfektiologe Christoph Fux erinnert sich noch gut: «Unser erster Covid-Patient hatte eigentlich nichts. Der war bei uns isoliert im Spital mit banalem Halsweh.» Nach ein paar Tage habe man dann gemeinsam mit der Kantonsärztin entschieden, dass der 26-Jährige auch zu Hause isoliert werden kann.

Irgendwann waren es nur noch Zahlen

Die Neuansteckungen stiegen in den darauffolgenden Wochen und Monaten stetig. Irgendwann waren es nur noch Zahlen. Die Bilanz nach einem Jahr: 36’440 bestätigte Fälle und 634 Todesfälle. Der Negativrekord während der ersten Welle wurde mit 49 neuen Fällen am 26. März registriert. Während der zweiten Welle waren die Zahlen viel höher, weil mehr getestet wurde. Am 22. Dezember meldete der Kanton 575 neue Fälle.

Abstand halten, Hände waschen, Mundschutz tragen. Die drei Massnahmen zum Schutz gegen das Coronavirus sind inzwischen allen bekannt. Vor einem Jahr war die Verunsicherung noch gross. Schon bevor der erste Fall bestätigt war, waren in gewissen Aargauer Apotheken die Hygienemasken ausverkauft.

Dabei empfahlen damals weder das Bundesamt für Gesundheit noch der Kanton das Maskentragen. Kantonsärztin Yvonne Hummel sagte: «Gesunden Personen wird kein Tragen einer Maske empfohlen.» Interne Dokumente des Bundes zeigten später, dass diese Empfehlung der Tatsache geschuldet war, dass man am Anfang der Pandemie schlicht zu wenig Masken an Lager hatte.

Vieles kam anders und etwas kam besser als erwartet

Im Pandemiejahr kam vieles anders, als erwartet. Bei einem wichtigen Thema darf man rückblickend aber sagen: Zum Glück kam es anders. KSA-Chefinfektiologe Christoph Fux sagte im «Talk Täglich» am 25. Februar vor einem Jahr: «Im Moment sehen wir noch keine Impfung am Horizont.»

Diesen Ausweg aus der Pandemie gibt es inzwischen. Im Rekordtempo sind wirksame Impfstoffe entwickelt und zugelassen worden. Im Aargau wird seit dem 5. Januar gegen Covid-19 geimpft. Neun Impfzentren wurden eröffnet und zehn mobile Impfteams sind unterwegs.

39'778 Personen haben eine erste Impfung erhalten, 14'963 sind schon zweimal geimpft worden. Christoph Fux sagt heute: «Damit hätte ich wirklich nie gerechnet. Das schlägt alles, was wir je gesehen haben.»

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